Sven Hannawald
„Der Burn-Out war vorprogrammiert“

Sven Hannawald war einer der weltbesten Skispringer. 2004 beendete er seine Karriere mit der Diagnose Burn-Out. Wie sich die Krankheit äußerte und was er der „Rote-Teppich-Fraktion“ vorwirft, erklärt er im Interview.
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Vor rund zehn Jahren war Sven Hannawald ein Star in der deutschen Sportwelt. Als bisher einziger Skispringer der Welt gewann er alle vier Wettkämpfe der Vierschanzentournee. Doch Hannawald mutete sich zu viel zu. Am 27. April 2004 ging er in eine Klink für Psychosomatische Medizin. Die Diagnose: Burn-Out. Der Ausnahme-Sportler gab das Skispringen auf und konzentrierte sich auf seine Genesung. Im September erschien ein Buch über seine Erfahrungen. Im Gespräch mit Handelsblatt Online erzählt Hannawald, wie er die vergangenen Jahre erlebt hat, woran man einen Burn-Out erkennen kann und warum er ein Buch geschrieben hat.

Sie haben Ihre sportliche Karriere im Jahr 2004 beendet. Wie sieht Ihr Leben heute aus und wie war ein typischer Tagesablauf früher?

In meiner aktiven Zeit war der ganze Tag durchgeplant. Dieser feste Ablauf war eine Erleichterung. Es war das Leben, das ich mir von klein auf gewünscht hatte – dass ich mein Hobby zum Beruf machen kann. Jetzt ist mein Alltag natürlich ganz anders. Meine Freundin und ich nehmen uns zwar einen Plan vor, ändern ihn aber im Laufe der Woche oft. Ich gebe momentan etwa dreimal die Woche Lesungen für mein Buch, ansonsten reagiere ich spontan auf Anfragen, etwa von Journalisten. Es ist natürlich eine Umstellung, wenn man jahrelang einen festen Plan gewohnt war. Aber zugleich habe ich den Luxus, dass ich nicht immer herumhetzen muss, sondern auch mal eine Auszeit nehmen kann.

Haben Sie Ihre Zeit als Skispringer als Hetze empfunden?

Teilweise schon, ja. Am Sonntag kommt man vom Wettkampf zurück, am Mittwoch muss man schon wieder weiter. Dazwischen muss man seine Wäsche waschen und Büroarbeiten erledigen. Wir waren im Winter die ganze Zeit on Tour. Das macht man natürlich gern, weil man den Sport liebt, aber im Nachhinein war das schon eine sehr hektische Zeit.

Wie hat sich der Burn-Out bei Ihnen geäußert?

Ich hatte so eine komische Unruhe. Gleichzeitig war ich immer müde. Es war ein Teufelskreislauf: Durch die Unruhe konnte ich mir nicht die Ruhe gönnen, die ich gebraucht hätte. Ich musste meinen Körper durch Training erst überfordern, um im Anschluss überhaupt Ruhe zulassen zu können. Mein Körper sendete mir bereits Signale - Muskelkater, Erschöpfungsgefühle - dass ich mich ausruhen sollte. Aber diese innere Unruhe hat mich angetrieben, immer weiter zu machen. Ich konnte mich nicht einfach aufs Sofa legen und mich entspannen, sondern wackelte dann permanent mit den Beinen oder lief im Raum herum.

Wann traten die ersten Symptome bei Ihnen auf?

Im Nachhinein betrachtet, gab es die ersten Anzeichen bereits vor meinem Erfolgsjahr 2001/2002. Mein Körper wollte schon damals eigentlich seine Ruhe, das jahrelange Leben an der Gewichtsgrenze hatte ihn sehr mitgenommen. Ich war ständig auf Diät, über jedes Gramm weniger habe ich mich gefreut. Am Ende wog ich nur noch 61 Kilogramm – bei einer Körpergröße von 1,85 Metern.

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