Motivation von Führungskräften
Auch der Chef will glücklich sein!

Mitleid mit Führungskräften? Kommt eher selten vor. Schließlich werden „die da oben“ doch gut bezahlt. Nur scheint den Chefs jetzt das große Geld gar nicht mehr so wichtig zu sein, wie eine Studie der Hay Group zeigt.
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DüsseldorfFührungskräfte stecken in einer schwierigen Position: Von oben kommt Druck und unten müssen sie mit ihren Kollegen gleichzeitig kooperieren und konkurrieren. „Dafür werden sie aber doch super bezahlt“, heißt es immer wieder aus den Reihen der Chef-Kritiker und: „Kein Mitleid“.

Es ist allerdings längst kein Geheimnis mehr, dass Geld alleine nicht glücklich macht. Da genügt nur ein kurzer Blick in die weltumspannende Literatur zum Thema Glücksökonomie. „Arbeit ist eng verbunden mit unserem Selbstverständnis“, schreibt auch Thomas Vašek, Autor und Chefredakteur des Philosophiemagazins „Hohe Luft“, in seinem Buch „Work-Life-Bullshit“. Er ist der Überzeugung, dass die Gesellschaft vor allem gute Arbeit braucht, also Arbeit, die bereichert und erfüllt. Vašek: „Das hängt nicht nur von der Entlohnung ab.“ Ja, man kann sogar noch viel weiter zurück gehen, denn schon seit König Midas ist bekannt, dass Geld und Gold nicht alles ist, was der Mensch zu seinem Glück braucht.

Es gibt unter Wissenschaftlern aus Ökonomie und Psychologie sogar einen Fachausdruck dafür. Als „Wohlstands-Paradox“ bezeichnen sie die tatsächlich messbare Tatsache, dass jenseits eines objektiv gesehen nicht gerade hohen Einkommensniveaus das subjektiv empfundene Glück kaum mehr ansteigt, dass Leute in reichen Ländern nicht automatisch glücklicher sind als in nicht ganz so reichen.

Ein bisschen neu scheint jedoch die Tatsache zu sein, dass sich diese Binsenweisheit nun auch ihren Weg hoch in die Führungsetagen gebahnt hat, wo ja bekanntlich nicht selten bis zum Umfallen gearbeitet wird, nur um nahe einer Erschöpfungsdepression die nächste Stufe der Karriereleiter erklimmen zu können. Kurz: Auch der Chef will jetzt glücklich sein.

Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Hay Group Deutschland, die in Kooperation mit den Führungskräfteverbänden VAA, Forum F3 und ULA entstanden ist und Handelsblatt Online exklusiv vorliegt. Demnach spielen in der Arbeitswelt von Führungskräften neben einer leistungsgerechten Vergütung vor allem auch immaterielle Faktoren eine stärkere Rolle. Gerade dann, wenn es darum geht, motiviert zu werden.

Denn Bonus hin oder her, der Studie zufolge können Top-Manager nur bis zu einem gewissen Grad zu höheren Leistungen gebracht werden. Zwar wachsen finanzieller und psychologischer Wohlstand eine Zeit lang tatsächlich parallel zueinander, allerdings hört der Spaß auch irgendwann wieder auf.

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  • Schöne An- und Einsichten
    Leider helfen diese nur denjenigen, die einen Job haben. Ich denke, viele der über 50jährigen, Arbeit suchenden mit z.T. sehr guter Ausbildung denken anders und bereuen vielleicht, in früheren Jahres so gedacht zu haben. Der eine oder andere wird sich fragen, was denn die Tätigkeit in dieser (heteronom dominierten) Autonomie als Führungskraft gebracht hat. Hoffentlich soviel, dass er es sich leisten kann, dann ausgesondert worden zu sein. Vielleicht sind sogar diejenigen auf die Dauer glücklicher, die sich mit wenig Karriere und damit weniger Stress angefreundet haben. Denn auch die Autonomie der Führungskraft endet am Marktsystem, in dem allein die Kapitalrendite als Leistungsindikator zählt. Denn: geschaffene Arbeitsplätze werden wohl von keinem der sog. "Analysten (und -innen) bei der Festlegung eines Unternehmeswertes gut geschrieben.

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