Anton Kathrein Großunternehmer und Funker mit Herz

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Kathrein reise 450.000 Kilometer im Jahr

Anton Kathreins besonderer Stil durchdrang alles. Kathrein war ein hartnäckiger Tatmensch, mehr Marketing-Genie als Techniker, und er war überall - jederzeit. "Es ist kein Geheimnis, es ging für ihn um die Menschen, er hatte Kontakte überall und tanzte auf allen Hochzeiten", meint sein Sohn und Nachfolger als geschäftsführender, persönlich haftender Gesellschafter der Firma, der 28-jährige Anton Kathrein junior.Der für seine Lebensfreude bekannte Kathrein senior reiste dokumentierte 350 000 Kilometer im Jahr zu Luft und dazu weitere 100 000 zu Land. Er war Pionier in so unwahrscheinlichen Märkten wie Südafrika und Kuba, lange bevor das streng kommunistisch geführte Land begann, sich für andere Unternehmen zu öffnen.

Er erreichte beinahe 100 Prozent Marktanteil bei Basisstationen für GSM-Technik, während so mancher noch bezweifelte, dass sich GSM lange halten würde (wir nutzen die Technik immer noch). Und er schuf ein so agiles Unternehmen, dass 50 Prozent der Einnahmen von Produkten stammen, die nicht älter als zwei Jahre sind.

"Er war ein Bilderbuch-Unternehmer, ein Familienunternehmer in Reinformat", sagt Stefan Heidbreder, Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen.

Kathrein war zwar häufig im Ausland, aber dennoch eine imposante Erscheinung in Rosenheim, wo er nur als Toni bekannt war. Mit gleich hohem Einsatz zu Hause wie im internationalen Geschäft wurde Kathrein dritter Bürgermeister von Rosenheim, zuständig für Wirtschaft und die Fachhochschule. Er hatte eine Professur an der Hochschule Rosenheim inne, wo seine Vorlesungen - "meist über seine jeweils neuesten Erfahrungen im Geschäft", sagt ein Sprecher des Unternehmens - jahrelang für einen vollen Hörsaal sorgten. Manche bezeichneten den bodenständigen Weltreisenden als den heimlichen König von Rosenheim.

Kathrein war stets sehr darauf bedacht, zur jährlichen Unternehmensfeier zu Hause zu sein, bei der Angestellte mit zehn, 25 oder 40 Dienstjahren geehrt wurden. Die Bindung der Mitarbeiter war in den Kathrein-Werken schon ein wichtiges Thema, bevor sich der heutige Facharbeitermangel abzeichnete. (Kathrein beschäftigt in Rosenheim 1 800 Personen, weitere 1 800 innerhalb Deutschlands, 3 200 im Ausland.)

Trotz seines überbordenden beruflichen Terminkalenders - manche meinen, er hätte überhaupt nie geschlafen - war Anton Kathrein überraschend viel mit öffentlichen und staatsbürgerlichen Angelegenheiten in Rosenheim und Bayern sowie mit bundesweiter Geschäftstätigkeit in Deutschland beschäftigt. Er hatte zahllose Positionen inne, war etwa Vizepräsident des Zentralverbands der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) und Vorsitzender der ZVEI-Landestelle Bayern.

Kathrein war bekannt für seine Lebenslust. Er sammelte Oldtimer-Autos, unterstützte den Rallye-Sport und kaufte sogar ein Gourmet-Gasthaus im Zentrum von Rosenheim namens "Zur historischen Weinlände", das er vollständig renovierte. Heute werden dort Gourmet-Gerichte und erlesene Weine zusammen mit traditionell bayrischer Gemütlichkeit serviert, im Winter bereichert um einen warmen Kachelofen.

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