Ratgeber
Karriere-Tipps, auf die Sie nicht hören sollten

Nach dem Ausland kommt der Aufstieg, gute Netzwerke bringen einen immer an die Spitze und der Doktortitel ist ein Karriere-Turbo? Viele dieser Regeln gelten heute nicht mehr – und können der Karriere sogar schaden.
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DüsseldorfDavid Croyé entschied sich früh, seinen eigenen Weg zu gehen. Mit 22 schmiss er nach nur vier Semestern sein Architekturstudium, um sich ganz auf das zu konzentrieren, was ihm wirklich Spaß machte. Croyé nahm sich eine Auszeit und brachte sich selbst alles darüber bei, wie Suchmaschinen wie Google funktionieren und wie er eine Website aufbauen muss, damit sie unter den ersten Treffern landet. Zwei Jahre lang las er Bücher und Blogs, stöberte in amerikanischen Foren, und testete an seinen eigenen Internetseiten immer wieder selbst aus, was gut funktionierte – und was nicht.  

Die harte Arbeit hat sich gelohnt: Heute, mit 27, ist Croyé Online-Marketing-Chef bei Kaufda.de - einer Plattform, auf der Nutzer in Prospekten von Aldi, Kaufhof oder Praktiker gezielt nach Angeboten in ihrer Stadt suchen können - und leitet ein Team von 20 Mitarbeitern. „Ich habe wirklich genau den Job gefunden, den ich gerne machen will“, sagt der zugezogene Berliner.

Die Laufbahn von David Croyé ist nur eine von vielen die zeigen, dass viele alte Karriereregeln heute so nicht mehr gelten: Etwa, dass man ohne Studium nicht aufsteigen kann, es ohne Auslandserfahrung nie an die Spitze bringt oder eine Top-Karriere nur in einem großen Konzern macht. „Viele dieser Karriereregeln sind reine Mythen“, sagt Headhunter Marcus Schmidt, der seit über zehn Jahren Unternehmen und Führungskräfte berät.

Auch Karrierecoach Martin Wehrle, Autor des Buchs „Lexikon der Karriere-Irrtümer“ ist überzeugt, dass viele oft gehörte Regeln im echten Leben gar nicht zutreffen. „Im Gegenteil“, so Wehrle, „einige vermeintliche Karriere-Turbos können den Aufstieg sogar bremsen.“

So etwa ein Auslandsaufenthalt, der – so sagt eine Regel, die sich besonders hartnäckig hält – die Karriere immer fördert. Aber stimmt das wirklich? „Das Problem an einem Aufenthalt im Ausland ist, dass man in der Zentrale oft vergessen wird“, so Wehrle. Während man selbst in China, Indien oder Südamerika festsitze, pflegten die Kollegen in der Heimat ihre Kontakte und besetzten begehrte Posten. Der erhoffte Karrierekick bleibe für die Heimkehrer oft aus.

Das zeigen auch Studien verschiedener Unternehmensberatungen. Laut einer Untersuchung von Price Waterhouse Coopers aus dem Jahr 2005 wurden nach der Rückkehr aus dem Ausland nur 33 Prozent befördert, 58 Prozent verharrten auf dem gleichen Level, 9 Prozent wurden sogar zurückgestuft. Und laut einer Studie von Ernst & Young aus dem Jahr 2010 bewerten nur 22 Prozent der Unternehmen ihr eigenes Wiedereingliederungsprogramm als gut.

Auch aufgrund solcher Zahlen steht für Wehrle fest: Nur ins Ausland zu gehen, um seine Karriere voranzutreiben sei eine „Schnapsidee“.

So drastisch würde Sörge Drosten das wohl nicht ausdrücken. Drosten ist Partner bei der Personalberatung Kienbaum und hilft seit 13 Jahren Dax-Unternehmen und großen Mittelständlern, das richtige Personal zu finden. Er ist überzeugt, dass viele Voraussetzungen für eine erfolgreiche Karriere nach wie vor gelten. Ohne ein gutes Studium und internationale Erfahrung komme man etwa in die großen Unternehmensberatungen gar nicht erst rein. Doch auch Drosten hat erlebt, dass viele Karriere-Tipps auch zum Nachteil werden können.

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Wenn der Doktortitel zum Hindernis wird

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