Smart Drugs im Selbsttest
Was taugt der neue „Hirn-Booster“ aus den USA?

Statt Kaffee gibt es bei unserer New-York-Korrespondentin in diesen Tagen „Tru-Brain“ zum Frühstück. Der Trunk verspricht ein neues Level an Produktivität. Doch der Selbsttest zeigt: Ein Wundermittel ist er nicht.
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New YorkSoll ich? Soll ich nicht? Was ist, wenn mir das Zeug nicht bekommt? Oder wenn es so gut funktioniert, dass ich meinen Tag nie wieder ohne starten will? Vielleicht wirkt es auch gar nicht und es ist alles ein großer Schmu?

Ich starre auf die schlichte graue Pappschachtel, die gut sichtbar in meiner Küche liegt. An jenem Platz, an dem ich sonst meinen Kaffee brühe. „(re)Designing Focus“ steht darauf. Ein Lockruf für alle, die nach mehr Leistung und mehr Produktivität im Job streben. Also runter damit. Es ist ja auch nur ein Nahrungsergänzungsmittel, also kein richtiges Medikament und schon gar keine Droge.

Drei Tage lang werde ich den angeblichen Zaubertrank testen, auf den das Silicon Valley und High-Performer aus 68 Ländern schwören.

Tag 1: Ein To-Do-Listen-Abarbeiter-Tag

Die süße, klebrige Flüssigkeit schmeckt so, als hätte man saure Gummibärchen zu einem Saft gepresst. Schon nach der Hälfte glaube ich, dass mein Herz schneller schlägt. In dem 30 Milliliter großen Päckchen ist etwa so viel Koffein, wie in einer Tasse Kaffee – nur acht Mal konzentrierter. Ich mache eine Pause, trinke den Rest auf dem Weg ins Büro.

Ich fühle mich wach und mache mich an die Arbeit. Zwei Texte zu Ende schreiben, drei wichtige E-Mails los schicken, Themen für den nächsten Tag scannen und einen Artikel über die Blockchain-Technologie lesen – das steht auf meiner To-Do-Liste für den Nachmittag. Eigentlich schreibe ich keine To-Do-Listen, das hab ich alles im Kopf. Doch an diesem Tag ertappe ich mich dabei, wie ich systematisch alles notiere und dann Schritt für Schritt abarbeite. Sind da etwa die Nootropika – intelligente Drogen – am Werk?

Es ist ein guter Tag. Ich schaffe locker alles, was ich mir vorgenommen habe. Es fühlt sich an, wie der erste Arbeitstag nach einer Woche Urlaub. Ich bin nicht müde, stattdessen gut gelaunt und arbeitswillig. Nur zwei Mal greife ich nach meinem iPhone, um die Facebook-App zu öffnen. Schon nach 30 Sekunden verliere ich das Interesse und widme mich wieder meiner Arbeit.

Nein, heute ist nicht so ein Tag, an dem man im Büro von Hölzchen auf Stöckchen kommt, sinnlos Texte anstarrt und einfach nicht fertig wird. Heute ist ein Macher-Tag, ein To-Do-Listen-Abarbeiter-Tag, ein Tag, an dem die wichtigen Dinge nicht aus dem Fokus geraten. Oha, war das nicht auch im Slogan von Tru-Brain?

Es könnte natürlich auch ein Placebo-Effekt sein. Denn es ist ja nicht so, als wäre ich an allen anderen Tagen total unproduktiv und könnte nicht wichtiges von unwichtigem unterscheiden. Aber, das muss ich sagen: Ich mag den Tag, der mit dem kleinen Zaubertrank begonnen hat.

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Ein kurzer Durchhänger und Kopfschmerzen am Morgen

Kommentare zu " Smart Drugs im Selbsttest: Was taugt der neue „Hirn-Booster“ aus den USA?"

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  • Friedrich Schiller zb soll sich seinen Boost beim Schnuppern in eine Schublade mit einem dahinsiechenden Apfel geholt haben.
    Nunja.
    Anderen mag es mit Morgenluft so gehen.
    Wie schrieben schon weiland Göte der inzwischen hingefuckte: ..."Jedem Tierchen sein Plaisierchen"...

  • auf was für Ideen die Leute so kommen....

    abends rechtzeitig ins Bett - dann ist man morgends auch munter - und wenn der Job passt, dann macht die Arbeit auch an fast allen Tagen Spaß

  • Schluck das Zeug nicht.

    Alle Selbstoptimierer sind arme Würstchen.

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