Krisenmanagement Entscheiden wie ein Großwildjäger

Nach dem Unglück im Kölner Zoo, bei dem eine Pflegerin von einem Tiger getötet wurde, stößt der Zoodirektor auf massive Kritik, weil er das Tier erschossen hat. Dabei hat er richtig gehandelt - auch als Manager.
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Nach dem tödlichen Angriff eines Tigers auf seine Pflegerin im Kölner Zoo sieht sich der Direktor massiver Kritik ausgesetzt. Quelle: dpa

Nach dem tödlichen Angriff eines Tigers auf seine Pflegerin im Kölner Zoo sieht sich der Direktor massiver Kritik ausgesetzt.

(Foto: dpa)

DüsseldorfAls am Samstagmittag ein Tiger die Tierpflegerin Ruth K. angreift und tötet, reagiert Zoodirektor Theo Pagel rasch. Mit einem Jagdgewehr erschießt er die Wildkatze vom Dach des Geheges aus. Zu diesem Zeitpunkt besteht noch die Hoffnung, dass Ruth K. nur verletzt sein könnte. Direktor Pagel versucht so, das Leben seiner Mitarbeiterin zu retten.

Ständig müssen im Berufsleben Entscheidungen getroffen werden, ohne dass die Entscheider lange darüber nachdenken können. Zum Glück geht es nur in wenigen Fällen um Leben oder Tod. Statistisch gesehen ereignen sich pro Jahr rund 250 bis 280 operative oder kommunikative Krisenfälle in deutschen Unternehmen - bezogen auf rund drei Millionen Unternehmen in Deutschland nicht wirklich viel.

Dennoch: Wer in brenzligen Situationen, in denen es um mehr geht, als um eine verschüttete Tasse auf dem Konferenztisch, nicht zwischen Wichtigem und Unwichtigem entscheiden kann, riskiert nicht nur einen großen wirtschaftlichen Schaden und Reputationsverluste, sondern im schlimmsten Fall auch Menschenleben.

Aus diesem Grund bereiten sich viele Unternehmen und Manager auf solche Extremsituationen gut vor, weiß  Frank Roselieb, Geschäftsführer des Kieler Instituts für Krisenforschung. Denn die Szenarien seien oft so außergewöhnlich, dass den Entscheidern die Übung fehlt. „Zweitens sind es zeitkritische Situationen - sie dulden also keinen Aufschub, sondern verlangen sofort volle Aufmerksamkeit und schnelles Handeln.“

Auch Coach Thomas Schulte von der Kelkheimer Symbiont-Group ist sicher: „Theo Pagel hat diesen bedauerlichen Vorfall, auch wenn er unwahrscheinlich ist, wohl schon mehrfach in Gedanken  durchgespielt und war vorbereitet.“ Was dann von außen wie „ad-hoc“ aussehe, sei in Wirklichkeit die Arbeit harten Trainings.

Wie hätten wir reagiert?
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12 Kommentare zu "Krisenmanagement : Entscheiden wie ein Großwildjäger"

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  • Ein Tiger, der einen Menschen getötet hat, muss weg! Punkt!

    Und wenn ein Hundehalter trotz mehrfacher Ermahnung seinen Hund auf die Kuhweide lässt, weil der mit den Kühen etwas "spielen" will, dann finde ich vollkommen in Ordnung, wenn der Hund von einem Jäger vor den Augen seines Besitzers erschossen wird. Die Gehirnforschung lehrt uns, dass wenn eine Handlung stark emotional belegt ist, die Lernwirkung massiv gesteigert wird.

    Ob Wildtierhaltung in Zoos Sinn macht, ich kann es nicht beurteilen. Sicher werden die Besucherzahlen stark in den Keller gehen, wenn man dort nur Haustiere betrachten kann. So kann man bei kleinen Kindern wahrscheinlich auch keine Begeisterung für den Tierschutz und andere Lebensräume wecken.

    Ein Zoodirektor hat nicht die primäre Aufgabe seine Exponate zu töten. Ich bin mir sicher, dass es ihm nicht leicht gefallen ist. Nach einer schweren Verwundung einer Mitarbeiterin ist man sicher emotional aufgewühlt und auch aus diesem Grunde ist es verständlich, dass man zur Schusswaffe greift. PS: Mit 9mm Pistolenmunition tut man sich schwer, einen Tiger zu erlegen. In Afrika ist zur Großwildjagt Kal. .375 (Holland und Holland) vorgeschrieben mit ca. 6000 Joule Energie vorgeschrieben. Die ball. Kurven eines Betäubungsgewehres und dieses Kalibers lassen sich nicht vergleichen. Wenn Andrenalin im Körper ist, können Betäubungsmittel zunächst wirkungslos sein, wenn man damit das Tier überhaupt trifft.

  • Offensichtlich ist Einigen das Zeitfenster nicht bewusst. Von einer "schnellen" Rettung, in der es um "jede Sekunde" ging, kann keine Rede sein! Die Tote wurde laut Presseberichten um 12:00 Uhr durch die Kollegin im Gehege entdeckt. Erst um 12:30 Uhr (!) wurde die Entscheidung getroffen, den Zoodirektor zum heldenhaften Schützenkönig mutieren zu lassen. Der Zoodirektor ist ebenso niemals so schnell vom Himmel gefallen sein, wie man uns Glauben machen will.

    Hätte es jemanden im Zoo gegeben, der Altai bereits bei Entdeckung einen Betäubungsschuss gesetzt hätte, wäre er am Leben geblieben. Nach den 30 min hätte man im Ernstfall immer noch entscheiden können, ob der finale Rettungsschuss nötig gewesen wäre, zumal dann ja angeblich das SEK und die MP7-Helden zugegen waren. Basta.

