Ratgeber
So werden Sie ein guter Chef

Fast alle Dax-100-Unternehmen haben schon Rat bei ihm gesucht: Reinhard Sprenger ist Deutschlands wohl bekanntester Managementberater. In seinem neuen Buch erklärt er, warum Firmen sich von Diven verabschieden müssen, Zielvereinbarngen und Awards Teufelszeug sind und warum vor allem Fremdoptimierer gefragt sind.
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DüsseldorfReinhard Sprenger coacht Vorstände und berät Konzerne in Führungsfragen. Dabei spart er nicht mit Kritik. Der promovierte Philosoph hält Managern den Spiegel vor. Er liebt es, unbequeme Wahrheiten auszusprechen - und zu provozieren. Nicht zuletzt deshalb sind viele seiner Bücher wie „Mythos Motivation“ Bestseller. Über 800 000-mal wurden seine Werke allein im deutschsprachigen Raum verkauft und bis ins Chinesische übersetzt.

Dabei ist Sprenger kein belehrender Theoretiker. Als einer der wenigen Managementdenker kennt er das operative Geschäft, bei 3M als Leiter Personalentwicklung und beim Personaldienstleister Adecco. Viele Chefs sind Sozialallergiker. „Radikal führen“ heißt Sprengers neues Werk. Damit will er bis zur Wurzel (lat. radix) von Führung vordringen. Der Campus-Verlag hat das Buch als „Opus Magnum“ Sprengers angekündigt. Hat er denn nicht längst alles gesagt? „Das Buch entstand aus den elementaren Führungsproblemen, die ich täglich in der Praxis erlebe“, erläutert Sprenger im Gespräch mit dem Handelsblatt seinen Impetus.

Das Buch soll nicht weniger als „die Essenz erfolgreicher Führung“ vermitteln. Gewohnt schonungslos geht Sprenger mit Managern ins Gericht: „Viele Führungskräfte schaffen mehr Probleme, als sie lösen.“ Er räumt auf mit Managementmantras wie modernem Führungsstil. „Das Wie wird in der Führung völlig überbetont“, kritisiert er. Entscheidend sei letztlich der Erfolg. Dafür gebe es kein Patentrezept.

Eine Grundvoraussetzung gelte jedoch: Wer führt, muss Menschen mögen. „Manche Führungskräfte haben aber eine ausgeprägte Sozial-allergie“, beobachtet Sprenger. Doch wer zur Kontaktvermeidung neige, einen ausgeprägten Überlegenheitskomplex habe oder nicht freundlich sein könne, sei als Chef ungeeignet. „Unternehmen müssen sich von Diven verabschieden!“

Aus gutem Grund: Unternehmen sind heute mehr denn je „Kooperations-Arenen“. Sie müssen sich radikal vom Gegeneinander auf das Füreinander umstellen. Die Realität sieht meist anders aus. „Sei teamfähig, heißt es immer, aber befördert wird, wer sich gegen die Kollegen durchsetzt“, so Sprenger.

Viele Firmen stehen in vertikaler Spannung zwischen oben und unten statt in Horizontalspannung zwischen innen und außen (dem Kunden). Um das zu erreichen, müssten sich Manager von 70 Prozent der gängigen Personalinstrumente verabschieden, so Sprengers radikale These. Zielvereinbarungen und 360 Grad-Beurteilungen hält er ebenso für Teufelszeug wie Awards oder interne Ranglisten. „Denn sie machen aus Kollegen Konkurrenten.“

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Kommentare zu " Ratgeber: So werden Sie ein guter Chef"

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  • Toll der Artikel und das Buch. Aber was machen wir damit?

    Können wir uns als Deutschland nicht auch als große Firma ansehen mit einer Chefin und uns allen als deren Mitarbeiter? Wie geführt fühlen wir uns? Ist das geschriebene auch bei der Chefin sichtbar?
    Vertraut die Chefin uns oder muss sie uns immer wieder durchleuchten, uns hinterherschnüffeln.
    MAD, Datenspeicherung, Steuer-CD, etc..
    Werden wir als vollwertige Mitarbeiter gesehen oder nur als Stimmvolk das vor der Wahl mit Versprechnungen geködert wird die dann nicht eingehalten werden.
    Es sind schon mehr Chefs gefeuert worden als wir denken.

    Auch wir als Mitarbeiter / Volk suchen uns den Chef aus und auch wir steuern ihn. Denn ohne uns läuft nichts. Wenn wir nicht mitmachen hat der Chef keine Change, behällt er seine Position nicht und kommt wieder zu uns in das große Reich der Mitarbeiter.

  • Im Zeitalter von Shareholder Value und Gewinnmaximierung bleibt zumeist das kostbarste und erfolgversprechende Gut auf der Strecke: Der MENSCH. Wie sonst lässt sich erklären, das eine durchaus grosse Zahl von Führungskräften in dem menschlicheren Miteinander eher eine Gefahr sieht denn als Chance zu begreifen;gepaart mit der Unfähigkeit sog. Psyeudo-Führungskräfte, Mitarbeiter zu führen, scheinen sich immer mehr Unternehmen in das soziale AUS zu b.. Es ist erstaunlich wie oft von TEAMGEIST gesprochen wird und wie selten dieser Teamgedanke innerhalb des Unternehmens gelebt wird. Es ist erschreckend, wie ein nicht unerheblicher Teil der Mitarbeiter immer mehr zu einem Betriebsmittel verkommt, dessen man sich in Krisenzeiten einfach entledigt oder diese erst gar nicht einzustellen, wie es bei der mittlerweile populärsten Form der Arbeit- die Leiharbeit - demonstriert wird.Viel zu oft lösen unterschiedliche Ansichten und Zielvorstellungen jenseits der eigentlichen Kundenwünsche und somit losgelöst vom sog. "BIG Picture" interne Grabenkämpfe aus, in denen nicht selten der Kunde zu einer Komparsenrolle degradiert wird. In solchen Situation der Krisenbewältigung ausschliesslich auf Fachexperten, insbesondere "Zahlenfreaks", die durch CFOs meist in Perfektion verkörpert werden,zu setzen und dabei auf das Charisma eines guten Gastgebers völlig zu verzichten, der sein Publikum in seinen Bann zieht, kann den Schuss auch nach Hinten losgehen lassen. Nichts einfacheres als das muss eine Führungskraft unter Beweis stellen, was jedoch bei nicht sonderlich ausgeprägten Social Skills teilweise zu einem "Mission Impossible" Unterfangen ausarten kann. Leider bezweifle ich, das bei dem anhaltenden TEMPO des menschlichen Zerfalls in Unternehmen aufgrund von sich immer weiter gegeneseitig überbietenden Gewinnmaximierungs-Ankündigungen diese Form des Führens überhaupt eine Chance bekommt..Vieleicht geschehen ja noch Wunder und bekanntlich stirbt die Hoffnung immer zuletzt...

  • Führung ist eine Kunst. Und die ist lernbar.
    Respektiere die Leute 100%ig, aber lerne ´Du bist der Boss`.
    Und warum bist du es? Weil Du schlauer oder besser bist. Nein! Du bist der Boss, weil Du innerhalb eines gewissen Rahmens die Verantwortung trägst. Wenn man das kapiert hat, kann man ganz entspannt so komisch sein, wie man nunmal ist. Und so sein wie man ist, das ist perfekt.

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