Vorsicht, Fettnäpfchen! Wie Sie die versteckten Karrierekiller enttarnen

Wohin zum Business-Lunch? Wann gilt welcher Dresscode? Muss Small Talk sein? Viele Fachleute stolpern auf der Karriereleiter, weil sie im Auftreten eher ein Problembär sind. Wie man die Stolperfallen im Job vermeidet.
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In der Rubrik „Karriere Tipp“ widmet sich Handelsblatt Online wöchentlich Themen rund um Beruf, Büro und Bewerbung. Quelle: CAEPSELE

In der Rubrik „Karriere Tipp“ widmet sich Handelsblatt Online wöchentlich Themen rund um Beruf, Büro und Bewerbung.

(Foto: CAEPSELE)

Frau Meyden, Sie sprechen in ihrem Buch „Karrierekiller“ von versteckten Fallen auf dem Weg nach oben. Sie sagen, die größte Falle sei das Ignorieren der versteckten Codes – was sind denn die versteckten Codes?

Leider kann man das so konkret nicht benennen, obwohl es schön wäre, wenn man eine Handvoll Fehler vermeiden könnte und dann wäre alles gut. Eigentlich liegt die Herausforderung unserer Zeit darin, die Beschaffenheit der gesellschaftlichen Kultur zu erkennen, in der ich mich gerade bewege. Wir haben eine Gesellschaft, die sich in vielen Bereichen ausdifferenziert. Wo nach Regionen, Branchen und Unternehmen ganz eigene Kulturen und Spielregeln entstanden sind. Das heißt, im zwischenmenschlichen Bereich passieren viele Fehler.

Nennen Sie bitte ein Beispiel.

Stellen Sie sich den Manager vor, der mehrere Jahre in einem IT-Unternehmen gearbeitet und dort erfahren hat, dass man relativ entspannt miteinander umgeht. Die Hierarchien waren flach, die Kleidung informell. Der Umgang mit den Kunden war locker. In einem anderen Software-Unternehmen hat er Ähnliches erlebt. Aber jetzt, nach zehn Jahren in der Branche, kommt er zum dritten Softwareunternehmen. Und dort laufen die Dinge ganz anders. Manche Dinge sieht man natürlich recht schnell, etwa dass bei Terminen Krawatten getragen werden und das Siezen Alltag ist. Dennoch versteht der Manager die Firmenkultur in vielen Bereichen noch nicht. Eine E-Mail an den großen Verteiler, die mit den vertraulichen Worten „Liebe Kollegen, …“ beginnt, kann schon zuviel des Guten sein. Dass solche Formulierungen nicht erwünscht sind, das sagt einem niemand explizit. Stattdessen gab es anfangs nur den Hinweis, dass es im Unternehmen konventioneller zugeht.

Wie kann ich mich mit den gängigen Codes vertraut machen?

Das Wichtigste ist vor allem, dass man bei aller Berufs- und Branchenerfahrung immer daran denkt, dass jedes Unternehmen eigene Regeln hat. Also: Zu Beginn sollte man sich neugierig und sehr aufmerksam umgucken und versuchen, nicht nur das Fachliche, sondern auch das Zwischenmenschliche abzugleichen. Fragen Sie, um nicht aus Unwissenheit in Fettnäpfchen zu tappen: Welcher Umgangston wird gepflegt? Welchen Wert haben Hierarchien? Was ist bei Meetings wichtig? Am Anfang sollte man mehr beobachten und sich weniger positionieren! Hilfreich ist auch ein Kollege, eine Art Mentor, der regelmäßig Rückmeldung gibt.

Sie widmen Kapitel 1 dem „Karrierekiller Äußeres“. Also wie erscheine ich am ersten Tag im neuen Unternehmen? Konservativ?

