Mitarbeiterführung
Der beste Chef macht sich überflüssig

Sie wollen einen Führungsjob antreten oder sind schon länger Chef? Ein Reigen an Anforderungen prasselt auf Sie herein! Denn zwei neue Bücher legen nahe: Läuft im Betrieb etwas schief, liegt's nicht an den Mitarbeitern.
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DüsseldorfAuf Mitarbeiter sauer sein, wenn diese etwas verbocken? Vergessen Sie's, wenn Sie Chef sind! Denn glaubt man aktueller Ratgeber-Lektüre fällt das am Ende auf die Führungskräfte zurück. Schlechte Frauen oder Männer in der eigenen Truppe zu haben – das ist vor allem ein Problem der Vorgesetzten, nicht der Untergebenen. Allerdings nicht immer: Von notorischen Nörglern und Bremsern sollten sich Chefs möglichst trennen, darin sind sich die Autoren Bernd Geropp („Ist die Katze aus dem Haus ..., Redline Verlag) und Jörg Knoblauch („Die Chef-Falle“, Campus Verlag) einig.

Knoblauch, ein Unternehmensberater vor allem im Mittelstand, ist dabei recht drastisch. Wie in einem vorherigen Werk walzt er aus, dass es drei Mitarbeiter-Typen gibt: A-, B- und C-Kräfte. Sprich: Top-Leistungsträger, solide Arbeiter und Bremser. Jede Firma sollte danach streben, 80 Prozent A-Kräfte zu haben und 20 Prozent B-Kräfte – und die C-Kräfte loswerden. Für diese rabiate Sichtweise hat er schon viel Kritik einstecken müssen. Im aktuellen Buch gibt er den Schwarzen Peter an die Chefs in Firmen mit C-Arbeitern weiter.

„Die Chef-Falle schnappt zu, sobald ein Manager den Druck, den er sich selbst macht, ungefiltert an seine Mitarbeiter weiter gibt“, schreibt Knoblauch. Dann komme manchmal eine Negativspirale in Gang, die mehr Mitarbeiter in die Bremser-Kategorie driften lasse. „Wer aber Führungskraft sein will, der darf seinen Frust niemals an seinen Mitarbeitern auslassen.“ Ein Grund für solches falsches Verhalten der Chefs liege mitunter in der Selbstüberschätzung und dem Willen, alles selbst zu machen und nur das Nötigste zu delegieren.

Und so seien auch die Chefs wie Mitarbeiter drei Kategorien zuzuordnen: solche mit visionärer Kraft, solche mit Erfolg, aber Tendenz zum Mikromanagement und solche, die eigentlich nur ihre eigenen Interessen verfolgen. In welche Kategorie man selbst als Vorgesetzter falle? Das lasse sich eigentlich nur beurteilen, indem man die Mitarbeiter befrage. Den Mut müsse man schon aufbringen.

Kommentare zu " Mitarbeiterführung: Der beste Chef macht sich überflüssig"

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  • Die meisten Nörgler sind Vorgesetzte !!!!!!!!!

  • Die meisten Nörgler sind Vorgesetzte !!!!!!!!!

  • Die Kernaussage ist doch richtig. Wenn ich als Führungskraft die besten fachlichen Mitarbeiter eingestellt habe, diese im Zusammenspiel mit anderen optimal einsetze und richtig motiviere, dann habe ich eine gute Arbeit gemacht. Die Mitarbeiter müssen in ihren Aufgaben alleine laufen können und die entsprechenden Freiheiten und Entscheidungskompetenzen erhalten, um sie richtig zu motivieren.
    Gute Führung leidet doch aber gerade an diesen beiden Eckpunkten. Gute Chefs sind erpicht darauf, dass ihre Mitarbeiter besser sind als sie und geben ihnen Vertrauen und die notwendige Freiheit; mittelmäßige Vorgesetzte suchen gleich starke Mitarbeiter; schlechte Führungskräfte sind selbst die besten Fachleute und geben keine Kompetenzen und Verantwortung ab. Wenn Unternehmen dies erkannt haben und teure Programme etablieren, um eine andere (vielleicht bessere) Führungskultur zu etablieren, dann arbeitet man aber immer noch an den Symptomen, nicht an der Ursache, nämlich nur am Verhalten, nicht an der Persönlichkeit der Führungskraft. Das Unternehmen muss vermutlich seinen eigenen Führungskräften mehr Vertrauen, Freiheiten und Kompetenzen übertragen, um selbst diesen Prozess in Gang zu setzen. Welche Kompetenz liegt denn vor, wenn der Abteilungsleiter im Range des Prokuristen alle Entscheidungen (?!), Einkäufe oder Personalangelegenheiten immer noch von der GL/Vorstand absegnen muss, obwohl er sich an die einschlägigen Unternehmensrichtlinien hält.
    Ich empfehle hier gelegentlich, die eigenen Vorgaben regelmäßig auf den Prüfstand zu stellen. Dann klappt es auch mit den Führungskräften.

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