Sabbatical
Wenn die Auszeit die Karriere beflügelt

Der Sabbatical wird für Arbeitnehmer zunehmend attraktiver. Galt die Auszeit vom Job früher häufig als Karrierekiller, kann sie heute sogar dem persönlichen Aufstieg einen Schub geben.
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BonnBlasen drückten in den Schuhen, die Bandscheiben schmerzten - als Susanne Schildknecht den Jakobsweg lief, ging sie an ihre körperlichen Grenzen. Und lernte: „Je mehr man den Körper fordert, desto mehr kann er leisten.“ Die Managerin der Deutschen Post hat ihre Schmerzen überwunden und jeden Tag mehr Kraft gewonnen.

Die konnte sie nach ihrem dreimonatigen Sabbatical gut gebrauchen: Noch während sie weg war, strukturierte DHL Supply Chain um. In diesem Unternehmensbereich, der für große Unternehmen die Lieferketten organisiert, hatte die 48-Jährige vor ihrer Abreise ein wichtiges Projekt erfolgreich abgeschlossen. In ihrer Auszeit klingelte das Telefon, es war ihr Chef. „Er fragte, ob ich nach meinem Sabbatical eine Führungsposition übernehmen möchte“, erzählt die Betriebswirtin. Sie wollte und übernahm ein neues Team mit 52 Mitarbeitern.

Sich den Lebenstraum erfüllen, eine Weltreise machen, Zeit mit den Kindern verbringen, ein Haus bauen oder auch einen Burnout verhindern - Motivationen für ein Sabbatical gibt es so viele, wie Leute, die es nehmen. Eines ist jedoch klar: Wer die Arbeit für ein paar Monate hinter sich lässt, kehrt gestärkt zurück. Und kann neuerdings danach sogar Karriere machen.

Früher war der berufliche Aufstieg oft beendet, wenn man nicht täglich im Büro saß, nicht an allen Meetings teilnahm und nicht an allen Entscheidungen beteiligt war. „Früher war die Frage: Ist ein Sabbatical das Tor zum Reich der persönlichen Freiheit? Heute heißt es: Kann ein Sabbatical ein Karriereturbo sein?“, sagt Beraterin Barbara Siemers. Sie hat ihre Doktorarbeit über die befristeten Auszeiten geschrieben. Viele Arbeitgeber haben inzwischen erkannt, dass sie von einer Auszeit ihrer besten Kräfte profitieren. Eine Studie der Beratung Bain & Company nennt sie die „Unterbrecher“ und charakterisiert diese Arbeitnehmer als „selbstsicher und reif“.

So wie Louise Öfverström. Die 36-Jährige ist Chief Financial Officer (CFO) der MAN Finance und nutzte ihr Sabbat-Jahr, um in München das Möbel- und Designgeschäft „Lagom White“ zu eröffnen. Um solche Großprojekte realisieren zu können, braucht man viel Mut und einen Arbeitgeber, der flexibel genug ist.

Zwar bieten bisher nur 13 Prozent der Unternehmen mit über 500 Mitarbeitern Langzeitarbeitskonten an, auf denen Arbeitszeit angespart und dann am Stück abgebaut werden kann - die optimale Variante für ein Sabbatical. Aber es werden mehr. Das Flexi-II-Gesetz hat die Rahmenbedingungen für Wertguthaben von Arbeitsstunden verbessert. Rund 40.000 Unternehmen insgesamt bieten die Wertguthaben inzwischen an. Viele Arbeitnehmer profitieren davon - rund 40 Prozent nutzen ihre angehäuften Überstunden für Sabbaticals.

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