Anton Kathrein Großunternehmer und Funker mit Herz

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Nach Ärger mit den Banken gründete er eine eigene

Anton Kathreins steiler Aufstieg im Antennengeschäft begann ebenso, wie er endete - mit einem unerwarteten Tod. Im Jahr 1972, als Kathrein 21 Jahre alt war, verstarb sein eigener Vater, der ebenfalls Anton hieß, ganz plötzlich. Der junge Anton übernahm eine Firma mit einem Umsatz von 51 Millionen Mark, die sein Vater, selbst Ingenieur, aus der Erfindung eines einfachen Überspannungsableiters im Jahr 1919 aufgebaut hatte.

In den 1920er-Jahren und danach, als das Radio weltweit eingesetzt wurde, wagte der Firmengründer den Sprung in die Herstellung von Radioantennen. Später kamen Fernsehen und, der größte Brocken, die Mobilfunkrevolution hinzu, welche heute etwa 40 Prozent von Kathreins Geschäft ausmacht (hauptsächlich Basisstationen).

Im Laufe seiner ziemlich schillernden Unternehmerkarriere musste das Marketing-Genie nur einen großen Rückschlag hinnehmen: Er hatte, vielleicht aus sentimentalen Gründen, versucht, die Grundig AG zu retten, als es bereits zu spät war. Nach mehreren Jahren verzweifelter Versuche und Umstrukturierungsmaßnahmen ging die Firma schließlich pleite, und Anton Kathrein erklärte, das bräche ihm das Herz. Er und sein Sohn gaben den Banken die Schuld, die sie nicht unterstützen wollten.

Die Unterstützung der Banken ist bei Kathrein ein heikles Thema. 1974, nur zwei Jahre nachdem er plötzlich geschäftsführender Gesellschafter der Firma geworden war, stand Anton Kathrein am Abgrund. Angesichts der weltweiten Ölkrise verweigerten ihm seine Banken weitere Kredite. Nur durch energische Vertriebsmaßnahmen konnte Kathrein seine Firma über Wasser halten. Ab diesem Zeitpunkt vertraute er nie mehr fremden Banken und machte sich nicht mehr von ihnen abhängig. Das ging so weit, dass er seine eigene Bank gründete, die Erste Rosenheimer Privatbank AG. "Er hat immer gesagt: 'Uns gibt's noch, die Banker gibt's nicht mehr'", erinnert sich Anton junior.

"Wir haben keinen Shareholder Value", pflegte Kathrein senior zu sagen. Auch in einer globalisierten High-Tech-Firma wie Kathrein läuft im Grunde letztlich alles auf die persönliche Verantwortung des Eigentümers und den Einsatz seiner Mitarbeiter hinaus. Es gebe eine "unglaubliche Identifikation mit den Produkten" bei der Belegschaft, insbesondere unter den Produktentwicklern, sagt der neue Chef. "Das sind ihre Kinder."

In der dritten Generation ist nun der dritte Anton Kathrein an der Reihe. Doch wo man im Firmensitz in Rosenheim auch hingeht, man wird überall an die erstaunliche Karriere seines Vaters erinnert. Durch das Fenster ist der riesige rot-weiße Antennenmast auf dem 1 500 Meter hohen Wendelstein zu sehen, der mittels Helikopter montiert werden musste.

Im Erdgeschoss werden in speziellen Reinräumen von Arbeitern in antistatischer Kleidung winzige Teile zusammengesetzt, um jene Antennen und Funkelektronik entstehen zu lassen, die Anrufe über solche Antennenmasten laufen und bis zu 45 unterschiedliche Antennenteile neuer Automobile miteinander kommunizieren lassen.

Nichts davon gab es, als der jetzt verstorbene Firmenchef vor 40 Jahren antrat. Sein Vermächtnis lebt weiter, deutlich sichtbar in aller Welt.

Peter Ross Range Der renommierte US-Autor und Deutschland-Kenner reiste in diesem Jahr zu den Preisträgern.

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