Lufthansa und Büroarbeit: Arbeiten ohne festen Arbeitsplatz – außer im Flieger

Lufthansa und Büroarbeit
Arbeiten ohne festen Arbeitsplatz – außer im Flieger

Die Lufthansa organisiert sich neu: In der Frankfurter Zentrale haben die 2000 Mitarbeiter künftig keinen festen Arbeitsplatz mehr. Welche Erfahrungen andere Unternehmen mit „hyperflexibler“ Büroarbeit gemacht haben.

Frankfurt/MünchenDie Lufthansa ist nicht gerade vorne dran, wenn sie aktuell ihre Firmenzentrale am Frankfurter Flughafen umgestaltet. Die Mitarbeiter verlieren ihre festen Arbeitsplätze, müssen sich künftig jeden Morgen einen freien Schreibtisch im gläsernen Lufthansa Aviation Center (LAC) suchen. Ähnliche Prozesse haben Beschäftigte bei Einheiten von BMW, Deutscher Bank oder Siemens schon hinter sich, denn flexiblere Arbeitswelten liegen bereits seit Jahren im Trend.

Dahinter steht die in Start-ups vorgelebte Hoffnung, über flexiblere Arbeitsabläufe mehr Kreativität in den Köpfen zu wecken. Öde Schreibtischlandschaften mit darbenden Topfpflanzen sollen in vielen Betrieben der Vergangenheit angehören. Sie passen nicht in die digitale und kreative Bürowelt von morgen. „Büroarbeit wird hyperflexibel, multilokal, individuell und nachhaltig“, sind die Experten vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation überzeugt und erarbeiten entsprechende Konzepte.

Einschlägige Erfahrungen hat der Automobilclub ADAC seit dem Bezug seiner neuen Zentrale in München vor rund vier Jahren gesammelt. Dort arbeiten mit insgesamt circa 2700 Leuten etwas mehr Beschäftigte als in der Lufthansa-Liegenschaft. Die Erfahrungen sind unter dem Strich zwar positiv, aber durchaus zwiespältig, berichtet Christopher Lill, verantwortlicher Leiter des Ressorts Betriebsorganisation beim ADAC. „Das Thema ist sehr emotional. Manche Mitarbeiter hängen schon sehr an ihrem gewohnten Heimathafen. Diese Kollegen kriegt man nur schwer in Bewegung.“

Widerstand sei vor allem von Mitarbeitern gekommen, die tagtäglich ähnliche Administrativaufgaben erledigen und immer im Haus sind. Auch habe es anfangs zu wenig Rückzugmöglichkeiten gegeben. Gute Erfahrungen habe man hingegen bei Projekten gemacht, deren Mitarbeiter sich in unterschiedlichen Zusammensetzungen je nach Bedarf schnell zusammensetzen könnten. Zunehmend beliebt würde neben dem nur in Absprache erwünschten Home-Office das Arbeiten mit Laptop in der Lobby, im Betriebsrestaurant oder im Sommer auch in den Außenbereichen.

Dennoch wünscht sich Lill eine weitere Runde in dem Veränderungsprozess.

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„Ausnahmen schaffen Unmut“

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