Vorurteile gegen Gründerinnen
„Warum wollen Sie keine Kinder?“

Frau und Start-up – das passt für viele nicht zusammen. Obwohl sie als die erfolgreicheren Existenzgründer gelten, müssen weibliche Unternehmenslenker immer noch mit Vorurteilen kämpfen.
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DüsseldorfDie Fruchtbarkeit von Freya Oehle hat unter ihrer Selbstständigkeit nicht gelitten. Dass die Gründerin des Start-ups Spottster das überhaupt verdeutlichen muss, verwundert vielleicht. Doch die Frage einer Journalistin legte eben das nahe. Die Dame fragte Freya Oehle: „Sie haben sich für eine Gründung entschieden. Warum wollen Sie keine Kinder?“

„Ich war echt baff“, sagt Oehle beim Gespräch in Hamburg. Die 24-Jährige hat vergangenes Jahr ihren Master beendet und direkt danach ein Internet-Start-up gegründet, das gewissermaßen eine Einkaufsliste für das Netz bietet. Dass eine Gründung gleich ihre Familienplanung in Frage stellen soll, erscheint ihr absurd.

Die Frage der Journalistin war nicht das einzige diskriminierende Erlebnis, das Oehle hatte. Obwohl sie mit ihrem Start-up Spottster erst seit September selbstständig ist, kann sie bereits zahlreiche Anekdoten darüber erzählen, wie erstaunt Geschäftspartner waren, dass sie eine Frau ist, oder dass sie es ist, die sich um die Finanzen kümmert – und nicht ihr männlicher Mitgründer. Einmal wurde sie sogar ernsthaft gefragt, ob sie die Quotenfrau sei. Doch die 24-Jährige nimmt die Vorurteile gelassen: „Spätestens, wenn ich meinen Vortrag beginne, merken sie, dass ich weiß, wovon ich rede.“

Auch Cornelia Klaus kann von zahlreichen Frauen erzählen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Die Bereichsleiterin, die zu der durch Landes- und EU-Mitteln geförderten Agentur Gründerinnen Consult gehört, sagt, bei Pressegesprächen sei die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zwar sowohl bei Gründerinnen als auch bei Gründern häufig ein Thema – aber nicht in gleichem Maße. „Die Frage nach Karriere und Kindern wird ausschließlich Frauen gestellt“, erzählt Klaus. Männer würden in den Gesprächen nie darauf angesprochen.

Kati Jagnow arbeitet als Ingenieurin, einem typischen Männerberuf. Doch obwohl sie schon seit Jahren als selbstständige Beraterin für Energieprojekte erfolgreich tätig ist, passiert es ihr immer noch, dass potenzielle Kunden ihre E-Mail automatisch mit „Sehr geehrter Herr Jagnow“ beginnen.

Die Kombination Frau und Unternehmen scheint in den Köpfen vieler  immer noch eine Ausnahmeerscheinung zu sein. Dabei sind gründende Frauen längst Alltag.

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