Ratgeber
Schluss mit der Versetzung nach Gutsherrenart!

Da die ordentliche Kündigung von lang gedienten Führungskräften teuer ist, werden sie von Arbeitgebern mit Versetzungen mürbe gemacht. Doch Richter entscheiden oft im Sinne der Mitarbeiter. Wie Sie sich wehren können.
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DüsseldorfAusgerechnet die Ausbildung sollte er übernehmen! Damit war er weit weg von seinen Kunden und damit vom Verkaufserfolg! Und das Ganze auch noch in Frankfurt– also rund 380 Kilometer von seiner Familie in Leipzig entfernt. Der Steuerberater war erbost. Seit fast 20 Jahren bei einer bundesweiten Wirtschaftsprüfungskanzlei angestellt, hatte er es zum Partner gebracht und leitete den Bereich Leipzig. Doch plötzlich zweifelte man seine Führungs- und Verkaufskompetenz an. Die neue Position war zwar als unerhört wichtig beschrieben. Doch er war sicher, dass man ihn abschieben wollte. Er schaltete einen Anwalt ein, klagte und das Bundesarbeitsgericht gab ihm Recht.

Da der Arbeitgeber die Tätigkeit einseitig unter Einbeziehung geringerwertige Tätigkeiten zu Lasten des Arbeitnehmers geändert habe, liege eine unangemessene Benachteiligung des Arbeitnehmers vor, heißt es im Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 25. August 2010.

„Bahnbrechend ist die weitere Begründung“, sagt Marc Repey, Fachanwalt bei der Kanzlei Abeln, die auf Arbeitsrecht spezialisiert ist. So heißt es im zweiten Orientierungssatz der Richter: „Erweist sich eine Versetzung als unwirksam, so hat der Arbeitnehmer einen Anspruch auf Beschäftigung mit seiner bisherigen Tätigkeit am bisherigen Ort. Dies gilt auch dann, wenn Inhalt, Ort und Zeit der Arbeitsleistung im Arbeitsvertrag nicht abschließend festgelegt sind, sondern dem Weisungsrecht des Arbeitgebers unterliegen“.

Die Kanzlei Abeln vertritt besonders viele Mandanten aus dem Bereich Banken und Versicherungen. Fast alle Verträge bleiben unbestimmt. Meist stehe nur der Mandant sei Mitarbeiter der Bank XY im Vertrag. Bisher sei die Forderung nach der Zurückversetzung in den ursprünglichen Stand meist mit der Begründung abgeschmettert worden, diese Position sei neu besetzt worden oder die Filiale wurde geschlossen, so der Anwalt. Das sei künftig nicht mehr so leicht möglich.

Die Kanzlei Abeln vertritt seit Jahren lang gediente Führungskräfte, bei denen eine ordentliche Kündigung auf Grund der hohen Abfindungsansprüche teuer kommen würde. Auch eine betriebsbedingte Kündigung sei für Konzerne sehr schwierig durchzusetzen. „Also versuchen Arbeitgeber ungeliebte Kräfte durch Versetzung mürbe zu machen, so dass sie von sich aus kündigen“, sagt Fachanwalt Christoph Abeln: „Doch immer mehr Urteile fallen zugunsten der Arbeitnehmer aus. Es wird dadurch für Arbeitgeber immer schwieriger, Versetzungen als Druckmittel einzusetzen. “

Sein Rat: Wenn Betroffene die Weichen richtig stellen und den Gang vor den Richter nicht scheuen,  haben sie gute Chancen ihre Ansprüche durchzusetzen.

huGO-BildID: 21740489
Dörte Jochims
/ Freie Mitarbeiterin

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