    Da hat man Zeit verstreichen lassen und am Ende beseitigte der Zoodirektor das Problem, so dass keiner mehr Fragen stellen kann. Und die Polizei trägt keinen Imageschaden davon, muss sie den Kindern nicht mehr erklären, wieso ein Tiger ermordet wurde.

  • Gott oh Gott
    was hätten die Gutmenschen gesagt wenn die Frau noch gelebt hätte, der Direktor hätte nicht geschossen und der Tiger hätte anschließend die Frau getötet.
    Ich musste mehrfach in meinem Leben in Sekundenbruchteile Entscheidungen treffen die
    Lebens Entscheidend waren, wo anschließend weltfremden Gutmenschen in tagelangen Diskussionen am Kaffeetisch die wildesten und unpraktikabelsten Lösungen auf den Tisch brachten.
    Für mich war es die einzig richtige Entscheidung den Tiger sofort mit aller Konsequenz zu töten um eventuell noch das Leben der Frau zu retten.
    Ob ein Tiger in die Gefangenschaft gehört steht auf einem anderen Blatt, mir ist jeder Tiger in der freien Natur lieber wie im Zoo nur geht diese ethische Diskussion in diesem konkreten Gefahrenfall ins leere.

    Dieter

  • Und womöglich unterlassene Hilfeleistung nicht?

    Das erklär mal bitte..

  • Ich sage ja gar nicht, dass der Tiger ideal gelebt hat, sondern EINIGERMASSEN artgerecht. Die natürliche umgebung des naturbelassenen Menschen sieht auch anders aus, als unsere Um- und Arbeitswelt.

    Das ist halt wie beim Stierkampf. Wenn ich wählen dürfte und müßte, ob ich als Fleischviehstier in die massenhaltung geboren werden will oder als Stierkampfstier für die Arena, so würde ich sofort die Arena wählen.

    Und der Tiger wäre in freier Wildbahn vielleicht in die Fangeisen chinesischer Wilderer getappt, die es nur auf seine Zähne abgesehen haben. Da wäre er dann qualvoll verblutet. Das Viech hat gut gelebt und ist schnell und schmerzlos gestorben. Also so schlecht hat er's nicht gehabt.

  • Den wehrlosen Tiger, der sich korrekt verhalten hat zu töten, war ein Verbrechen!!! Frantisek Chladek aus Prag

  • "Der Tiger hat einigermassen artgerecht gelebt,..."
    -----------

    ARTGERECHT??? Vielleicht sollten Sie sich einmal über die Wildbiologie, die Ethologie und den Lebensraum des (Amur-)Tigers informieren, dann würden Sie so etwas nicht schreiben!
    Die Katze hat in der Natur Streifreviere bis zu 400 km², der Kater bis 1000 km², im Extremfall bis zu 3000 km². 2 bis 3 Katzenreviere überlappen sich mit einem Katerrevier. Jetzt vergleichen Sie das mal mit einem Tigergehege im Zoo...
    Artgerecht... Also wirklich...

  • Daß es auch anders geht, beweist diese Meldung der Hamburger Morgenpost:

    Dezember 2009:

    Im Zoo von Aschersleben in Sachsen-Anhalt gelangt ein Tiger durch eine nicht geschlossene Schleuse in seinen Käfig, der gereinigt werden soll. Das Raubtier greift eine 30 Jahre alte Tierpflegerin von hinten an und zerrte sie in einen Freiraum. Sie wird schwer verletzt. Der stellvertretende Leiter des Tierparks drängt den Tiger weg und sperrt ihn in den Käfig ein.

  • OMG! Traurig für die Tierpflegerin und ihre Familie und Freunde und traurig für den Tiger und seine Artgenossen im Zoo. Sicher. Aber mal ehrlich. Das ist eben ein Betriebsunfall. Falsche Entscheidung und schon sind ein paar Menschenleben perdu - das passiert im Straßenverkehr ständig.

    Wenn wir Zoos wollen, und zwar auch solche mit Großkatzen, dann müssen solche Betriebsunfälle eben hingenommen werden.

    ob der tiger nun hätte erschossen werden müssen? Leute! jeden Tag killen wir auf brutalste Weise Tiere für unsere fleischlichen Gelüste. Tiere, die kein schönes Leben hatten. Der Tiger hat einigermassen artgerecht gelebt, vermutlich ab und zu eine Tigerin bestiegen und seine täglichen Malzeiten bekommen. Auch inkl. dem Abschuß insgesamt für einen Tiger nicht schlecht.

  • Bestimmt wollte er „richtig“ handeln und vielleicht tue ich ihm unrecht, aber: Kann es sein, daß die Versuchung bestand, sich als schnell und effizient handelnder „Held“ zu beweisen? Oder wurde er zum Vollstrecker eines (vermutlich nicht besonders fachkundigen) Polizeibefehls gemacht?
    Ich kann nicht sagen, wie ich in der Situation gehandelt hätte. Vielleicht genauso wie Herr Pagel, vielleicht anders. Und bestimmt kann keiner auf dieser Welt die "richtige" Entscheidung für sich beanspruchen. Aber JEDER trägt für sein Tun die Verantwortung und dazu gehört auch, daß er die Entscheidung und die Hintergründe bei Bedarf im Detail erläutert. Dies ist in nicht bzw. nicht befriedigend geschehen. Solche Situationen erfordern aus meiner Sicht auch eine Kommunikation im Dialog und nicht in unzureichenden Statements. Nein, lieber HB-Autor, ich kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht bejahen, daß Herr Pagel richtig gehandelt hat – auch als Manager.

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