Londoner Finanzindustrie
Keiner will mehr Banker werden

Banken waren für Berufsanfänger lange Zeit attraktive Arbeitgeber. Doch die Wirtschaftskrise hat das Image der Finanzbranche ruiniert - eine Umfrage in London kommt zu einem ernüchternden Ergebnis.
  • 20

LondonDie Zahl der Bewerber auf Stellen in der Londoner Finanzwirtschaft ist im Mai laut einer Umfrage erheblich zurückgegangen. In der so genannten „City“ - dem wichtigsten Finanzdistrikt in Europa - sowie in anderen Stadtteilen der britischen Hauptstadt haben offenbar die Schuldenkrise in Europa und die Konjunktursorgen in Großbritannien einen Rückgang der Stellengesuche um 58 Prozent bewirkt, wie es in einer am Dienstag in London vorgelegten Mitteilung des Personalberaters Morgan McKinley hieß.

In absoluten Zahlen habe sich die Zahl der Bewerber von 15.150 im Mai letzten Jahres auf nur noch 6.419 im zurückliegenden Monat vermindert. „Im derzeitigen ökonomischen Umfeld ist die Wechselwilligkeit von Beschäftigten der Finanzbranche naturgemäß weniger ausgeprägt“, hieß es von Andrew Evans, der bei Morgan McKinley die Finanzsparte leitet, laut der Mitteilung. Diese Unsicherheit könne die Arbeitnehmer von einem Wechsel abhalten.

Derzeit schrumpft die Londoner Finanzindustrie insgesamt. Die Schuldenkrise in Europa begrenzt die Gewinne und als Reaktion auf die Finanzkrise des Jahres 2008 haben es die Unternehmen überdies mit höheren Regulierungsanforderungen zu tun. Auch die Zahl der Stellenofferten sinkt dabei. Im Mai wurden 25 Prozent weniger offene Stellen ermittelt als im Jahr zuvor; die Zahl wurde von Morgan McKinley auf 5.229 beziffert. Im Monatsvergleich mit April habe sich allerdings hier ein Plus von 17 Prozent ergeben.

Rund 75 Prozent der Angestellten in der Londoner Finanzbranche haben laut dem Personalberater für 2011 einen Bonus erhalten. 42 Prozent der Befragten äußerten sich demnach zufrieden mit ihrer Bezahlung, hieß es von Morgan McKinley ebenfalls.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Londoner Finanzindustrie: Keiner will mehr Banker werden"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Es drängt weniger Menschen dazu, Zecken der produktiven Wirtschaft werden zu wollen -Das sind doch endlich mal gute Nachrichten, Weihnachten ist halt doch die Zeit der Wunder..

  • Sehr schade eigentlich, da es wirklich ein sehr spannender Beruf sein kann.

    Leider wird das Image der Banker (und damit meine ich Bankangestellte, Banker und Bankiers) wird leider durch einen verschwindend kleinen Teil ruiniert.

    @ Numismatiker: was meinen Sie denn genau mit "übers Ohr gehauen werden"?

  • kuac:

    Das Eine schließt das Andere nicht unbedingt aus! Der Bäcker (nicht Bänker :-) ) macht doch auch seine Kunden und sich glücklich. Der Autohersteller auch (obwohl der nicht mal seine Marge angeben muss - dagegen müsste es auch mal ein Gesetz geben). Warum darf denn eine Bank nicht Geld verdienen?? Klar mag in Deutschland keiner für Dienstleistung bezahlen, da man diese nich "angreifen" kann? Wichtig ist das richtige Maß. Klar kann ich meinen Kunden Müll andrehen womit mein Arbeitgeber schnell viel verdienen kann - aber dann habe ich nach spätenstens ein Jahr keine Kunden mehr. Manchmal muss man als Banker auch Kunden abweisen können. Die 100% sichere Anlage mit 5% Zinsen p. a. gibt es nun mal zur Zeit nicht (und Sie glaube gar nicht wie oft man danach gefragt wird). Ferner muss man seine Haltung natürlich auch ggü. seinem Chef vertreten können und manchmal auch unangenehme "Wochengespräche" aushalten. Langfristig gesehen ist mir eine angenehme Kundenbeziehung viel mehr wert. Chefs wechseln - der Kunde bleibt. Selbst wenn mal eine Anlage nicht funktioniert - der Kunde, dem man offen alles erklärt hat, ist der letzte der meckern (auch wenn es nicht schön ist Geld zu verlieren).

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%