Wann Arbeit glücklich macht
„Kranke Mitarbeiter stecken mit negativen Gefühlen an“

Sie ersticken im Alltagsgeschäft und Ihre Mitarbeiter sind erschöpft und frustriert? Zeit für ein Umdenken, findet die Psychologin Ilona Bürgel – denn die menschliche Arbeitskraft mausert sich zum Wettbewerbsfaktor.
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DresdenMontagmorgen. Sie haben gut geschlafen und freuen sich auf die neue Arbeitswoche. Ihre Mitgeschäftsführerin hat den Bruttoinhouse-Glücksreport unter dem Arm und fragt Sie nach dem Befinden Ihrer Mutter, während Sie in Ruhe zum ersten Meeting des Tages gehen. Ihr Team ist nicht nur anwesend, sondern gesund und fit. Sie beginnen das Treffen mit der Auswertung der Erfolge der letzten Woche.

Gefällt Ihnen diese Vision? Falls nicht, sollten Sie besser umdenken. Denn der Erfolg Ihres Unternehmens wird heute nicht mehr nur durch Technologievorsprung oder Pünktlichkeit entschieden, sondern durch das, was sich in den Köpfen und Herzen Ihrer Mitarbeiter abspielt. Der Job entscheidet mit über unser Lebensglück.

Der Versuch der deutschen Unternehmen, Mitarbeiter zu Höchstleistungen zu „motivieren“, ist an seine Grenzen gekommen: Viele haben die innere Kündigung abgegeben, die Engagierten brennen aus. Technische Ressourcen wurden besser gepflegt als menschliche.

Hektik, Pflichten, Zeitdruck, die Lust und Last der Arbeit scheinen uns fest im Griff zu haben. Die meisten Menschen sind für alles und jeden da und denken zu wenig an sich. Ein gutes Leben wird auf „morgen“ oder „später“ verschoben. Das ungeschriebene Gesetz „erst viel (für andere) leisten, dann glücklich sein“, wurde in unserer Gesellschaft exzessiv gelebt. Doch Vorsicht! Nur wenn es Ihnen gut geht, profitieren alle davon. Glückliche Menschen leben länger und gesünder, sind produktiver, verdienen mehr, haben zufriedenere Kunden und Mitarbeiter und können Krisen besser meistern. Doch das heißt zunächst einmal, neue Schwerpunkte zu setzen, ja eine andere Arbeitskultur zu entwickeln.

Zwei Beispiele: Laut einer Umfrage des Forschungsinstituts GALLUP mögen nur 20 Prozent der Menschen das, was Sie jeden Tag tun. Zwei Drittel der arbeitenden Erwachsenen warten täglich auf den Feierabend. Das heißt, die meisten Menschen verbringen ihre Lebenszeit mit etwas, das ihnen nicht gefällt und finden das auch noch normal.

58 Prozent der Manager würden auch mit einer mittelschweren Erkältung zur Arbeit gehen, ergab eine Umfrage der Personalberater Lab & Company unter Managern. Nur 9 Prozent würden zuhause bleiben und sich auskurieren. 18 Prozent heißen es gut, wenn Kranke ins Büro kommen. Das Ergebnis: Präsentismus. 21 Prozent der Mitarbeiter geben im Stressreport 2012 an, bei Krankheit immer arbeiten gegangen zu sein, 36 Prozent bleiben mal zu Hause oder gingen mal arbeiten. Im Durchschnitt waren Mitarbeiter 11,5 Tage krank am Arbeitsplatz. Nennen Sie das Engagement? Kranke Mitarbeiter stecken nicht nur mit Bakterien, sondern auch mit negativen Gefühlen an. Und letztere werden Sie viel schwerer wieder los.

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