Schneller Aufstieg, steiler Absturz Warum deutsche Frauen an der Spitze scheitern

Noch nie sind in so kurzer Zeit so viele Frauen in die Top-Etagen eingezogen. Viele der Vorzeige-Managerinnen packen ihre Sachen aber schon wieder – manche stoßen auf Ablehnung, andere sind zu ungeduldig. Oder einfach nicht gut genug.
  • Jenny Niederstadt, Manfred Engeser
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Christine Scheel scheiterte an eigener Sturheit und den Beharrungskräften ihrer männlichen Gegner im Aufsichtsrat. Quelle: dpa

Christine Scheel scheiterte an eigener Sturheit und den Beharrungskräften ihrer männlichen Gegner im Aufsichtsrat.

(Foto: dpa)

DüsseldorfAls die Entscheidung Mitte Oktober offiziell verkündet wurde, herrschte eitel Sonnenschein: „Ausgezeichnete Wahl“, lobte der damalige Vorstandsvorsitzende Albert Filbert, von einer „Idealbesetzung“ sprach Walter Hoffmann, damals Aufsichtsratsvorsitzender des Darmstädter Energieversorgers HSE. Unter seiner Federführung hatte das Gremium mit großer Mehrheit gerade Christine Scheel in den Vorstand berufen, als erste Frau in der Historie des kommunalen Unternehmens.

Chefkontrolleur Hoffmann lobte „Verhandlungsgeschick“ und „sympathische Ausstrahlung“ der 55-Jährigen. Die sollte nun, nach 17 Jahren als Bundestagsabgeordnete und Finanzexpertin der Grünen, im HSE-Vorstand nicht nur den Bereich regenerative Energien, Medienarbeit und Compliance betreuen. Sondern als Teil einer neuen Dreierspitze das Unternehmen repräsentieren. Dienstbeginn: 1. Februar 2012, standesgemäß, mit Blumenstrauß in der Hand und einem Lächeln im Gesicht.

Doch 48 Stunden später waren nicht nur die Blumen verwelkt und das Lächeln verschwunden, sondern auch Scheels Vorschusslorbeeren verbraucht: Denn schon am dritten Tag im neuen Amt ging die Neu-Managerin auf Konfrontation mit der Stadt Darmstadt, dem Mehrheitseigner ihres Arbeitgebers. Der Grund: Scheel stellte die vom Stadtrat längst beschlossene Aufstockung des städtischen HSE-Aktienpakets infrage. Sie wollte lieber den Karlsruher Energieriesen EnBW als Aktionär ins Boot holen.

Ihre Haltung tat sie aber nicht im trauten Kreise der Vorstandskollegen oder im Büro des Bürgermeisters kund, sondern auf einer Pressekonferenz. Dort drohte Scheel unverhohlen mit Rücktritt, sollte die Stadt an ihren Investitionsplänen festhalten.

Dass Scheel „in hektischer Weise an die Öffentlichkeit“ trat, sei unprofessionell, sagte Grünen-Oberbürgermeister Jochen Partsch, dem die Berufung seiner Parteifreundin von Anfang an ein Dorn im Auge war. Der 50-jährige Clint-Eastwood-Fan – Lebensmotto laut eigener Homepage „Ich reite in die Stadt, und alles andere ergibt sich“ – hätte lieber einen Technikfachmann in den Vorstand geholt. Sein Fazit: „Das Verhältnis ist belastet.“

Und sollte sich in den kommenden Wochen auch nicht mehr erholen: Scheel bezweifelte weiter öffentlich die Finanzierbarkeit der städtischen Pläne – „Scheel soll schweigen“, schoss OB Partsch zurück. Und betrieb als neuer HSE-Aufsichtsratsvorsitzender Scheels Ablösung. Ende April entzog der Aufsichtsrat der Beteiligungsgesellschaft HEAG, die unter anderem die städtischen Anteile an der HSE hält Scheel schließlich das Vertrauen. OB Partschs Ziel: „die schnellstmögliche Trennung“.

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20 Kommentare zu "Schneller Aufstieg, steiler Absturz: Warum deutsche Frauen an der Spitze scheitern"

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  • Bei Euch? Also haben Sie doch Arbeit: aufwischen!! Statt Frustab-in-H4-daheim. Armselige Worte.

  • Hardie, Sie sprechen mir aus der Seele.

    Genauso soll es sein: IN FRIEDEN MITEINANDER, jeder in seiner Art geachtet und geschätzt.

  • Super, Ihr Kommentar. Sie thematisieren ganz zutreffend, wie es in den Firmen zugeht. Die eine hat neue Schuhe und wackelt damit. Das passt der anderen schon 'mal gar nicht. Dann kommt der Kollege und macht ein Kompliment (nur der einen!). Die andere platzt fast in diesem Setting, denn sie hätte gerne die gleiche oder eine höhere Aufmerksamkeit. Nun: die eine piesackt dann die andere und macht den Kerl schlecht, weil er sie verschmäht usw. usf. Und in diesem Setting soll dann noch eine "Chefin" mitmischen. Ja, ich glaub's ja nicht. Das ist doch irrwitzig. Frauen wollen schön, sein bewundert werden, zuvorkommende behandelt werden. Die meisten interessiert halt das Innere eines Mikrochips nun doch noch so brennend oder ein komplexes Automatikgetriebe o.ä. Frauen legen weniger Wert auf Status, sondern mehr auf Beziehungen, weil Sie Kinder wollen. Auch wenn sie medial eingehämmert bekommen, daß Sie sich beruflich selbstverwirklichen sollen (aus meiner Sicht in der heutigen Berufswelt sehr anstrengend bei all der Doppelmoral, die auszuhalten ist), führen sollen, ja in Wirklichkeit sind sie halt anders getriggert. Die Urinstinkte kommen bei Männern und Frauen jeweils durch, was zum status quo führt(e). Jetzt wollen Politikerinnen dies ändern => geht nicht.

