Wirtschaftsstudium zur Probe
Der MBA als Schnupperkurs

Was im Handel gang und gäbe ist, die Probepackungen, gibt auch bei der Bildung. Warum gleich den teuren MBA buchen? Grundkenntnisse bieten Schulen auch in Kursen à zwei Wochen. Das Reinschnuppern ist aber nicht billig.
  • 0

BonnIm Handel sind sie gang und gäbe – die Probepackungen. Die Parfümerie verteilt Parfum in Kleinflakons, die Tankstelle hat Schokolade in 40-Gramm-Tafeln im Regal. Sie sind kleiner als das Original und sollen Kunden ansprechen, die sich noch nicht auf den Kauf des Originals festlegen wollen. Dasselbe gibt es auch beim Managementstudium mit dem Abschluss Master of Business Administration (MBA): Eine Art Schnupperkurs für alle, die nicht wissen, ob sie sich gleich auf mindestens ein Jahr festlegen wollen. Die häufig als "Pre-MBA" bezeichneten Programme bieten Inhalte aus dem MBA im Kleinformat und sind oft in Portionen à zwei oder drei Wochen zu haben.

Der Pre-MBA ist für die Wirtschaftshochschulen ein Marktöffner. Die Schweizer Universität St. Gallen fährt die Appetithappen-Strategie, die amerikanischen Wirtschaftshochschulen senden mittels der Vorprogramme die Botschaft aus, dass "der MBA gar nicht so schwer" ist. Sie geben darin potenziellen MBA-Studenten das Rüstzeug, die als schwierig geltenden Aufnahmetests zu schaffen.

Eine Massenbewegung ist der Pre-MBA noch nicht. In Europa und den USA wird das Einsteigerformat von einer Handvoll Schulen angeboten, hinzu kommt ein arabisches Programm der Kuwait Maastricht Business School, das in dem Golfemirat durchgeführt wird. Doch die Schnupperkurse sind für die Business-Schools ein wichtiger Türöffner: Sie versuchen damit neue Studentengruppen anzusprechen, die sich noch nicht trauen, an einer Wirtschaftshochschule viel Geld zu lassen – oder bisher gar nicht zur Zielgruppe gehörten.

Prominenter Anbieter des Appetithappen-MBAs in Europa ist die Schweizer Universität St. Gallen (HSG). Der Blick ins Programm zeigt, dass hier in der Tat die Inhalte eines Einjahresstudiums auf Blöcke von wenigen Tagen eingedampft wurden: Themen wie Rechnungswesen, Kapitalmärkte, Weltwirtschaft, Marketing, Strategie, Personal und selbst Technologie und Unternehmertum gehören dazu. "Wir bieten eine kurze, intensive Erfahrung", beschreibt Oliver Matthews von der HSG das Credo des Angebots, das unter dem Programmnamen "Foundations of Management" vermarktet wird. In Summe dauert das Miniformat drei Wochen und kostet 10.000 Euro. Zum Vergleich: Der große MBA-Kurs dauert an der Ostschweizer Universität ein Jahr und kostet 52.000 Euro.

"Wir wollen den Teilnehmern nützliche Werkzeuge vermitteln, die sie direkt im Arbeitsalltag einsetzen können", umreißt Matthews das Versprechen des Kurses, der das nächste Mal im Juli angeboten wird. Mit dem Wissen könnten Entscheidungen schneller gefällt und manches Problem im Geschäft ohne Bauchschmerzen angegangen werden. Ideale Zielgruppe seien Berufstätige, die weniger als zwei Jahre Erfahrung haben.

Kommentare zu " Wirtschaftsstudium zur Probe: Der MBA als Schnupperkurs"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%