Vertrauen in der Wirtschaft
Vertrauen ist Gefühlssache

Es ist der Stoff, aus dem Beziehungen sind: Vertrauen. Forscher versuchen, das schwer greifbare und hochemotionale Gut zu erklären: wie es entsteht, was es bestärkt und was es zerstört. Eines steht dabei fest: Das Element ist kostbar – und leicht flüchtig.
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KölnKarl Haeusgen hat ein Prinzip: Er vertraut Geschäftspartnern, auch wenn er sie erst kurz kennt. „Ich unterstelle jedem einen guten Willen“, sagt er. In Indien musste der Chef des Münchener Maschinenbauers Hawe Hydraulik allerdings feststellen, dass umgekehrt ihm anscheinend nicht jeder vertraut: Neun Jahre lang musste Haeusgen warten, bis die Behörden für sein Werk in Bangalore die wichtigen Markenrechte genehmigt hatten. Der Geschäftsführer sollte alle schriftlichen Bilanzen seit der Unternehmensgründung 1949 vorlegen, notariell beglaubigt.

Das Vertrauen der ausländischen Behörden musste sich Haeusgen hart erarbeiten. Am Ende genügten dem Amt Fotokopien seit 1974. Ältere Bilanzen hatte das Unternehmen, das Kran- und Baggerhersteller oder Windkraftanlagenbauer beliefert, beim besten Willen nicht mehr im Archiv. Heute arbeiten 40 Mitarbeiter in der indischen Tochtergesellschaft, die Geschäfte laufen, doch die Episode hat Spuren hinterlassen. Haeusgens Vertrauensbasis in die indische Verwaltung ist angefressen. Vielleicht auch deshalb findet er die deutschen Ämter so effizient und transparent.

In der Regel vertrauen wir darauf, dass eine Behörde funktioniert. Institutionenvertrauen nennt man das. Doch im Geschäftsleben erodiert die Basis: Nach einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung vertrauen zwar fast alle Deutschen der Polizei, aber nur jeder Fünfte vertraut Managern. Auch wenn sich die Werte für die Wirtschaftslenker zuletzt leicht verbessert haben - im internationalen Vergleich vertrauen die Deutschen den Managern am wenigsten.

Ganze Wirtschaftssektoren, allen voran Banken, haben vor allem seit der Finanzkrise Vertrauen eingebüßt. Der Psychologie-Professor Martin Schweer aus Vechta päppelt in Seminaren Führungskräfte wieder auf. Er vertritt die These, dass es sich um kein reines Wirtschaftsphänomen handle: „Es gibt momentan einen gesellschaftlichen Nährboden für Misstrauen“, sagt Schweer. Mitverantwortlich seien auch Politiker. Affären wie zuletzt um den Bundespräsidenten Christian Wulff oder den Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg würden das ohnehin schon geringe Vertrauen in die Politik weiter schwächen.

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  • Vertrauen entwickelt sich ganz selbst, wenn die Basis gemeinsamen Handelns, die gemeinsame "Überschrift" funktioniert.

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