Schlafmangel
Nicht ohne mein Nickerchen

Egal ob Angela Merkel, Donald Trump oder Elon Musk: Immer mehr Entscheidungsträger bekennen sich zu ihrem kurzen Schlaf. Doch eine US-Studie zeigt: Müde Menschen neigen dazu, falsche Entscheidungen zu treffen.
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DüsseldorfZumindest eine Sache haben der neue US-Präsident Donald Trump und Kanzlerin Angela Merkel gemeinsam: Beide brauchen offenbar wenig Schlaf. Schon während des Wahlkampfes prahlte Trump damit, nachts nur vier Stunden zu ruhen – und demütigte Konkurrentin Hillary Clinton, weil sie während des Anschlags von Bengasi auf die US-Regierung geschlafen habe.

Und auch Merkel hat offenbar keine Probleme mit dem Schlafentzug: „Ich kann über eine gewisse Zeit, fünf oder sechs Tage, mit wirklich sehr wenig Schlaf auskommen. Dann brauche ich auch wieder einen Tag, an dem ich ausschlafe“, gab die Kanzlerin in einem Interview preis. Und wenn zwischendurch doch ein wenig Zeit bleibt, hält sie tagsüber ein kurzes Nickerchen.

Angesichts eng getakteter Arbeitstage müssen die beiden Staatschefs dem Schlafentzug trotzen. Doch es gibt auch zahlreiche Manager, die gerne auf Schlaf verzichten – und damit sogar angeben. Zum Beispiel Yahoo-Chefin Marissa Mayer, die schon als Google-Mitarbeiterin bekannt gab, im Schnitt nur vier Stunden zu ruhen. Auch Tesla-Chef Elon Musk gehört zu der Gruppe der Kurzzeitschläfer.

Doch gerade Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft sowie Führungskräfte sind auf ausreichend Schlaf angewiesen, weil sie wichtige Entscheidungen treffen müssen. Das Dilemma: „Bei müden Menschen verlangsamt sich die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen“, sagt Schlafforscherin Vicki Culpin, die in den USA mit 1.000 Beschäftigten eine Studie zu deren Schlafverhalten durchgeführt hat. Wer müde ist, nimmt Informationen unvollständig auf. Ethisch-moralische Überzeugungen verlieren an Bedeutung.

Müde Personen fällen somit riskantere Entscheidungen, denen sie mehr vertrauen als im ausgeschlafenen Zustand. Unabhängig davon, ob sie von Natur aus risikofreudig oder -scheu sind, hat die Wissenschaftlerin herausgefunden. „Das Reaktionsvermögen bei 22 Stunden Wachheit entspricht dem von einem Promille Alkohol im Blut“, sagt Schlafforscher Manfred Betz.

Bei einer Sitzung tief in die Nacht setzen sich daher meistens nicht unbedingt Politiker mit den besten Argumenten durch. „Merkel wird nachgesagt, dass sie ihre Verhandlungspartner während nächtlicher Sitzungen mit zunehmender Dauer mürbe macht“, sagt Betz.

Denn die wollen meistens nur noch eines: ab ins Bett. „In nächtlichen, mehrere Stunden dauernden Sitzungen werden die Entscheidungen oftmals von denjenigen getroffen, die am ausgeschlafensten sind oder am besten mit Übermüdung umgehen können“, sagt Schlafforscher Hans-Günther Weeß, der in seinem aktuellen Buch „Die schlaflose Gesellschaft“ analysiert, was den Menschen den Schlaf raubt. „Solche Entscheidungen sind kritisch zu sehen, da sie nicht zwingend logisch begründet sind.“

Dennoch sind Konferenzen bis tief in Nacht weit verbreitet. „Im Zustand der Übermüdung kann der Mensch seinen kognitiven Zustand nicht adäquat einschätzen. Viele sind deshalb der Meinung, sehr wohl noch wichtige Entscheidungen treffen zu können“, sagt Weeß. Und: „Wenn der Mensch keinen Schlaf benötigte, wäre ich mir unsicher, ob in der Politik überhaupt immer Entscheidungen so rasch getroffen würden. Schließlich geben Politiker ungern ihre Positionen auf.“

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Müdigkeit kann krank machen

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