Jürgen Hermann, Vorstandschef QSC „Führung ist der Verlust der Sorglosigkeit“

Von Rechenzentren bis Internet der Dinge: Jürgen Hermann vom IT-Dienstleister QSC sieht Chancen, aber auch Risiken der Transformation.
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QSC: Jürgen Hermann sieht Chancen und Risiken in Digitalisierung Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Jürgen Hermann

Der Vorstandschef des IT-Dienstleisters QSC (vorne links) besuchte das Stadtgymnasium in Köln-Porz. Er stellte sich den Fragen der Abiturienten aus dem Leistungskurs Sozialwissenschaften.

(Foto: Frank Beer für Handelsblatt)

Wie wird, Ihrer Meinung nach, die Digitalisierung unsere Arbeitswelt verändern?

Ein spannendes Thema, über das ich letztens noch mit meinem Sohn diskutiert habe. Ich denke, bei Digitalisierung geht es um weit mehr, als dass der Kühlschrank die Milch bestellt, dass ein Auto autonom fährt oder dass wir alle Instagram nutzen. Digitale Technologien werden die Art, wie wir leben und arbeiten, komplett umkrempeln. In 20, 30 Jahren wird es vielleicht Arbeitswelten geben, in denen man sich nur noch virtuell für ein Projekt zusammenschließt. Projekte werden dann nicht mehr von einem Unternehmen gemacht, sondern von dieser virtuellen Ansammlung von Personen.

Die große Gefahr, die ich sehe, ist, dass vielleicht 15, 20 Prozent der Erwerbstätigen für solche Aufgaben qualifiziert sind. Bei weiteren zehn, 15 Prozent geht es um Aufgaben, die nicht von Robotern und Computern übernommen werden können – Friseure, Gärtner, Zahnärzte. Vieles dazwischen steht dann zur Disposition. Das ist die Herausforderung, in der wir uns bewegen. Deshalb rate ich euch: Bleibt an diesen Themen dran, seid offen, übernehmt Verantwortung, arbeitet eigeninitiativ. Das wird ganz entscheidend für euer Berufsleben sein. Klingt vielleicht bedrohlich, aber ich bin überzeugt, die Digitalisierung bietet mehr Chancen als Risiken. Es verändert sich ja nicht von Null auf 100, man wächst da rein.

Sie waren lange bei der Bundeswehr. Sind Offiziere die besseren Führungskräfte?

Das würde ich so pauschal nicht sagen. Aber was ich dort gelernt habe, ist das Führen von Menschen, die älter und erfahrener sind als ich. Wie nehmen Sie die mit? Wie bringen Sie die dazu, dass sie Ihnen aus freien Stücken folgen und all ihre Erfahrung einbringen? Das ist etwas ganz anderes, als junge, unerfahrene Menschen zu lenken. Bei der Bundeswehr gibt es ein paar Managementtrainings, die darauf sehr gut vorbereiten. Diese Fähigkeit ist natürlich in jeder Führungsposition sehr hilfreich. Als Chef muss ich es verstehen, Vielfalt von Menschen zu schaffen und zu nutzen. Wenn ich jedem genau vorschreiben wollte, wie er oder sie arbeiten soll, wäre das schön dumm. Denn als Vorstand bin ich nicht in allen Themen drin, da brauche ich das Detailwissen der Menschen vor Ort. Deshalb bin ich, glaube ich, ein sehr kooperativer und teamorientierter, aber auch fordernder Chef.

Ist Führen auch mal eine Belastung?

Für mich grundsätzlich nicht – sonst würde ich den Job auch nicht machen. Aber es belastet mich natürlich, wenn ich unangenehme Entscheidungen zu treffen habe. Aber wenn man Verantwortung in einem Unternehmen übernimmt, gehören auch die dazu. Wer seine Aufgabe als Führungskraft ernst nimmt, beschäftigt sich permanent damit. Da legt man nicht um halb fünf den Griffel hin und schaltet ab. Es gibt eine sehr schöne und treffende Definition von Führung: der Verlust der Sorglosigkeit.

Im Internet gibt man viele Daten über sich preis. Für wie problematisch halten Sie das?

Daten sind die neue Währung, keine Frage. Aber ich bin noch nicht so weit, das als Bedrohung zu sehen. Ich denke, es ist ein Prozess, der dann gefährlich werden kann, wenn gewisse Grenzen überschritten werden. Wenn es zum Beispiel um Bewegungsprofile geht. Wenn man beeinflusst wird, ohne zu wissen, dass das geschieht. Dann wäre es Zeit, etwas dagegen zu tun. Im Übrigen hat es jeder ein Stück weit selbst in der Hand, wie viel er online preisgibt. Keiner muss Facebook nutzen. Wer Whatsapp nicht mag, kann alternativ das verschlüsselte Threema nutzen. Man hat immer eine Wahl im Leben. Wer sagt, er hätte keine Wahl, ist nur nicht bereit, die Konsequenzen zu tragen. Insgesamt habe ich aber den Eindruck, dass das Daten-Thema die jüngere Generation weniger stark umtreibt als die Älteren. Die Jugend betrachtet das nicht mit so großer Sorge.

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