Wirtschaft und Schule
Zu viele Jugendliche in der Warteschleife

Wenn Konzerne über Fachkräftemangel klagen und gleichzeitig viele Jugendliche ohne Ausbildungsplatz sind, läuft etwas schief. Die Wirtschaft muss sich für das Potential der Hauptschüler einsetzen.
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BerlinDa war sie dahin, die Illusion von der unglaublich niedrigen Jugendarbeitslosigkeit. Wie kann es denn bitte auch sein, dass Deutschlands Schüler bei Bildungstests wie Pisa nicht gut abschneiden, aber dennoch so leicht ins Berufsleben finden sollen? „Es liegt daran, dass wir nicht ordentlich zählen“, beantwortete Ties Rabe (SPD), Hamburgs Schulsenator und Präsident der Kultusministerkonferenz, gestern auf dem Handelsblatt-Kongress „Wirtschaft und Schule“ seine eigene Frage.

Er hat im Stadtstaat mal nachgezählt: Fast 25 Prozent fänden direkt nach der zehnten Klasse keinen Ausbildungsplatz. Viele „gurken in Übergangsmaßnahmen herum“, wie es Rabe nennt, die „häufig zu Recht als Warteschleifen“ gelten würden. Offiziell arbeitslos sind sie damit nicht. „Die meisten Schüler haben von der Berufswelt schlicht keine Ahnung“, sagte Rabe. Auch deshalb ist es wichtig, dass Wirtschaft und Schule stärker zusammenarbeiten und die Berufsorientierung in den Schulen wichtiger nehmen.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt drückte es auf dem Kongress zwar etwas milder aus, meint aber dasselbe: „Jugendliche müssen auch in der Praxis lernen.“ Schon heute gibt es etliche Initiativen von Unternehmen, Stiftungen und Wirtschaftsverbänden, die dort ansetzen, wo die Schwachstellen des Schulsystems sichtbar werden: Sie helfen Schülern aus sozial benachteiligten Familien, die im Schulsystem weniger Chancen haben, sie zeigen Jugendlichen, was das echte Berufsleben für sie bereithält, und sie bessern die Wirtschaftskenntnisse der Schüler auf.

Doch wenn es um die Aufstiegschancen junger Menschen geht, reicht das nicht. An Haupt- und Realschulen müssten sich die Unternehmen mehr engagieren, sagen 600 Deutsche, die das Handelsblatt mit der Vodafone Stiftung und der Stiftung neue Verantwortung befragt hat. An diesen Schulen lernen die künftigen Auszubildenden und viele Jugendliche, die offenbar für eine Ausbildung noch nicht reif sind, die die Wirtschaft aber nicht verlieren darf.

Zwei Drittel der Befragten sagen allerdings, dass das Engagement ihres Unternehmens an Haupt- und Realschulen gering oder gar nicht vorhanden ist. Die Umfrage ist zwar nicht repräsentativ, gibt aber doch einen ersten Einblick, was Mitarbeiter sich in puncto Engagement von ihrem Unternehmen wünschen. Während viele Unternehmen klagen, dass sie Ausbildungsplätze nicht besetzen können, hängen aktuell 270.000 Jugendliche in den Warteschleifen.

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  • Grundsätzlich ist eine Bildungs-Inflation zu beobachten. "Schule der Masse" - ein Begriff den ich gerne von meinem Vorredner übernehme - war früher nicht die Real- sondern eben Haupt- bzw. Volksschule. Absolventen mit diesem Abschluss galten als (genügend?) qualifiziert für Berufsausbildungen. Das sich dies nun offenbar geändert hat, kann meiner Ansicht nach nicht nur daran liegen, dass Hauptschüler im Durchschnitt "dümmer" geworden sind (Obwohl hier sicherlich Effekte durch Abwanderungen auf andere Schulformen festzustellen wären) Dass ein Hauptschulabschluss A (also keine Mittlere Reife) so wenig wert erscheint liegt sicherlich auch daran, dass sich die Anforderungen an Arbeitnehmer im Allgemeinen und Auszubildenden im Speziellen erhöht haben. In Folge der Konkurrenz mit Billiglohn-Ländern fallen immer mehr "einfache" bzw. körperliche Arbeiten weg (Man denke an die Benz-Barracken in Mannheim oder die Bergarbeiter Siedlungen im Ruhr-Gebiet). Es entstehen stattdessen intellektuell anspruchsvollere Jobs, sei es im Technologie-orientierten Produktionsunternehmen oder im Dienstleistungsbereich. Bei angenommen gleichbleibender Verteilung der Begabung in Deutschland, gibt es damit per Definition Schulabsolventen die "über bleiben" (Plakativ: Wer früher Fließband-Arbeiter geworden wäre, von dem kann heute nicht erwartet werden Ingenieur zu werden). Meiner Einschätzung nach wird dieser Effekt durch die Rekrutierungs-Praxis einiger Unternehmen verstärkt. Hier wird oftmals nach der Best-Qualifizierung statt nach der besten Passung zwischen Anforderung der Position und Eigenschaften der Person gesucht. Wer beispielsweise nur die besten Abiturienten für seine betriebliche Ausbildung akzeptiert (und damit kurzfristig Kosten spart aufgrund der verkürzten Ausbildungszeit) statt diese für ein Duales Studium zu begeistern (Leistungsträger damit dennoch an sein Unternehmen bindet), der erleidet zwangsläufig einen zweifachen Bumerang-Effekt: Erstens „verschwendet“ er potentielle volk

  • Die Realschule ist ein guter und qualifizierter Schulabschluss. Es ist unerträglich, dass oft so getan wird, als sei nur das Abitur das Gelbe vom Ei. Ein Problem ist sicherlich, dass die Schulabschlüsse von unten abgewertet wurden. Das hat damit begonnen, dass Hauptschüler auf der Hauptschule die mittlere Reife erwerben können und setzt sich damit fort, dass in einigen Bundesländern die Real- und Hauptschulen fusioniert werden. Dabei wäre das Gegenteil richtig: Es muss eine starke Realschule für die Mitte geben und vor allem weniger Gymnasiasten, wie es in Bayern und BW der Fall ist. Diese Länder haben die geringsten Abiturientenquoten, doch bringen sie die stärksten Schüler hervor und sind als Bundesländer die leistungsfähigsten. Die Realschule muss das Maß aller Dinge sein und die Schule für die größere Masse.

  • Mir fleiß und ehrgeiz kann man es schaffen.
    Mein Weg

    Hauptschule (in Bayern)
    Ausbildung zum Elektroniker
    Techniker Schule

    Seit 10 Jahre Techniker und das mit 32





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