  • Es gibt in Harvard das Projekt implizit, das geht da um unbewusste Vorurteile. Da gibt es auch einen Test, wo man seine eigene Voreingenommenheit testen kann. Ist interessant, was da ruskommt und es gibt einem einen objektiven Blick auf die eigene Eingestelltheit. Einfach googlen "project implicit" Harvard.

  • Zweierlei: Frauen behindern sich gegenseitig. Das hat nichts mit "flachen Hierarchien" zu tun, sondern damit, dass jede Frau bei der männlichen Belegschaft besonders gut aussehen und Konkurrenz ausschalten will.
    Es ist zum Beispiel erwiesen, dass in einer weiblichen Domäne, dem Personalwesen, Bewerbungen von gutaussehenden und kompetenten Frauen ausgesondert werden.
    Je besser und v.a. intelligenter die Bewerberin aussieht, desto geringer die Chance, zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden, so zumindest eine neuere Studie (http://www.economist.com/node/21551535).
    Zweitens: Es geht heute um technologische Innovation und Kompetenz, was haben wir den sonst zu verkaufen? In den technischen Fächern gibt es kaum Absolventinnen. Selbst im politische Korrekten Silicon Valley gibt es kaum Informatikerinnen, die technologisch den Ton angeben und IT-Konferenzen haben immer weniger Frauen, sowohl auf dem Podium als auch im Publikum.

  • Sie schneiden einen wichtigen Aspekt an. Ja, Machthaber bringen alle Gegeneinander auf: Arbeitende gegen Rentner, Linke gegen Rechte, den Banarbeiter gegen den Verwaltungsangestellten, den Chef gegen den Mitarbeiter. Aktuell im Programm: Frauen werden gegen Männer gehetzt => führt sicher zu steigenden Geburtenzahlen und sehr friedlichem Miteinander. Bravo, Europäische Union!! Danke!!

  • Die Missstände, die Sie anprangern (Ausschaltung von Marktmechanismen), können Sie doch nicht im selben Atemzug als Argument für eine Frauenquote verwenden, die ja lediglich ein weiterer Missstand im Sinne IHrer Argumentation ist. Das ist schon verwegen. Aber gut, wir haben ja Meinungsfreiheit und jede darf alles sagen, egal wie grotesk oder absurd es in der Sache ist.

  • "Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, kann nur selten (und eher zufällig) gewinnen. Es liegt bei den Frauen, welchen Weg sie gehen."

    Aha, und gegen wen sollen Frauen nun kämpfen und ggf. verlieren oder gewinnen?? Sind Frauen Ihrer Meinung nach auf dem Kriegspfad oder sollten sie es sein?
    Kämpfen demnächst auch Kinder? Gegen ihre Lehrer? Gegen ihre Eltern?
    Wie wäre es mal mit einem einfachen "miteinander" stand ständigen "Kämpfen" ?!

  • @DEUFRA2011

    Würde es der Markt zulassen, dass nicht werthaltige verbriefte Forderung als werthaltig bewertet und verkauft werden?

    Würde es der Markt zulassen, dass nicht überlebensfähige Banken als systemrelevant gestützt werden?

    Würde es der Markt zulassen, dass tatsächlich entstehende Unkosten in Form von Umwelt-, Gesundheits- und sonstigen Folgeschäden nicht bewertet werden?
    __________________________________________________


    Die Sklaven haben sich befreit. Die Bauern haben sich befreit. Die (männlichen) Bürger haben sich befreit.
    Auch die Frauen werden sich befreien - so sie denn wirlich wollen.

    Der Weg der Emanzipation ist steinig und langwierig.
    Er wird nicht verwaltungstechnokratisch durch papierene Anordnungen herbeigezaubert, seien die nun staatlicher oder privatrechtlicher Natur.

    Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, kann nur selten (und eher zufällig) gewinnen. Es liegt bei den Frauen, welchen Weg sie gehen.

  • Prima! Sie argumentieren nicht theologisch, sondern, was auch sein muss: betriebswirtschaftlich. Dem kann ich ebenso nur zustimmen! Die Quotierung hingegen sorgt ja gerade für die Abschaltung des Marktmechnismus, ist dirigistisch und will einen anstregungslosen Zieleinlauf für Frauen SICHERSTELLEN. Frauenquoten werden Motivation, Anstrengungsbereitschaft bis hin zum Sinn der Arbeit einer verheerenden Entwertung zuführen! Aus diesem Grund bin ich für eine STARRE FRAUENQUOTE. Denn nur so bekommen Sie das Thema vom Tisch. Die Bevölkerung ist in der Masse unfähig, Entwicklungen zu antizpieren. Jawoll, sie muß ERLEBEN, wie die Sache an die Wand fährt: betriebswirtschaftlich, sozial und ideologisch. Dann hat es auch der letzte Depp und die letzte Deppin verstanden. Buchtip: googeln Sie: "Vergewwaltigung der menschlichen Identität" durch Gender Mainstreaming - Ihnen werden die Augen aufgehen!

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