Rezension Martin Wehrle: Der tägliche Wahnsinn in Deutschlands Büros

Rezension Martin Wehrle
Der tägliche Wahnsinn in Deutschlands Büros

Verheimlichte Bombendrohungen, Kleidung ohne Hosentaschen: Martin Wehrle kennt die Dramen in den Büros. Ihm gelang mit „Ich arbeite in einem Irrenhaus“ ein Bestseller. Nun folgt Teil zwei - mit unglaublichen Beispielen.

Düsseldorf„Das hättest du mir aber erzählen müssen“, sagt die Frau beim Frühstück zu ihrem Mann und hält ihm die Zeitung unter die Nase: „Eine Bombendrohung in eurem Büro, das ist doch keine Kleinigkeit.“ Der Mann reibt sich verdutzt die Augen: „Davon wusste ich nichts.“ Der Frau fällt es schwer, ihm zu glauben. Gibt es tatsächlich ein Unternehmen, das seinen Mitarbeitern eine Bombendrohung verschweigt, damit sie schön sitzen bleiben und weiterschuften? Ja, so etwas kommt vor.

Es sind Fälle wie dieser, die Martin Wehrle seit Jahren kennt. Doch als der Karrierecoach im Februar 2011 sein Buch „Ich arbeite in einem Irrenhaus“ veröffentlichte, bekam er rund 2000 weitere unglaubliche Beispiele zugeschickt. Viele davon hat er in einem neuen Buch aufgeschrieben.

Auch wenn der Autor das Fortsetzungsbuchs offenbar in erster Linie zum Geldverdienen und Emotionalisieren geschrieben hat und erst in zweiter Linie als Ratgeber, lohnt die Lektüre. Wehrle beschreibt abwechselnd skurrile, aber wahre Geschichten aus dem Alltag und skizziert grob die Lehren, die „gute Chefs“ daraus ziehen sollten. Wobei der Autor ein großer Freund der These ist, dass sich Mitarbeiter ihren Vorgesetzten auch ein stückweit erziehen sollten.

Das Buch lebt von Begebenheiten wie bei der Firma, die ihren Mitarbeiter Kleidung ohne Hosentaschen verordnet, damit sie nichts stehlen können. Oder die Story über einen Angestellten, der entlassen wurde, weil er eine Chinesin heiratete und nun als Spion der Großmacht galt. Besonders unangenehm fällt das – wie immer nicht namentlich genannte – Unternehmen auf, dass es schaffte, in der Lokalzeitung die Stellenausschreibung für einen jüngst verstorbenen Mitarbeiter direkt neben der Todesanzeige desjenigen zu platzieren – wobei die Anzeige für die Stelle anderthalb Mal so groß war. Wehrle schreibt in seinem gewohnt bissigen Ton: „Der Tod eines Mitarbeiters treibt seinem Chef die Tränen in die Augen: Er muss die Todesanzeige bezahlen.“

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