Know-how weitergeben
Nur wenige Chefs fördern den Wissensaustausch

Der Erfolg eines Unternehmens hängt davon ab, ob Mitarbeiter ihr Wissen teilen oder für sich behalten. Die Mehrheit der Chefs weiß das auch. Doch nur wenige Führungskräfte fördern den Wissensaustausch tatsächlich.

Der neue Mitarbeiter hat einen vorbildlichen Lebenslauf: Er hat studiert, promoviert und kann jahrelange Berufserfahrung in unterschiedlichen Unternehmen vorweisen. Doch zum wirtschaftlichen Erfolg seines neuen Arbeitgebers trägt er wenig bei: Er hat schlicht keine Ahnung von den Unternehmensstrukturen und -abläufen. Und die Kollegen verraten nix.

So etwas ist gar nicht mal selten – und kostet Unternehmen einiges, wie eine Studie der Wirtschaftsprüfung KPMG zeigt. Zwischen 50.000 und 500.000 Euro Produktionsausfallkosten können pro Unternehmen und Jahr entstehen, wenn sich neue Mitarbeiter alles selber beibringen müssen – vom Bedienen der Telefonanlage und der Software bis zu den Arbeitsabläufen. „Je höher der Transfer von Erfahrungswissen in einem Unternehmen ist, desto geringer fallen die Konfliktkosten aus“, sagt Werner Bruns, Senior Fellow der Rheinischen Fachhochschule Köln (RFH).

Bewusstsein ist da, wird aber nicht umgesetzt

Gemeinsam mit der Fachhochschule Burgenland und deren Projektpartner FHS St. Gallen hat die RFH das Europa-Institut Erfahrung & Management (Metis) gegründet, das 600 Führungskräfte in Deutschland, Österreich und der Schweiz zum Erfahrungs- und Wissensmanagement in ihren Betrieben befragt hat.

Die erfreuliche Nachricht: 85 Prozent der Chefs wissen laut Untersuchung, wie wichtig die Weitergabe von Erfahrungswissen ist. Aber nur ein Viertel der Befragten setzt das Wissen auch um. "Es gibt zwar ein Bewusstsein für Erfahrungswissen, aber in der Realität fehlt vielen Führungskräften die notwendige Entschlussfreudigkeit bei der Förderung der Weitergabe", sagt Bruns. Durch kulturelle und damit oftmals auch sprachliche Barrieren mangele es in vielen Unternehmen an Wissen darüber, wie Mitarbeiter ihr Wissen möglichst effektiv weitergeben.

Dabei hat die Untersuchung ergeben, dass der Erfahrungsaustausch in einem Unternehmen insbesondere dann von großer Bedeutung ist, wenn Mitarbeiter operative Probleme lösen, Entscheidungen treffen, komplexe Zusammenhänge erkennen oder sogar Krisen bewältigen müssen. „Wissensmanagement ist ohne Erfahrungsmanagement blind“, sagt Bruns. Denn die jeweiligen Kenntnisse haben in dem einen Unternehmen vielleicht einen hohen Stellenwert – in einem anderen aber wiederum so gut wie keinen. Und: Wie ist das Wissen zu bewerten? Ist es erst wenige Wochen alt oder schon überholt, weil der Mitarbeiter es vor mehreren Jahren erworben hat?

Trotzdem beurteilen laut Studie viele Chefs die typischen Wissensmanagementmethoden skeptisch – und setzen sie dementsprechend selten ein. Intranet, Social-Media-Plattformen, Storytelling oder Erfahrungsberichte ausscheidender Mitarbeiter würden sogar selten von jungen Managern genutzt werden. „Dieses Ergebnis zeigt, dass man sich von vielen Methoden verabschieden und die etablierten Methoden verbessern muss“, sagt Bruns. Das sei zum Beispiel das Storytelling – Betroffene berichten, wie sie Erfahrungswissen vermitteln. „Eine wichtige Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der Feedback-Prozess, also das Vertrauen zwischen Absender und Empfänger von Erfahrungswissen stimmt.“

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