Helga und Erivan Haub
Hand in Hand

Das Ehepaar Haub hat Unternehmen und Familie im besten Sinne erfolgreich gemeinsam geführt. Dafür ehrt sie das Handelsblatt mit der Aufnahme in die Hall of Fame der Familienunternehmen.
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DüsseldorfWer Erivan Haub verstehen will, muss seine Beziehung zu Amerika begreifen. Seine berufliche und seine persönliche Geschichte ist so eng mit den Vereinigten Staaten verbunden, dass man sich den soeben in Ruhestand getretenen ehemaligen Beiratsvorsitzenden und früheren alleinigen Geschäftsführer der Tengelmann-Gruppe ohne seine amerikanische Seite kaum vorstellen kann.

Hätte Haub als junger Mann nicht zweieinhalb Jahre lang in Amerika gelebt und Ausbildungen in der Lebensmittelbranche absolviert, hätte er wohl nie so mutig größere Konkurrenten gekauft, er hätte vielleicht nie den Schritt vom reinen Lebensmittelhandel zum Handel mit Bekleidung und Baumaterialien gewagt, er hätte vermutlich nicht 20 Firmen übernommen, sich nicht so nachdrücklich in den internationalen Markt gewagt und letztlich auch nicht seine Erträge in 31 Jahren alleiniger Führung der Gesellschaft um das Fünfzigfache gesteigert.

„In Amerika fühlte man sich sofort frei“, erinnert sich der 80-Jährige heute. „Die Freude am Gestalten und am Führen, die habe ich in Amerika gelernt und sofort auf Deutschland übertragen.“ Und er ergänzt mit einem Lächeln: „Ich habe Dinge in Amerika getan, die man normalerweise nicht hätte tun sollen.“ Genau diese Dinge tat er, als er nach Deutschland zurückkehrte. Der Kauf des Erzrivalen Kaiser's im Jahr 1971, einer im Vergleich zu Tengelmann bedeutend größeren Firma, ist das Paradebeispiel dafür. „Da war zweifellos der Amerikaner Erivan Haub am Werk“, sagt er.

Seit 60 Jahren ist Helga Haub seine Frau und engste Vertraute. Um sie zu verstehen, muss man wissen, wie knifflig die Frage der Nachfolge in einem Familienunternehmen ist. Diese anmutige Frau ist es, die die Familie Haub zusammenhält und die Spannungen zwischen den Generationen überbrückt.

Als Mutter von drei Söhnen war Helga sich zunächst ihrer Aufgabe nicht wirklich sicher. Schließlich hatte sie ein abgeschlossenes Wirtschaftsstudium. Und dann irgendwann dachte sie: „Eigentlich habe ich als Mutter das wichtigste Kapital zu verwalten - die Erziehung der Kinder. Dann hatte ich meinen Seelenfrieden.“ Helga Haubs Verantwortung für die Erziehung der nächsten Generation schloss ihre Bereitschaft mit ein, die Firma notfalls zu übernehmen und stabil zu erhalten, bis die Kinder erwachsen waren. Sie zog ihre drei Söhne in Wiesbaden groß, damit sie nicht in Mülheim an der Ruhr, wo der Tengelmann-Chef der erste Bürger der Stadt ist, „als Reichenkinder aufwuchsen“.

Doch sie besprach die Firmenereignisse des Tages jeden Abend am Telefon mit ihrem Mann. „Auch wenn er unterwegs war, haben wir wenigstens eine Stunde lang gesprochen“, sagt sie. „Er hat immer gesagt: ,Wenn mir etwas passiert, musst du in der Lage sein, die Firma für die nächste Generation zusammenzuhalten.'“

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