Schlafmangel
Nicht ohne mein Nickerchen

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Müdigkeit kann krank machen

Wie viele Stunden Schlaf der einzelne braucht, ist laut Experten genetisch vorgegeben. In Deutschland schlafen drei Viertel der Erwachsenen Betz zufolge zwischen sechs und acht Stunden. Ein Achtel ruht nachts weniger als sechs Stunden, genauso viele schlafen mehr als acht Stunden pro Nacht. „Im Durchschnitt schlafen die Deutschen ein bis zwei Stunden zu wenig“, sagt Betz.

Doch wie sagt man so schön: Ausnahmen bestätigen die Regel. Es gibt auch Menschen, die vergleichsweise wenig oder viel Schlaf benötigen – und trotzdem gesund leben. Etwa ein bis zwei Prozent der Schlafgesunden schlafen laut Betz nur etwa fünf Stunden pro Nacht – und gehören damit zu den Kurzschläfern. Fünf bis zehn Prozent der Menschen sind Langschläfer und ruhen zehn Stunden pro Nacht. Vier Stunden Schlaf pro Nacht – wie Trump oder Mayer ihn vorgeben zu haben – sei selbst für Kurzschläfer auf Dauer zu wenig.

Denn die Wissenschaft unterscheidet drei Phasen – vom leichten über den tiefen Schlaf bis hin zum REM-Schlaf. REM bedeutet „rapid eye movement“ und steht für schnelle Augenbewegungen. Tiefschlaf findet laut Betz schwerpunktmäßig in der ersten Nachthälfte statt, REM-Schlaf vorwiegend in der zweiten. Tiefschlaf dient vor allem der körperlichen Erholung und REM-Schlaf ist wichtig für die Gedächtnisbildung und die Kreativität. „Im REM-Schlaf sind die Träume besonders intensiv und emotional“, sagt der Experte. „Kurzschläfer haben weniger Leichtschlaf und REM-Schlaf als Langschläfer, die erholsamen Tiefschlafphasen sind allerdings vergleichbar“, sagt Betz.

Dass Menschen zu wenig schlafen, merken sie bereits daran, dass sie morgens einen Wecker benötigen, um wach zu werden. Die Müdigkeit zieht sich durch den Tag – und hinterlässt auf Dauer Spuren: Arbeitnehmer haben laut der US-Forscherin Culpin beispielsweise Schwierigkeiten im Umgang mit Kollegen, können sich nur schwer konzentrieren und machen folglich auch mehr Fehler.

Neben der sozialen Interaktion beeinträchtigt der mangelnde Schlaf das Immunsystem. Die Wahrscheinlichkeit steigt, an Diabetes mellitus, Bluthochdruck oder Depressionen zu erkranken oder einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. „Eine dauerhaft bestehende massive Schlafstörung kann das Leben um viele Jahre verkürzen“, sagt Betz.

Denn über die angemessene Schlafdauer entscheidet allein der Körper. Zwar können sich Menschen laut Weeß daran gewöhnen, unter der Woche trotz Müdigkeit wenig zu schlafen – und den Mangel am Wochenende zu kompensieren. „Auch wenn diese Menschen sich am Wochenende dann ausgeschlafen fühlen, können sie den Schaden, den sie ihrem Körper angetan haben, nicht mehr rückgängig machen.“

Viele Schichtarbeiter haben aus diesem Grund einen gestörten Schlaf. „Diese Störungen bleiben bei einigen auch nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben bestehen“, weiß Betz. In solchen Fällen sei es wichtig, die innere Uhr mit den äußeren Zeitgebern – in erster Linie dem Tageslicht – zu synchronisieren. Heißt: regelmäßige Mahlzeiten zu sich nehmen, Sozialkontakte pflegen, tagsüber im Freien körperlich aktiv sein und abends bei wenig Licht entspannten Tätigkeiten nachgehen. „Bleiben die Schlafstörungen bestehen, sollte ein Spezialist aufgesucht werden", rät Betz.

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