Zum 1. Mai
Warum uns Arbeit glücklich macht

Nicht alle Menschen freuen sich auf Feiertage und Wochenenden. Manche bekommen sonntags den Blues. Denn Arbeit erfüllt uns, wir identifizieren uns darüber. Doch das heißt nicht, dass wir mehr arbeiten müssen.
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DüsseldorfEndlich Feiertag? Endlich Wochenende? Von wegen. Besonders an Sonntagen macht sich unter deutschen Akademikern der Blues breit. Sie sind an diesen Tagen laut einer Untersuchung unglücklicher als unter der Woche – weil ihnen die Arbeit fehlt.

Studien und Experten sind sich einig: Arbeit macht glücklich, weil sie Erfüllung und Identität liefert. Besonders bei Akademikern. Sollten wir also mehr arbeiten?

Im vergangenen Jahrhundert ist die Zahl der Arbeitsstunden drastisch gesunken. Bisher hatten Hochschulabsolventen in ihrem Job mehr Freizeit als Abiturienten. Noch 2005 arbeiteten Gebildete acht Stunden in der Woche weniger als geringer Qualifizierte. Doch dieses Verhalten ändert sich langsam.

Eine amerikanische Studie zeigt, dass die Hochschulabsolventen immer mehr arbeiten. Demnach bleiben männliche Graduierte inzwischen durchschnittlich länger im Büro, während die Arbeitsstunden von Menschen ohne Schulabschluss zurückgegangen sind.

Im Gegensatz zu der weitverbreiteten Meinung bedeutet diese Entwicklung nicht automatisch mehr Stress. Das belegt eine Studie der Universität Stanford. Dort haben die Wissenschaftler die Stresswerte von Führungskräften untersucht. Das Ergebnis: Ausgerechnet die CEOs, die 60 bis 70 Stunden die Wochen schuften, wiesen den geringsten Wert des Stresshormons Cortisol auf. Auch bei Selbstständigen, die im Durchschnitt mehr Arbeit haben und weniger Urlaub machen, sind psychische Erkrankungen seltener.

Mehr Arbeit bedeutet demnach auch nicht weniger Zufriedenheit, das zeigt nicht nur die Untersuchung über den Sonntagsblues. Akademiker sind zwar am Wochenende unglücklicher als unter der Woche, aber im Gegensatz zu geringer qualifizierten Menschen sind sie insgesamt zufriedener.

„Arbeit ist identitätsstiftend“, sagt der Arbeitspsychologe Tim Hagemann. Der Professor der Fachhochschule der Diakonie in Bielefeld erklärt das an einem einfachen Beispiel: Früher habe man sich die Frage gestellt; welche Religion jemand hatte, ob er also katholisch oder evangelisch ist. Heute hingegen wird man beim Kennenlernen auf einer Party gefragt, was man denn beruflich macht.

Anders als in vorindustriellen Zeiten sind die Übergänge zwischen den Berufen dabei fließender. Nicht jeder Bäckerssohn wird ebenfalls Bäcker, nicht jeder Spross eine Bankiersdynastie bleibt in der Finanzbranche. Wie groß die Auswahl bei der Suche eines Berufs ist, entscheidet am Ende der Schulabschluss. Und je besser bezahlt oder gut angesehen ein Job ist, desto zufriedener ist der Arbeitnehmer.

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