Rezension
Alle Chefs mal weglesen jetzt

„Hört auf zu arbeiten“, fordern Anja Förster und Peter Kreuz in ihrem neuesten Buch. Der Titel führt in die Irre, denn die Managementberater geben keine Anleitung zum Müßiggang. Ganz im Gegenteil.
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DüsseldorfBei der Beschäftigung mit dem neuen Buch der beiden Karriere- und Management-Berater Anja Förster und Peter Kreuz kann man schnell ein schlechtes Gewissen kriegen. Denn wenn man für die Rezension nach Feierabend und am Wochenende die Seiten wälzt, findet man sich in einer von den Autoren kreierten, unangenehmen Kategorie wieder: ein Rädchen im System zu sein, das aus Pflichtgefühl Arbeit leistet.

Dabei haben Förster und Kreuz auf den knapp 230 Seiten ein anderes Ziel für jeden Berufstätigen: Sie spüren der Lösung nach, wie man bei der Arbeit das „Funkeln in die Augen“ bekommt. Das Funkeln, das man sonst vor allem in der Freizeit verspürt, wenn man den eigenen Balkon oder seinen Garten neugestaltet, eine Rekordzeit beim Laufen erreicht oder die Familie glücklich gesehen hat.

Das Buch soll dabei kein allgemeingültiger Ratgeber für jede Karrierelage sein, sondern mehr ein Gedankengerüst zur Selbstreflexion. Einige erfrischende Ansichten auf das Berufsleben bringen die ehemalige Unternehmensberaterin und der Ex-Wirtschaftsprofessor in ihrem Werk auch unter. Aber die Lektüre ist in Teilen zäh, enthält hier und da schiefe Beispiele und kann nicht wirklich überzeugen.

Im Abstand von zwei bis drei Jahren werfen Förster und Kreuz frische Bücher auf den Markt. In „Hört auf zu arbeiten!“ wenden Sie sich nicht an die Führungsetage. Sie sprechen jeden Beschäftigten an und – das ist mutig – nehmen sogar die Last der Verantwortung von den Schultern der Chefs. Sie sagen: Jeder einzelne in einem Betrieb hat sich selbst gegenüber die Verpflichtung, aus seiner Situation das Beste zu machen. „Wie wäre es, wenn Sie aufhören würden, das System zu akzeptieren, wie es ist – und stattdessen anfangen würden, es zu verändern? Jeder für sich und in seinem Umfeld. Und ohne den Job aufzugeben!“

Leider dauert es bis Seite 107, bis die Autoren eine erste Antwort geben, wie das klappen kann: „Wenn wir also von der Notwendigkeit sprechen, die Arbeitswelt zu verändern, dann wünschen wir uns, dass Sie den Mut haben, an Ihrer Arbeitswelt selbst etwas zu verändern.“ Ein wenig später heißt es dann: „Ich bin nur dann in der Arbeit frei, wenn ich mich (…) zu einer Sache entschlossen habe und dafür KEINE Gegenleistung erwarte.“

Das rüttelt natürlich auf. Die Arbeitswelt selbst verändern? Keine Gegenleistung für die eigene Arbeit erwarten? Das sind doch sehr hehre Ansprüche. Recht schlüssig begründen Förster und Kreuz diese Auffassung. Sie kategorisieren dazu vier Typen von Arbeit.

Kommentare zu " Rezension: Alle Chefs mal weglesen jetzt"

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  • Förster und Kreuz bahnen den Weg in die "Schöne neue Arbeitswelt". Ein Plädoyer für Selbstausbeutung pur. Die Online-Zeitung Schattenblick hat das Buch gründlich zerrissen: tinyurl.com/n7recg5

  • Korrektur: sorry, es heisst "quarternär", wer es besser weiß, schreibt es gleich hierunter...

  • "Mach' Dein Ding" entspricht unserem Zeitgeist

    ....jedoch in Deutschland kaum umzusetzten!

    Individuallität/Querdenken in Deutschland

    ...ist nach wie vor nicht gewollt & wird eher als Bedrohung als etwas Positives angesehen

    Was ist der Grund?

    Es ist die Mentalität der Deutschen. Sie ist sehr hierarisch & obrigkeitsdenkend geprägt.

    Macht & Kontrolle = Deutschland


    Nicht wirklich ein guter Standort für Individuallisten!
    .....mehr etwas für Sozialisten!

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