Verhandlungsexperte Jack Nasher
„Bauen Sie dem Lügner eine goldene Brücke“

Jeder Mensch lügt, doch nicht jeder kann eine Lüge auch gut verstecken. In seinen Seminaren zeigt Verhandlungsexperte Jack Nasher, wie man Menschen durchschaut und beeinflusst. Er weiß, wie man Lügner entlarvt.
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Herr Nasher, in Ihrem neuen Buch „Entlarvt!“ geben Sie Ratschläge dazu, wie man Lügen durchschaut und die Wahrheit erfährt. Wird im Job wirklich so viel gelogen?

Nasher: Ja. Ich gebe Ihnen mal ein Beispiel. Ich habe kürzlich einen Vorstandsvorsitzenden gefragt, warum er so viele Berater im Haus hat. Seine Antwort: Damit ich weiß, was in meinem Laden los ist, sonst sagt mir doch niemand die Wahrheit.

Die Mitarbeiter lügen ihren Chef systematisch an?

Das kommt häufiger vor, als man denkt. Denn die typische Motivation zu einer Lüge ist Angst. Hat der Mitarbeiter etwas falsch gemacht oder läuft es in seiner Abteilung nicht rund, wird er versuchen, seinem Chef zumindest nicht die ganze Wahrheit zu sagen.

Und wie finde ich heraus, ob mich mein Mitarbeiter oder Arbeitskollege anlügt?

Lügner fühlen Angst und Schuld. Und schon instinktiv sehen die meisten Menschen, ob ihr Gesprächspartner vor etwas Angst hat.

Was sind typische Anzeichen für Angst?

Lügner reißen die Augen auf. Ihre Mundwinkel sind nach hinten in Richtung Ohren gezogen. Die Stimme wird höher. Sie blinzeln. All das vielleicht nur minimal, aber durchaus wahrnehmbar. Es sind typische Anzeichen von Nervosität.

Naja, aber bei Verhandlungen oder im Vorstellungsgespräch kann ich doch auch nervös sein, ohne dass ich zuvor gelogen habe.

Das stimmt. Deshalb ist es immer wichtig zu unterscheiden, ob jemand Angst hat, obwohl es keinen Grund gibt. Dann hat er wahrscheinlich etwas zu verbergen. Oder ob jemand nervös ist, weil er zum Beispiel in einem Vorstellungsgespräch sitzt. In beiden Fällen sollte ich mit gezielten Fragen versuchen herauszufinden, ob er mir die Wahrheit sagt.

Kommentare zu " Verhandlungsexperte Jack Nasher: „Bauen Sie dem Lügner eine goldene Brücke“"

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  • brandgefährlich diese Anleitung.

    In der Polizei werden hochgeschultes Personal und Detektoren eingesetzt, um Lügner zu entlarven und auch dann ist keine eindeutige Sicherheit gegeben.

    Nun soll ein x-beliebiger Chef, der selbst Subjekt des Ganzen ist und überlicherweise auch Angst hat sowas durchziehen und erkennen. Ohne Frage wird der Chef zu einer Meinung kommen und überzeugt sein. Aber liegt er denn dann richtig??? Wie oft wird er falsch liegen? Zu 20% zu 50%, zu 80%???
    Dann fängt er vielleicht noch ein Mobbing gegen die Person an, weil er ja keine Beweise hat aber eben ganz sicher überzeugt ist.

    Vor dem Gericht sind nicht ohne Grund Beweise erforderlich, da genügen Eindrücke nicht. In der Firma aber schon?

    Brandgefährlich! Schlechter Ratgeber

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