Management
Warum Chefs unangenehme Entscheidungen abwälzen

Eine neue Studie belegt, warum Menschen so gerne unangenehme Entscheidungen an andere weitergeben: Sie haben große Angst, etwas falsch zu machen – die Konsequenzen soll nämlich lieber jemand anderes tragen.

Macht kann ziemlich anstrengend sein. Etwa wenn es darum geht, Entscheidungen zu treffen. Einerseits schätzen Menschen zwar das Gefühl, überhaupt eine Auswahl treffen zu können. Dutzende von Studien konnten in der Vergangenheit zeigen: Droht man damit, ihnen die Wahlfreiheit zu entziehen, wehrt sich die Mehrheit vehement dagegen. Den meisten ist es nun mal lieber, die Hände am Lenkrad zu haben, als untätig auf der Rückbank zu sitzen – selbst wenn andere Insassen in Wahrheit besser fahren.

Andererseits wird es im Berufsalltag für Manager immer schwieriger, konsequent kluge Entscheidungen zu treffen. Digitalisierung und Globalisierung erhöhen die Komplexität und die Geschwindigkeit, die Corporate-Governance-Struktur führt zu Risikoaversion und Kontrollzwang.

Das Internet wiederum verschafft Führungskräften zwar Zugang zu einer Unmenge an Informationen. Doch anstatt aufgrund der besseren Datenlage auch bessere Entscheidungen zu treffen, sind viele schlichtweg überfordert. Dann treffen die einen eben nicht mehr die beste Wahl, sondern allenfalls die zweitbeste – die sie selbst schützt, falls etwas schiefgeht. Die anderen schieben einen Entschluss lieber erst mal auf – oder sie delegieren die Aufgabe weiter.

Alle wissen's – keiner macht's

Die Folge bezeichnen Wissenschaftler als Verantwortungsdiffusion. Vereinfacht formuliert: Alle wissen Bescheid, niemand kümmert sich. Aber gibt es Situationen, in denen Menschen besonders ungern Entscheidungen treffen?

Diesen Fragen widmete sich jetzt Mary Steffel, Assistenzprofessorin an der Northeastern-Universität im US-Bundesstaat Massachusetts. Für ihre Studie, die kürzlich im Fachjournal „Organizational Behavior and Human Decision Processes“ erschien, konzipierte sie sieben verschiedene Experimente.

In einem Versuch teilte Steffel mehr als 200 Freiwillige in Zweierpärchen auf. Die eine Hälfte erfuhr, dass sie nun eine Aufgabe lösen sollte – der anderen Hälfte sagte Steffel, dass ihr Spielpartner an der Reihe sei.

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Faul oder feige?

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