Wenn Mitarbeiter Fehler machen
„Nix gesagt ist gelobt genug“

Wenn Mitarbeiter Fehler machen, ist es an Führungskräften sie darauf hinzuweisen. Das muss nicht unter der Gürtellinie sein – es geht auch mit konstruktivem Feedback und so, dass Mitarbeiter ihr Gesicht wahren.
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DüsseldorfChefs führen Mitarbeiter, geben ihnen Aufgaben, geben Feedback. Doch nicht immer ist das Feedback positiv. Kein Chef kommt umhin, Mitarbeiter auch auf Fehler hinzuweisen. Ein emotionales Minenfeld, denn schnell vergreift man sich im Ton, der Mitarbeiter ist beleidigt und frustriert, und die Arbeit stockt. Um derartige Situationen zu vermeiden, muss Kritik wohl dosiert sein und vor allem zum richtigen Zeitpunkt stattfinden.

Für negatives Feedback gibt es eine eherne Grundregel, so Beraterin Katja Ischebeck: "Damit Kritik konstruktiv und nicht vernichtend und beziehungsschädigend ist, gibt es eine wesentliche Bedingung: Sie muss respektvoll sei, so dass der Andere sein Gesicht wahren kann." Im Idealfall ist jede Kritik konstruktiv, das heißt, dass der Mitarbeiter etwas daraus lernen kann.

Tatsächlich ist so gut wie jedes negative Feedback verletzend, mal mehr, mal weniger. Eine Faustregel für den Kritisierenden ist Karriereexpertin Svenja Hofert zufolge ein gedanklicher Rollentausch: Wie würde ich mich fühlen, wenn ich kritisiert werde? Auch verbale Angriffe gilt es zu vermeiden. "Mit Vorwürfen kommen Sie nicht weit", sagt Hofert. Wer seinem Teammitglied knallhart sagt, dass er einen Fehler gemacht hat, bekommt eine von zwei möglichen Reaktionen: Flucht oder Verteidigung. "Aber der Mitarbeiter hört dann nicht mehr zu", warnt Hofert.

Wer einen Mitarbeiter auf Defizite hinweisen will oder muss, sollte dies auf keinem Fall im Team-Meeting tun. "Üben Sie negative Kritik immer unter vier Augen", rät Ischebeck. Mindestens so wichtig sei es, erst einmal durchzuatmen und Kritik nicht sofort anzubringen. "Es ist meist nicht so gut, gleich loszupoltern" sagt Karriereberaterin Hofert. Lieber erst einmal eine Nacht darüber schlafen. Meist kühlen die Emotionen dann etwas ab, und man kann sachlich über die Angelegenheit sprechen, ohne ausfallende Bemerkungen zu bemühen.

Entscheider wissen: Einige Entscheidungen sind zeitkritisch. Lange warten und sich sammeln geht häufig nicht. Einem Manager, der zu Wutausbrüchen neigte, gab Karriere-Coach Hofert folgenden Tipp: "Ich habe ihm geraten, sein Laptop zuzumachen, einmal um das Firmengebäude zu gehen und sich so abzuregen." Das habe meist geholfen.

Damit ein Mitarbeiter mit dem Feedback etwas anfangen kann, muss die geäußerte Kritik präzise sein. "Es bringt nichts, dem Mitarbeiter zu sagen, er solle 'genauer arbeiten' oder so etwas wie 'du musst organisierter sein'", sagt Hofert. "Worin soll er denn genauer sein? In der Rechtschreibung?" Ein Chef könne aber den Mitarbeiter darum bitten, die Ergebnisse in kleineren Teilschritten zu präsentieren. "Die Kritik muss zudem angemessen sein", so Hofert weiter. Die Management-Beraterin rät: Übertreiben Sie also nicht und halten Sie sich nicht zu lange mit kleinen Fehlern auf.

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Feedback muss sein

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  • Effektiv Kritik zu üben oder Feedback zu geben kann man alles lernen. Es braucht aber Zeit und Geduld. Habe mal bei einer Bank einen Projektleiter erlebt, der weder mit Lob noch Kritik sparte und beides äußerst emotional vortrug. Die Mitarbeiter liebten ihn und folgten ihm ohne zu zögern.

    [...]

    Wer das umsetzt, führt seine Mitarbeiter zu Zufriedenheit, Bindung und höherer Leistung. Und auch hier gilt: Führungskräfte müssen sich darauf einlassen, sich Zeit nehmen und in bessere Mitarbeiterführung investieren.

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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