Richtig zitieren: Der eine will Flattersatz, der andere Blocksatz

Richtig zitieren
Von der Angst, unbewusst zu plagiieren

Der eine will Flattersatz, der andere Blocksatz

Wie lernt man denn, korrekt zu zitieren?

Debora Weber-Wulff: Übung! Und Feedback bekommen über eigenes Schreiben. Nur: Wenn in einem Proseminar 100 Studierende oder noch mehr sitzen, dann gibt es zu wenig Feedback. Es gibt auch sehr viele Bücher zum Thema – einfach mal lesen.

Steffen Stock: An vielen Hochschulen werden auch Veranstaltungen zum wissenschaftlichen Arbeiten angeboten, die oft schon in die Curricula eingebunden und auch teilweise verpflichtend sind. Wenn das nicht der Fall ist, sollte man sich nach solchen Veranstaltungen erkundigen, die teilweise von den einzelnen Fachbereichen auch auf freiwilliger Basis angeboten werden. Immer mehr Hochschulen haben aber auch zentrale Einrichtungen, die auch solche Kurse anbieten.

Ein großes Problem für die Studenten ist, dass beinahe jedes Institut und jeder Dozent seine eigenen Zitierregeln hat. Der eine will Flattersatz, der andere Blocksatz, der nächste wieder lieber einen linksbündigen Text. Manche wollen die Zitate als Fußnoten am Seitenende, manche Klammern im Text. Lässt sich das nicht vereinheitlichen?

Debora Weber-Wulff: Das sind nicht Zitierregeln, sondern die Regeln, wie die Quellenangaben und Texte zu gestalten sind. Das sind zwei verschiedene Sachen. Blocksatz hat absolut nichts mit Quellenangaben zu tun. Es muss nicht eine Form für alles geben, die Form ist oft fachspezifisch. Nur innerhalb einer Arbeit oder eines Journals sollte es einheitlich sein.

Steffen Stock: Auf den ersten Blick scheint es wirklich so, als ob jeder seine eigenen Zitierregeln hätte. Jedoch stellt man bei genauerer Prüfung fest, dass es eine Systematik – wenn auch mit unterschiedlichen Varianten – gibt, welche hinter all diesen Regeln steckt. Welche Variante man nimmt, ist strenggenommen egal, solange nicht gegen das Prinzip der Einheitlichkeit verstoßen wird. Damit ist gemeint, dass eine einmal gewählte Variante auch in der ganzen Arbeit konsistent beibehalten werden muss. Ich rate den Studierenden aber immer, sich frühzeitig nach den Anforderungen des jeweiligen Prüfers zu erkundigen und diese nach Möglichkeit umzusetzen. Eine Vereinheitlichung ist schwierig, da es die Freiheit von Forschung und Lehre gibt.

Was kann passieren, wenn man gegen die richtigen Regeln verstößt?

Debora Weber-Wulff: Sanktionen regeln die Prüfungsordnungen der Hochschulen.

Steffen Stock: Solange die wissenschaftlichen Prinzipien einheitlich in der ganzen Arbeit verwendet werden, kann aus meiner Sicht kaum was passieren. Es kann maximal zu einem Notenabzug kommen. Wichtig ist, dass die Einheitlichkeit beachtet wird. Kein Studierender muss Angst vor einem Plagiatsvorwurf haben, solange er die Quellen, aus denen er Gedankengut übernommen hat, korrekt zitiert – unabhängig davon, in welcher Notation dies erfolgt.

Frau Weber-Wulff, Herr Stock, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Weber-Wulff ist Medieninformatikerin an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin, außerdem gehört sie zum Kernteam von „VroniPlag“, Deutschlands größter Enthüllungsplattform. Die FDP-Politiker Silvana Koch-Mehrin und Jorgo Chatzimarkakis verloren ihre Titel, nachdem „VroniPlag“ deren Doktorarbeiten analysiert hatte.

Steffen Stock ist Professor für Wirtschaftsinformatik an der Europäischen Fachhochschule (EUFH) in Brühl und lehrt dort u.a. auch wissenschaftliches Arbeiten. Er ist Mitherausgeber des Ratgebers „Erfolgreich promovieren“

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