Frank Mastiaux, Vorstandschef EnBW „Menschen für Veränderungen gewinnen“

Der Energiekonzern hat einen Innovationscampus für Digital-Ideen eingerichtet, um den Gründergeist seiner Mitarbeiter zu fördern.
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EnBW-Vorstandschef Frank Mastiaux setzt auf Digitalisierung Quelle: Jürgen Altmann für Handelsblatt
Frank Mastiaux

Der Vorstandschef des Energiekonzerns EnBW Energie Baden-Württemberg AG traf am Mädchengymnasium St. Agnes in Stuttgart Schülerinnen aus dem Wirtschaftskurs der 11. Klasse.

(Foto: Jürgen Altmann für Handelsblatt)

Wie wirkt sich die Digitalisierung auf Ihre Branche und die EnBW aus?

Große Unternehmen lernen von dem, was die kleineren Start-Ups in Sachen Digitalisierung schon bei sich etabliert haben. Aber die Unternehmen ziehen jetzt nach. Wir haben aktuell über 160 Initiativen im Haus, die sich damit befassen, die Digitalisierung in unseren Arbeitsalltag zu integrieren. Das reicht von digitalen Produkten wie etwa unsere EnBW Mobility+ App oder Solar+, einer intelligenten Verknüpfung von Solaranlage und Speicher, über Arbeitsmittel, die wir zur Verfügung stellen, bis hin zu Prozessen, die von manuell auf digital umgestellt werden. Ich denke, die Digitalisierung wird vor allem unsere Art zu arbeiten verändern. Ein Beispiel: Fuhren unsere Monteure früher mit Stadtkarte und einem dicken technischen Handbuch zu einer Schaltanlage, lotst sie heute ein Navi, und die Betriebsanleitung bekommen sie demnächst über eine Datenbrille eingespielt, so dass sie die Hände zum Arbeiten frei haben. Geblättert wird per Augenzwinkern. Die größte Herausforderung wird sein, Menschen, die schon lange im Beruf stehen, für solche Veränderungen im Arbeitsablauf zu gewinnen. Zudem müssen wir ein Auge auf unseren Informationsfluss haben: Je mehr wir auf die Interaktion zwischen Mensch und Maschine setzen, desto weniger Interaktion gibt es zwischen Menschen. Man wundert sich, wie viel Gutes entsteht, wenn Menschen miteinander reden.

Hat Sie der Beschluss zum Kernenergieausstieg als Folge von Fukushima geschockt?

Zu der Zeit, 2011, war ich in einem anderen Unternehmen zuständig für den Aufbau Erneuerbarer Energien. Da habe ich in dem Thema entsprechend meiner Aufgabe erstmal die Chancen gesehen, mal ganz unabhängig davon, ob ich den Beschluss richtig oder falsch finde. Mit dem Wechsel zu EnBW hat das Thema natürlich eine andere Relevanz für mich bekommen. Innerhalb kürzester Zeit mussten wir Alternativen für ein Geschäft entwickeln, das mit 61 Prozent den Großteil unseres Kraftwerksgeschäfts ausmachte. Und das Kraftwerksgeschäft ist nichts, was sich über Nacht umkrempeln lässt. Zum Glück hatten wir ein hervorragendes Team und den notwendigen Gestaltungsspielraum, um früh eine Strategie für den Umbau hin zu Erneuerbaren Energien zu erarbeiten, die wir seither konsequent umsetzen. In solchen Zeiten muss man als Chef seinen Mitarbeitern einen klaren Weg vermitteln können. Nach dem Motto: Die Ausgangslage ist nicht so toll, aber hier ist ein Plan, wir bekommen das hin.

Wie wichtig sind Noten bei der Personalauswahl?

Gute Noten schaden erst mal nicht – ein Unternehmen schließt von den Zensuren zu einem guten Teil auf die Persönlichkeit: Man vermutet bei guten Noten Disziplin, Eigenständigkeit, jemanden, der sich um sich kümmert. Aber gute Noten allein sind kein Garant für Erfolg. Mit Wissen alleine kommen Sie heute nicht weit. Wer nicht bereit ist, sein Wissen auch zu teilen und im Team zu arbeiten, wird es schwer haben.

Können Sie uns empfehlen, nach der Schule ein Unternehmen zu gründen – auch auf die Gefahr hin, damit zu scheitern?

Wer in Deutschland als Unternehmer scheitert, bekommt tatsächlich tendenziell erst mal ein Stigma verpasst. Ganz anders in den USA: Dort stellt man erfolglose Gründer gerne ein, weil sie normalerweise den gleichen Fehler nicht nochmal machen. Da brauchen wir kulturell mehr Gelassenheit. Und auch sonst machte man es Unternehmensgründern hierzulande bis dato nicht leicht. Viel Papierkram, wenig private finanzielle Förderung. Aber glücklicherweise ändert sich das alles gerade. In den letzten Jahren sind weltweit Firmen entstanden, die um ein Vielfaches größer sind als die traditionellen Industrien. Von Facebook und Google bis Alibaba und Tencent. Mit „Weiter so wie bisher“ können wir auf diesem Gebiet keinen Blumentopf gewinnen. Deshalb findet ein Umdenken statt. Für EnBW haben wir zum Beispiel bereits vor vier Jahren einen Innovationscampus geschaffen, wo wir gezielt Innovationen und junge Unternehmen fördern. Vor diesem Hintergrund ist es eine berechtigte Frage, ob Gründen nicht eine echte Alternative nach dem Abitur oder dem Studium ist.

Lust mitzumachen und einen Chef zu gewinnen? Hier geht es zu den Teilnahmebedingungen.

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