Outfit im Management
„Es ist okay, wenn die Chefin Bein zeigt – solange sie schlanke Beine hat“

Wie die Chefin wieder aussieht! Täglich toben sich Vorgesetzte bei Berater Klaus Schuster aus, der von abenteuerlichen und sexistischen Geschichten weiß. Ein Gastkommentar zum „heißen“ Thema Outfit im Management.
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Neulich am Verhandlungstisch platzte mir der Hemdkragen – und nicht weil es draußen 30 Grad warm war oder ich mich trotz Hitze in selbigen nebst Jackett gezwängt hatte. Auch nicht, weil mir gegenüber drei Manager in ähnlich schweißtreibendem Business-Outfit saßen. Sondern weil auf der Gegenseite auch ein Manager in Bermudas und Polo-Hemd und eine Managerin im luftigen Sommerkleid mit Spaghetti-Trägern saß. Zuerst wurde ich neidisch. Dann abgelenkt. Dann misstrauisch.

Ich fragte mich: Hatten sich der leichtbekleidete Herr und die freizügige Dame etwa verirrt? Oder waren sie als fieser Trick der Verhandlungsführung dazu gedacht, mich aus dem Konzept zu bringen? Mit zunehmender Dauer der Verhandlung wurde ich immer gereizter: Hat die EU-Kommission jetzt den Business Dress Code aufgehoben und ich habe es nicht mitgekriegt?

Hinterher klagte ich mein Befremden einem befreundeten Manager. Der meinte: „Was soll ich erst sagen? Unsere Chefin läuft in diesen heißen Sommertagen in schwarzen Shorts und Neckholder-Top durch die Gänge. Und wenn du darüber auch nur ein Wort verlierst, bist du gleich ein verdammter Sexist. Aber das ist noch nicht einmal das Schlimmste.“ Ich wollte wissen, was schlimmer als eine aufregende Vorgesetzte sein könnte. Der Kollege meinte: „Ich habe auch Mitarbeiter von diesem Kaliber!“ Er erzählte: „Zu meiner Zeit trugen wir im Business noch Anzug, Hemd und Krawatte. Heute tolerieren wir stillschweigend auch Smart Casual.“

Ich fand das gut, wollte aber von ihm wissen, wie er „Smart Casual“ definiere. Er darauf: „Da liegt das Problem“ Und er erzählte, dass es ihn Wochen harter Verhandlungen gekostet habe, einen besonders modebewussten Mitarbeiter davon zu überzeugen, dass bunte T-Shirts mit lustigen Sprüchen nicht Smart Casual seien. Er verhandelt mit einem weisungsgebundenen Mitarbeiter über dessen Berufskleidung? Ich hätte dem Burschen die Leviten gelesen! Genau da liegt das Problem.

Sobald ich heutzutage auch nur einen Azubi darauf aufmerksam mache, dass er selbst bei einer Hitze wie im zu Ende gegangenen Sommer nicht in Jesus-Sandalen zur Kundenbesprechung latschen darf, rennt der doch zum Betriebsrat und brüllt „Eingriff in die Persönlichkeitsrechte!“. Inzwischen war das Thema auch irgendwie in unsere mittlerweile fast 6.000 Mitglieder starke, virtuelle Leadership-Diskussionsrunde reingerutscht. Es löste eine der lebhaftesten Diskussionen der letzten Wochen aus.

Ein Manager meinte, dass der Dress Code nichts mit Mode, sondern vielmehr mit Gewohnheiten zu tun hätte: „Es gab eine Zeit, da war eine Frau in Hosen undenkbar – und wir haben uns daran gewöhnt.“ Das heißt: Genauso werden wir uns künftig an Reisebüro-Expedientinnen in Bikini-Top und Pareo gewöhnen? Ich freue mich schon heute darauf – und ziehe meine Vorfreude sofort mit dem Ausdruck tiefsten Bedauerns zurück, weil das ja „So Macho!“ ist. „Frauen ziehen sich nicht für Männer an“, wie mich eine Managerin aufklärte, „sondern für andere Frauen.“ Und wenn der Kunde ein Mann ist?

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  • Ein ebenso unterhaltsamer wie zum Nachdenken anregender Artikel!

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