Sexuelle Belästigung
Schwedin erstreitet 18 Millionen Dollar von Ex-Chef

Eine Schwedin wollte von ihrem ehemaligen Chef bei einer Wall-Street-Firma 850 Millionen Dollar. Er soll sie sexuell bedrängt und dann entlassen haben. Ein US-Gericht sprach ihr nun 18 Millionen Dollar zu.
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New YorkKaum hatte sie ihren Job bei einer Wall-Street-Firma angetreten, begann ihr neuer Chef, ihr nachzustellen. Immer wieder fragte er die junge Schwedin, ob sie mit ihm Sex haben wolle, wie Hanna Bouveng erzählt. Sechs Monate später hatte sie keine Arbeitsstelle mehr. Benjamin Wey habe sie gefeuert, weil sie weitere sexuelle Kontakte abgelehnt und er einen Mann in ihrem Bett vorgefunden habe. Die 25-Jährige verklagte den Manager wegen sexueller Belästigung auf Zahlung von 850 Millionen Dollar.

Ein New Yorker Geschworenengericht sprach ihr nun am Montag 18 Millionen Dollar (rund 16 Millionen Euro) zu. Zwei Millionen Dollar seien Schadensersatz, weitere 16 Millionen Strafzuschlag wegen sexueller Belästigung und Verleumdung, hieß es. Die Klage der Körperverletzung gegen den 43-jährigen Vorstandsvorsitzenden der New York Global Group wies das Gericht aber zurück.

Bouveng stammt aus einer schwedischen Kleinstadt, hatte den großen Traum vom Job an der Wall Street. Sie behauptete, der verheiratete Wey, der aus China kommt, habe sie sexuell benutzt, sie entlassen und dann auch noch ihren Ruf zerstört. Er habe sie ständig bedrängt, mit ihm zu schlafen. Das sei dann schließlich auch geschehen. Als sie weitere private Treffen verweigerte und er auch noch einen anderen Mann in ihrem Bett vorfand - in der Wohnung, die er teilweise bezahlte - habe er sie sechs Monate später entlassen. In seinem Blog habe er seine Exmitarbeiterin als „Straßendirne“, „leichtes Mädchen“ und Erpresserin bezeichnet, erklärten ihre Anwälte.

Wey sagte dagegen, sexuelle Kontakte habe es nicht gegeben. Bouveng sei wegen schlechter Arbeitsleistung entlassen worden und habe daraufhin versucht, ihren ehemaligen Arbeitgeber zu erpressen. Er zeichnete das Bild einer opportunistischen Frau. Sie habe damit geprahlt, wie wohlhabend ihre Familie sei, aber nichts über die Finanzwelt gewusst, bevor er sie eingestellt und unter seine Fittiche genommen habe. Sie habe seine Großzügigkeit ausgenutzt und sei ständig auf Partys unterwegs gewesen. Tagsüber sei sie dann zu verkatert und übermüdet gewesen, um sich noch die notwendigen Kenntnisse für ihren Job anzueignen.

Bouveng wuchs im schwedischen Vetlanda auf. Der Familie ihrer Mutter gehörte ein Aluminium-Werk mit 20.000 Mitarbeitern, der Vater war Finanzchef einer anderen Firma und die Tante saß im schwedischen Parlament. „Ihr Traum war es, an der Wall Street zu arbeiten“, sagte ihr Anwalt David Ratner vor den Geschworenen.

Seine Mandantin habe 1.800 Dollar pro Monat verdient, erklärte Ratner weiter. Sie habe befürchtet, ihr Arbeitsvisum zu verlieren, als ihr Vorgesetzter seine Avancen begann. An einem Abend im Januar sei es dann zum Sex in ihrer Wohnung gekommen, die 3.600 Dollar pro Monat kostete. Zu der Zeit wollte Wey demnach die Verbindungen seiner Mitarbeiterin nutzen, um eine kleine schwedische Versicherung aufzukaufen.

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„Herabgewürdigt, erniedrigt und beschmutzt“

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