Alexander Boldyreff, Vorstandschef Teambank/Easycredit „Lust auf Entdeckungen“

Mit einem persönlichen Internetscout macht sich Alexander Boldyreff fit für die Ära, in der Siri & Co. das Kommando übernehmen.
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Easycredit: Alexander Boldyreff hat Lust auf Entdeckungen Quelle: Alex Kraus für Handelsblatt
Alexander Boldyreff

Der Vorstandsvorsitzender der Teambank/Easycredit traf am Maria-Ward-Gymnasium in Bamberg Schülerinnen aus dem Wirtschaft- und Rechtkurs der 11. Klasse.

Wie macht sich die Digitalisierung bei Ihnen bemerkbar?

Auch ich habe Neues zu lernen. Und nutze dazu gerne einen Internetscout aus den Reihen unserer Azubis, der mir jede Woche für eine halbe Stunde zeigt, was mit Smartphone und Social Media so alles möglich ist. Durch Digitalisierung, Internet und Social Media haben wir als Bank andere Kommunikationswege hinzugewonnen. Wir betreuen unsere Kunden on- und offline. Erstaunlicherweise sind die online betreuten Kunden die zufriedeneren. Die Chatfunktion wird zum Beispiel super gerne genutzt.

Die wahren Gamechanger für alle Unternehmen stehen aber aktuell in den Startlöchern: Alexa, Siri & Co. Schon bei Google und den ganzen Vergleichsportalen war es enorm wichtig, mit seinem Produkt ins Relevant Set zu kommen. Künftig fragt der Kunde aber nur noch: „Siri, was ist das beste Papiertaschentuch der Welt?“ Und Siri wird eine einzige Antwort geben. Keine Tabelle. Als Unternehmen ist es künftig eine der spannendsten Fragen überhaupt, wie man es schafft, dass Siri dann das eigene Produkt nennt und nicht das der Konkurrenz. Da brechen fordernde Zeiten an – für Unternehmen wie auch für die Kunden. Denn die werden ausreichend Bewertungskompetenz brauchen, um Siri & Co. nicht alles zu glauben.

Früher konnte man mit einer Bankausbildung nichts verkehrt machen. Ist das heute auch noch so?

Keiner weiß, wie sich die Bank von morgen darstellen wird. WeChat, das chinesische Pendant zu WhatsApp, bietet zum Beispiel jetzt Girokonten an. Über Facebook lässt sich Geld an Freunde überweisen. Die Bank selbst verliert damit an Bedeutung – aber die Dienstleistungen dahinter nicht. Jeder möchte nach wie vor ein Gehaltskonto führen, von dem sich die Miete überweisen lässt. Jeder braucht Bargeld und Karten. Oder Kredite. Das findet dann nur eben woanders statt. Da der Erste zu sein, der gute Lösungen entwickelt, finde ich eine total spannende Herausforderung. Darum glaube ich, dass eine Bankausbildung extrem zukunftsfähig ist, obwohl – oder gerade weil – sie mit dem klassischen Bankkaufmann nicht mehr viel zu tun hat. Außer dem Namen. Hinter der Ausbildung und dem Berufsbild steckt heutzutage etwas ganz anderes als früher.

Was raten Sie uns, wie wir unsere berufliche Laufbahn angehen sollen?

Früher hat man viel von den Erfahrungen der Eltern und Lehrer für die eigene Zukunft lernen können. Alles gehorchte einem Plan, und das hat Deutschland extrem weit nach vorne und zu Wohlstand gebracht. Diese alten Regeln gelten heutzutage nicht mehr, die Welt verändert sich zu schnell. Bildhaft beschrieben erwartet uns alle ein großer dunkler Raum mit Namen „Zukunft“, für den es noch keinen Plan gibt. Genau das sollten wir als Chance sehen! Deshalb mein Rat: Geht einfach mutig hinein und habt Lust darauf, die Dinge zu entdecken. Kalkuliert ein, dass ihr euch mal stoßen werdet. Dann steht einfach auf und versucht es nochmal. So habe ich es auch gemacht. Das Konzept für euer Leben entsteht durchs Tun und nicht durch langes Planen und Hoffen.

Als Chef einer Kreditbank sitzen Sie im Kuratorium der Stiftung „Deutschland im Plus“. Das klingt kurios. Was steckt dahinter?

Die Stiftung kümmert sich seit zehn Jahren um die finanzielle Bildung von Jugendlichen. Um die ist es nicht so gut bestellt. Ihr seid eine Generation, in der es daheim alles gibt und die alles hat. Vielen fehlt daher das Gefühl für den Wert des Geldes. Und was das Leben eigentlich kostet. Der Gedanke „Ich muss mich jetzt mal eine Weile beim Kaufen zurückhalten, bevor ich mir wieder etwas leisten kann.“ ist bei euch nicht sehr ausgeprägt. Viele reizen den Dispo bis zum Anschlag aus. Ich bin immer erschrocken, wenn Jugendliche nicht wissen, was sie jeden Monat für ihr Handy oder für Klamotten ausgeben. Wer das nicht im Auge hat, verschuldet sich allzu leicht. Und schnell wird daraus ein schlechter Schufa-Eintrag. Der Killer für jeden Mietvertrag. Mit der Stiftungs-App „Mein Budget – Ausgaben im Griff“ könnt ihr eine Art Haushaltsbuch führen. Mein Rat: Geht sorgsam mit euren Ausgaben um. Wenn ihr immer weniger ausgebt, als ihr einnehmt, macht ihr nichts falsch. Und ihr habt mehr Freiräume für eure Zukunftsplanung.

Lust mitzumachen und einen Chef zu gewinnen? Hier geht es zu den Teilnahmebedingungen.

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