Ja, sicher etwas konservativer. Wenn Sie vor der Frage stehen, ob mit oder ohne Krawatte, überlegen Sie sich die Konsequenzen. Ziehe ich eine Krawatte an, und wird das auch so erwartet, dann ist alles fein. Ist die Krawatte zu viel des Guten, kann ich sie ablegen. Schlimmstenfalls werde ich als etwas zu konservativ eingeschätzt. Das wird aber jedem Neuling nachgesehen. Entscheide ich mich aber gegen die Krawatte, und wird das als nicht angemessen betrachtet, dann habe ich Problem. Denn dann gibt es negative Reaktionen wie „Der weiß wohl nicht, wie das hier läuft“, „Der hat noch eine Menge zu lernen!“ und „Das scheint ihm nicht wichtig zu sein, es mangelt ihm an Respekt.“

An wem sollte der Kleidungsstil sich orientieren: Am Chef oder an den Kollegen?

Ein kluger Mensch wird beide Seiten beobachten und abwägen. Wer sich zu sehr am Chef orientiert, fällt unangenehm auf. Der Vorgesetzte schaut irritiert auf sein „Double“, zum anderen ist es komisch, wenn man als junger Mensch den Kleidungsstil eines Älteren nachahmt, etwa durch Manschettenknöpfe oder durch ein Monogramm. Außerdem grenzt man sich dann von den Kollegen ab. Das könnte noch gefährlicher sein, denn deren Wohlwollen ist wichtig. Am Anfang würde ich deshalb dazu raten, sich an den Kollegen zu orientieren. Langfristig gesehen sollte man sich so kleiden, wie die Hierarchieebene, die man anpeilt. Die Botschaft, die man damit aussendet, ist: Ich bin leistungs- und aufstiegswillig. Und ich sehe mich selbst durchaus schon einen Schritt weiter.

Nandine Meyden arbeitet seit vielen Jahren als Etikette-Trainerin.

Nandine Meyden arbeitet seit vielen Jahren als Etikette-Trainerin.

Bei Einladungen wird der Dresscode nicht immer klar definiert. Wie umgehe ich ein Fettnäpfchen?

Das stimmt, oft wird der gewünschte Kleidungsstil nicht ausreichend kommuniziert. Wenn ich vom Dresscode her nicht deplatziert wirken möchte, kann ich mir aber anhand einiger Kriterien weiterhelfen: Wie formell war der Text der Einladung? War es nur eine lockere Mail oder ein Brief auf Büttenpapier? Lädt ein kleines, aber sehr traditionelles Unternehmen ein oder eine junge, schnell wachsende Firma? Wo findet das Treffen statt? Der Veranstaltungsort verrät viel über die erwünschte Kleidung. Zu welchem Anlass wird eingeladen? Ist es das Jubiläum zum 100. Geburtstag des Unternehmens? Dann wird es sicher vornehmer. Ganz wichtige Fragen sind auch: Als wer trete ich auf: Als Vertreter der Firma oder meiner Branche oder als Privatperson? Selbst im eigenen Unternehmen habe ich eine bestimmte Rolle auszufüllen. Wer Rechtsberater eines Internet-Start-up ist, sollte diese Rolle seriös ausfüllen, selbst wenn in einen Club eingeladen wird. Man ist schließlich keiner der Programmierer, die im T-Shirt herumlaufen. Jeans sind in diesem Fall okay, Hemd und Jacket sollten dann aber auch sein. Sonst beschädigt man sein Image.

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8 Kommentare zu "Vorsicht, Fettnäpfchen! : Wie Sie die versteckten Karrierekiller enttarnen "

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  • Ist doch alles Nonsens, was diese selbst ernannten „Bewerbungsexperten“ empfehlen. Ich bin einfach in das Büro des CEO gegangen, habe dem Mann am großen Schreibtisch beide Hände auf seine Schultern gelegt und gesagt: „Alter Mann, es wird Zeit für dich zu gehen!“ Darauf schaute er mich an, stand auf, lächelte und ging. Seitdem führe ich das Unternehmen. Das glaubt niemand? War aber so. Ich habe ihm die Last der unternehmerischen Verantwortung abgenommen. Meinem Vater. :-)

  • Die Dame redet Unsinn. Wahrscheinlich hat sie Psychologie oder Pädagogik studiert und meint jetzt die Welt erklären zu können.

