Mentale Stärke: So finden Sie den besten Coach

Mentale Stärke
So finden Sie den besten Coach

Ob für Kommunikationstraining, Burnout-Prävention oder Hilfe bei Veränderungen im Betrieb – Coaches sind in Unternehmen gefragter denn je. Doch der Branche fehlt Einigkeit. Bei der Auswahl der Trainer folgen Firmen deshalb ihre eigenen Kriterien.
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DüsseldorfTrainingshose, Mikro und ein rotes Stirnband – das sind die Markenzeichen von Christian Bischoff. Mit seinen Vorträgen zu Motivation, Selbstvertrauen und mentaler Stärke füllt der ehemalige Basketball-Profi und heutiger Coach Hallen, auch die von großen Unternehmen wie Siemens, Bosch oder Kraft. „Seit der Krise zeigt sich bei Firmen die Tendenz, nicht nur die Motivation steigern zu wollen, sondern auch den Sinn in dem zu erkennen, was Sie tun“, sagt der Coach.

Bischoff ist Teil einer Branche, die in den vergangenen Jahren kräftig geboomt hat und nun langsam zu ihrem Zenit findet. Ursprünglich ein Privileg hochbezahlter Manager und Sportler, sind Coaches inzwischen auf allen Unternehmensebenen unterwegs. Generationswechsel im Betrieb, zunehmende Internationalisierung, Training von Führungskräften – es scheint, als ginge das alles den Betrieben mit dem passenden Coach besser von der Hand.

Den richtigen Profi zu finden, ist aber alles andere als einfach – der Markt wird immer kleinteiliger. „Die Professionalisierung von Coaching-Dienstleistungen ist in vollem Gange“, sagt Peter-Paul Gross, Coaching-Forscher an der Phillips-Universität in Marburg. Das Marktwachstum ließe nach, ein Differenzierungswettbewerb setze ein. Allein im Bereich Business-Coaching haben Unternehmen inzwischen die Wahl zwischen circa 8000 Coaches.

Noch mehr Anbieter dürften sich im Bereich des Life-Coachings tummeln. Dabei geht es nicht um Firmenstrategien, sondern um Lebenshilfe. Wer sich spezialisiert, hat angesichts der großen Konkurrenz gute Chancen – Coaches, die sich nur um einen bestimmten Bereich kümmern, bekommen mehr Aufträge als Generalisten.

Dabei ist die Wahl des richtigen Coaches vor allem eine Sache des Vertrauens. „Weder Coaches noch Kunden sind in der Lage, die Qualität von Coaching-Dienstleistungen einwandfrei zu evaluieren“, sagt Gross. Die Dienstleistung „Coaching“ habe die Eigenschaften eines Vertrauensgutes. „Bei der Auswahl eines Coachs sollte immer auch der Bauch mitentscheiden.“ Spezialisierung, Arbeits- und Branchenerfahrung müssten bei der Wahl ebenfalls berücksichtigt werden.

Dagegen sei die Mitgliedschaft im Berufsverband kein sicheres Zeichen für einen guten Coach: „Es entstehen ja immer wieder neue Verbände und Zertifikate“, sagt Gross. Manche sind sehr selektiv – wie zum Beispiel Deutscher Bundesverband Coaching – andere weitaus weniger wählerisch, was ihre Mitglieder angeht. Bei 20 Coaching-Vereinen, über 200 verschiedenen Coaching-Ausbildungen und 300 Coaching-Zertifikaten, ist es schwer, den Durchblick zu behalten. „Aktuell sehe ich noch keine langfristige Konsolidierung hin zum einem einheitlichen Standard für Coaching-Ausbildungen und Berufsvoraussetzungen“, so der Marburger Wissenschaftler.

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  • Coaching ist nicht gleich Coaching. Ich habe eine Coaching Ausbildung gemacht um in die Abteilung bei meinen Arbeitgeber (Bank-Callcenter) reinzukommen. Hier wird die Kommunikation in Side by Side Coachings verbessert. Hier ist die Grenze zwischen Training u Coaching, wie ich finde.

