Ratgeber
Wie Sie disziplinierter werden

Eine der wichtigsten Tugenden, die man uns Deutschen weltweit nachsagt, ist die Disziplin. Doch woher kommt diese Willensstärke? Und wie kann man sie trainieren? Ein Leitfaden für die Macht der Disziplin.
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DüsseldorfIm Januar feierte Deutschland – inklusiver vieler Bayern – den 300. Geburtstag von Friedrich dem Großen. Der alte Fritz hatte Preußen groß gemacht und damit auch die gleichnamigen Tugenden. Dazu gehört vor allem die Disziplin.

Nun kann man freilich darüber streiten, ob wir Deutschen und vor allem die Breite der hier lebenden Jugendlichen tatsächlich disziplinierter sind als die Menschen woanders in der Welt. Darum geht es Roy Baumeister und John Tierney in ihrem Buch „Die Macht der Disziplin. Wie wir unseren Willen trainieren können“ auch nicht. Die Autoren kennen das Problem der Trägheit genau und haben erforscht, dass sich die Disziplin wie ein Muskel stärken lässt. Denn die Selbstdisziplin ist „eine entscheidende Stärke und der Schlüssel zu einem erfolgreichen Leben“. 

Die Autoren bilden ein perfektes Duo für so ein schwieriges Buch. Baumeister ist einer der international bekanntesten Psychologen und hat schon zahlreiche erfolgreiche Bücher veröffentlicht. Und John Tierney ist Wissenschaftsjournalist bei der New York Times. Entsprechend kommen aktuelle Ergebnisse aus der Forschung leicht auf den gut 300 Seiten verständlich und spannend erzählt daher.

Es beginnt mit der Feststellung, dass die Psychologie zwei Faktoren als Geheimnis für Lebenszufriedenheit kennt: Intelligenz und Selbstdisziplin. Und letztere wird deutlich mehr auf die Probe gestellt, als die meisten glauben – auch weil sie meistens unbewusst wirkt. In der Tat ist es Regel und nicht Ausnahme, dass wir Menschen Bedürfnisse und Wünsche ignorieren müssen – egal ob das große Dinge oder „Kleinigkeiten“ wie Schokolade, Alkohol oder eine Zigarette ist: „Wir bringen pro Tag zwischen drei und vier Stunden damit zu, Versuchungen zu widerstehen“, schreiben die Autoren.

 

Das Widerstehen kostet natürlich Kraft. Und diese Kraft ist endlich. Wir beginnen morgens mit einem vollen Akku – doch der wird kontinuierlich leerer. Diese Erschöpfung ist aber nicht unmittelbar erkennbar für uns. Es gelingt dem Menschen nicht, seinen Willen endlos lange unter Kontrolle zu haben, wie wissenschaftliche Versuche belegen.

Baumeister und Tierney berichten als Beleg von Tests von drei Studenten-Gruppen mit einem extrem schwierigen, de facto nicht zu lösenden Mathematiktest. Vorher musste jede Gruppe einer Versuchung widerstehen. Die Studenten saßen hungrig in einem Raum und auf dem Tisch standen drei Schalen. Eine mit ofenfrischen Plätzchen, eine mit Schokolade und eine mit Radieschen. Einige durften sich aus allen drei Schalen bedienen, andere nur von den Radieschen naschen.

Kommentare zu " Ratgeber: Wie Sie disziplinierter werden"

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  • Disziplin bedeutet nicht nur, wie kann ich meine "momentanen" Ziele erreichen, also wie schaffe ich es, in 3 Jahren Rangebene 1 zu sein. Disziplin ist bei uns leider negativ behaftet. Für mich bedeutet es, mit dem Blick auf das Große und Ganze zu leben. Ich habe nur dieses eine Leben. Wenn ich vor mich in sandele, ist das dann ein Genuß? Eben nicht, und dass bedeutet für mich das Wort Disziplin.

  • Der Artikel beschreibt sehr gut die Strategien gegen nachlassende Disziplin. Ein Aspekt bleibt aber unbeleuchtet; um es mit Erich Fromm zu sagen: "Wenn das Leben keine Vision hat, nach der man sich sehnt, und die man verwirklichen möchte, gibt es auch kein Motiv sich anzustrengen." Über den kleinen Zielen des Alltags steht die Vision für das eigene Leben. Wer diese entwickelt hat, diese wirklich verwirklichen will, der wird auch die dafür nötige Disziplin leicht aufbringen können. Mit anderen Worten: Es muss sich subjektiv lohnen diszipliniert zu sein, es muss einen Sinn hinter der Disziplin geben.

  • Das Problem ist, dass die Menschen immer mehr vor Augen geführt bekommen, dass sich Disziplin und Leistung nicht mehr lohnen. Die Politik stellt sich dabei auch noch völlig gleichgültig an. Es interessiert die Politiker nicht, ob jemand von seiner Arbeit leben kann oder ob dann später die Rente reicht. Die Poltik zeigt nur, dass sie äußerst erfinderisch sind, den Menschen das Geld durch Steuern oder Abgaben aus den Taschen zu ziehen. Auf den Punkt gebracht. Entweder du arbeitest nicht, dann bekommst du dein Hartz4 und hast nicht viel zum Leben. Oder du arbeitest, verdienst nicht viel und bist nicht viel besser dran. Verdienst du etwas besser, holt es sich der Staat durch die Steuerprogression. Da nunmal nicht jeder Politiker, Banker, Vorstand oder Manager werden kann, fehlt vielen der Sinn für die geforderte Disziplin. Wir brauchen eigentlich mehr Disziplinlosigkeit, damit unsere Politiker kapieren, was sie alles falsch machen.

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