    -> Unsinniges Beispiel von ihr. Unsinnige und schwammige Auseinandersetzung auf die Forderung der Konkretisierung ihrer Tipps.

    -> Papierkorb

  • @Stefan

    Ich denke aehnlich und sehe dies als Werbung. Das HB muss ja auch Geld verdienen, wenn Ihr alle den Adblocker aktiv habt :-)) Es tut ja nicht weh.

  • Frau Meyden hat die Weisheit mit Löfflen gefressen. Warum arbeitet sie immer noch in Ihrem Beruf als Etikette- Trainerin und führt kein DAX Unternehmen? Ich schätze sie hat eine E-Mail mit „Liebe Kollegen" im Absender verschickt. Da war sie bei allen Kollegen unten durch. Wer so ein Schwachsinn glaubt ist selber Schuld!

  • Es ist nicht immer einfach. Ich wurde von einer deutschen IT-Firma nach USA geschickt um einen Bereich zu uebernehmen. Nach einiger Zeit kam unser Vorstand aus Deutschland zu einem Meeting und fragte in der Runde wie ich mich eingelebt habe. Die Antwort war "super, wir haben uns alle angepasst". Fuer mich war dies ein Schock, den ich nie vergessen werde.

  • Mich würde ja interessieren, wie weit Sie mit dieser Strategie gekommen sind.
    Für mich klingt das nach etwas zu wenig, um wirklich Karriere zu machen...

  • Es ist schon erstaunlich, was so für Tipps für den Karriereaufbau gegeben werden.
    Mein Tipp lautet:
    Mit einer guten Ausbildung und einem freundlichen Wesen stehen einem alle Türen offen, denn dann ist man auf das Wohlwollen der Wegbereiter nicht angewiesen.

  • Aus meiner eigenen langjährigen Erfahrung als Sales Manager kann ich leider sagen, dass deutsche Manager bis heute den Charme eines Holzklotzes versprühen. Es versteht sich wohl, dass ein Regionalmanager für Kairo, Moskau, Shanghai oder Tokio ein mehrtägiges, besser: mehrwöchiges Training benötigt, um sich mit Kultur, Sitten und z.T. auch Sprache vertraut zu machen. Obwohl: bei vielen deutschen Firmen ist dies leider immer noch keine Selbstverständlichkeit. Viele Chefs meinen, die Kenntnis des Englischen reiche aus, um zusammen mit dem erforderlichen technischen und kaufmännischen Wissen in einer fremden Region Erfolg zu haben. Weit gefehlt! Manchmal ist es besser, beim ersten Treffen oder Geschäftsessen überhaupt nicht über Geschäfte zu sprechen - für Deutsche oder tumbe Amerikaner ist dies aber meist undenkbar, und sie zerschlagen schon beim ersten Mal so viel Porzellan, das sich weitere Treffen eigentlich erübrigen. Das Schlimmste jedoch ist, dass die Deutschen oder Amerikaner nicht begreifen, dass sie alles kaputtgemacht haben - solange, bis man sie einfach nicht mehr einlädt. Dann heisst es: "Oh! Did I do something wrong?" Auch in Europa sollte jeder -Arbeiter oder Manager- daran denken, dass gerade Deutsche immer noch vorbelastet sind. Ein Beispiel dafür ist die Katastrophe bei EADS in Toulouse, wo die deutschen Mitarbeiter sich noch nicht einmal bemühten, die Franzosen morgens überhaupt zu begrüssen!! Für die sozial eingestellten Franzosen ein Unding. Wer dies als Deutscher verstehen will, sollte sich unbedingt den berühmten Sketch mit Louis de Funès über das Rezept für Kartoffelpüree auf Youtube anschauen: "... und ein Muskatnuss, (H)err Müllèr!" Wer diesen Sketch verinnerlicht, hat schon vieles verstanden. Mehr Selbstironie, bitte!

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