    In der Coachingausbildung ging es allerdings mehr um den "Life Coaching" Aspekt. Ich hab eine Menge dort gelernt. Da allein bei mir in der Straße zwei Anbieter von Coaching u Therapie sind, habe ich es sein lassen.
    Dennoch werde ich Coachings in naher Zukunft anbieten. Aber nur für den Bereich, den ich wirklich zu 100% beherrsche. Kommunikation am Telefon. Da bin ich seit Jahren in der Praxis tätig.

    Aber ich möchte auch betonen, dass ich während einer tiefen Lebenskrise ein Coach in Anspruch genommen habe. Welches die Zeit in dem Loch, in das ich gefallen bin, sehr verkürzt hat.
    Marko Holtwick

  • Die undifferenzierte Darstellung und Verwendung der Begriffe "Training" und "Coaching" in diesem Artikel ist unglücklich und wird von mir hiermit kritisiert.

    Wir unterscheiden in unserer Forschung sehr genau:

    Trainings sind gruppenbasierte Personalentwicklungsdienstleistungen, die i.d.R. das Ziel haben, auf eine Norm hin zu arbeiten. Bsp. bei SAP Training gibt es eine Norm für den Wissens- und Anwendungsstand der Mitarbeiter, welche durch das Training erreicht werden sollen.

    Beim Coaching handelt es sich primär um eine individuelle personenbezogene Dienstleistung bei der die Selbstreflexionsfähigkeit des Coachee gestärkt werden soll. Coaching kann dazu dienen,
    - die Problemlösungs- und Lernfähigkeit der Mitarbeiter/innen zu verbessern,
    - gleichzeitig die individuelle Veränderungsfähigkeit zu erhöhen und schließlich
    - das Spannungsfeld zwischen den persönlichen Bedürfnissen, den wahrzunehmenden Aufgaben (Rolle) und den übergeordneten Unternehmenszielen auszuhalten oder auszubalancieren.

    In der Forschung unterscheiden wir in Life-Coaching-Angebote (Leistungen zu primär privaten Anliegen und Anlässen) und Business-Coaching-Angeboten (Leistungen zu primär berufsbezogenen Anliegen und Anlässen).

    Unsere Einschätzung von ca. 8.000 Coachs in Deutschland basiert auf Daten zur Einkommenssteuer des statistischen Bundesamtes und bezieht sich auf Business-Coachs.

    Bei unseren Erhebungen legen wir großen Wert darauf, dass nur Coachs teilnehmen, die ihre Dienstleistungen Unternehmen anbieten. Dass es sehr viel mehr Anbieter gibt, die ihre Dienstleistungen durch das Anhängsel "Coaching" versuchen zu adeln (bspw. Koch-Coaching, Astra-Coaching, Flirt-Coaching, etc.) oder die Trainingsdienstleistungen anbieten, ist bekannt.

    Unsere Forschung bezieht sich auf Business-Coaching.

    Nähere Informationen finden Sie unter:
    www.marburgercoachingstudie.de

    Beste Grüße
    Peter-Paul Gross

  • Schade, dass das Handelsblatt hier Trainer, Coaches und Impulsredner scheinbar synonym verwendet.

    Eine Differenzierung zwischen

    XXX Impulsvorträgen als Großveranstaltung (deren Wirkung jedoch erst Kraft entfaltet, wenn diese nachbearbeitet werden),

    XXX Trainings, in denen oft methodische Skills vertieft werden und

    XXX Coachings (die Branche wirkt uneinig, ob das nur Einzeln oder auch in Gruppen geht), die, wie beschrieben primär persönliche und soziale Kompetenzen im Fokus haben,

    wird mir dabei leider nicht deutlich. Genau diese halte ich jedoch für wesentlich, wenn es darum geht, die Person auszuwählen, die mir genau das bietet, was ich suche.

    Das Therapie-Bild suggeriert, dass hier "ruhig" Überschneidungen passabel sind, genau das lässt aber ein guter Coach nicht zu, zitieren Sie Peter-Paul Gross.

    Dieser insgesammt wenig differenzierende Artikel bringt mir entsprechend mehr Unklarheit, als konkrete Hilfestellung.

    Schade, denn genau eine solche Klarheit könnte passende von unpassenden Angeboten oder Anbietern trennen.

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