Ratgeber
Wenn der Chef zum Gespräch bittet

Der Termin mit dem Vorgesetzten bedeutet für viele Mitarbeiter eine Ausnahmesituation. Es geht um Geld, persönlichen Aufstieg und die eigene Leistung. Wie Arbeitnehmer und Chefs das heikle Thema angehen sollten.
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DüsseldorfDie friedliche Weihnachtsschwere rund um die Feiertage klingt in den meisten Arbeitnehmern noch sanft nach, da kehrt gleich nach dem Jahreswechsel am Arbeitsplatz wieder der raue Alltag ein: Viele Führungskräfte laden dann – meist freundlich, aber nachdrücklich angemahnt von der Personalabteilung – ihre Mitarbeiter zum Gespräch. Unter vier Augen will man gemeinsam Bilanz über die Ergebnisse und Leistungen der zurückliegenden Monate ziehen und neue Ziele für die Zukunft vereinbaren.

In den meisten großen und mittelständischen Unternehmen sind regelmäßige Bestandsaufnahmen zwischen Chef und Mitarbeiter mittlerweile gang und gäbe. Mehr als zwei Drittel aller Unternehmen, so eine Studie der Unternehmensberatung Dr. Wieslhuber & Partner, nutzen beispielsweise persönliche Zielvereinbarungen, die in solchen Terminen festgezurrt werden, um ihre Unternehmensziele und -strategien auf die Belegschaft runterzubrechen.

Mitarbeitergespräche werden je nach Firma einmal im Jahr, aber auch halb- oder vierteljährlich anberaumt, bevorzugt in den ersten Monaten des noch frischen Jahres. Die Termine firmieren dabei mal blumig unter „Performance Review“ oder „Development Planning“, mal etwas bodenständiger unter Jahres-, Feedback-, Zielvereinbarungs- oder Mitarbeitergespräch.

Auch wenn die thematischen Schwerpunkte durchaus unterschiedlich ausfallen können – manche Firmen halten „nur“ Rückschau auf geleistetes und ermitteln neue Ziele, andere rühren im gleichen Termin Gehalts- und Karriereaspekte unter – ist allen Vier-Augen-Gesprächen mit dem Chef gemein: Mitarbeiter haben Bammel davor. Kein Wunder, schließlich sieht niemand gerne seine Arbeit auf dem Prüfstand.

„Auch wenn man in den Firmen mittlerweile mit den Jahresgesprächen zu leben gelernt hat, bleibt bei vielen Beteiligten ein ungemütliches Kribbeln“, stellt Ulrich Jordan, Inhaber der Jordan Consulting Gruppe und ehemaliger Personalvorstand der Targobank, fest. „Insbesondere dann, wenn die Führungskraft es versäumt hat, während des Jahres offen und direkt Rückmeldung zu geben.“  

Es gebe Studien, so der Buchautor („Das erfolgreiche Einstellungs-Interview, Gabler Verlag), nach denen Mitarbeiter weniger als zehn Minuten pro Jahr Feedback auf ihre Arbeit bekämen. „Das ist eine niederschmetternde Zahl. Wenn sie tatsächlich stimmt, dann tappen viele Mitarbeiter tatsächlich im Dunkeln, was im Jahresgespräch auf sie zukommt.“

Kommentare zu " Ratgeber: Wenn der Chef zum Gespräch bittet"

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  • ich hasse solche Termine. Bei einem hatte ich mal den Kommentar (schriftlich) ist nicht so fröhlich bei der Frühschicht. Ich war da, jeder konnte mich was fragen und ich war nett zu den Kunden. Hab halt nur nicht auf dem Tisch getanzt. Seit dem sind diese Termine für mich so überflüssig wie ein Kropf und ich kann sie auch nicht ernst nehmen. Ich lasse sie halt über mich ergehen. Basta

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