Siesta und Büronickerchen
Andere Länder, andere Schlafsitten

Wer in Deutschland wenig schläft, gilt als fleißig, schlafen bei Vorträgen ist verpönt – in anderen Teilen der Erde nimmt das einem jedoch keiner übel. Die Schlafsitten der Welt: Handelsblatt-Korrespondenten berichten.
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In Italien gehört es weniger als in Deutschland zum guten Ton, sich mit dem geringen Schlafbedarf zu brüsten. Es gibt zwar auch in dem Mittelmeerland Beispiele der Wenig-Schläfer. Dazu gehören sowohl der angelsächsisch geprägte Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne, der mit vier Stunden Schlaf auskommt als auch der ehemalige Premierminister und Unternehmer Silvio Berlusconi. Aber grundsätzlich gilt ein langer Schlaf als gesund.

Wann geschlafen wird, unterscheidet sich jedoch von Deutschland. Weg von den norditalienischen Großstädten sind bisher noch die langen Mittagspausen weit verbreitet. Sie erlauben es, den Menschen nach dem Essen auch noch ein kleines Nickerchen einzulegen. Ob Gemüsehändler oder Anwaltskanzlei: in Zentral- und Süditalien schließen die Läden und Büros vor allem in der Provinz mindestens zwischen ein und drei Uhr, im Sommer wegen der großen Hitze auch mal länger.

Da können die Italiener dann ihren Schlaf nachholen, der ihnen nachts fehlt. Schließlich geht man in Italien Abends eher spät ins Bett. Das spiegelt sich auch im Fernsehprogramm wieder: Die Spielfilme im abendlichen Hauptprogramm beginnen dort erst um neun Uhr, Talkshows oft erst um elf Uhr.

Doch auch hier gibt es große Unterschiede zwischen Nord und Süd: Ziehen die Mailänder – die von Mittagsschlaf nur träumen können - den geselligen Aperitivo mit Häppchen an der Bar ab 19 Uhr nach der Arbeit vor, damit sie früh genug nach Hause kommen, so gibt es diese Erfindung im Süden gar nicht. Dort sitzt man sich richtig zum Abendessen hin – und zwar erst ab neun Uhr.

von Katharina Kort, Mailand

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