Hagenbeck
Carl der Große

Wer Hamburg besucht, kommt an Hagenbecks Tierpark nicht vorbei. Begründer Carl erfindet dort vor mehr als 100 Jahren den modernen Zoo. Als globaler Unternehmer formt er Geschäftsmodelle und agiert am Puls des Publikums.
  • 0

DüsseldorfDie Erfolgsgeschichte der Hagenbecks beginnt in einem Holzzuber. Damals ist der kleine Carl, ältester Sohn des Fischhändlers Gottfried Claes Carl Hagenbeck auf St. Pauli, vier Jahre alt. Elbfischer hatten seinem Vater sechs Seehunde gebracht. Dieser setzt die Tiere in einen Holzbottich und nimmt von Schaulustigen einen Schilling. Der geschäftstüchtige Vater bringt die Tiere gar nach Berlin, wo die Bewohner trotz Revolution - wir schreiben das Jahr 1848 - noch Zeit finden, die Seehunde zu bestaunen, und dafür bezahlen. Bald darauf verkauft Vater Hagenbeck die Seehunde und kann ein "Sümmchen" verbuchen. Für den Fischhändler wird klar: Mit exotischen Tieren lässt sich auch ein Geschäft machen. Er startet einen Import und Handel wilder Tiere, die er vor dem Verkauf auch ausstellt. Und Sohn Carl bekommt alles mit.

Der Junge wächst heran, nimmt Fische aus und schuppt sie, noch lieber aber hilft er beim Füttern und Verladen von Affen und Adlern, Löwen und Elefanten. In die Schule geht er nur, „wenn Zeit vorhanden“ ist, höchstens drei Monate im Jahr, schreibt er in seinen Erinnerungen von „Menschen und Tieren“, die 1908 erscheinen und ein Bestseller werden. Was er können muss, ist klar, sagt Vater Hagenbeck. „Reeken un schrieben“ und „Englisch und Franzeuch musst du ook noch leern.“

Mit elf macht er seine erste Geschäftsreise an der Seite seines Vaters, mit 15 verlässt er die Schule und widmet sich ganz dem Tierhandel, mit 18 ist er Juniorpartner. Mit 21 arbeitet er auf eigene Rechnung. Hier offenbart sich, was es brauchte, um aus dem Junior Carl Hagenbeck einen Unternehmer zu machen: „An Vertrauen zu mir, obwohl ich noch ein Knabe war, fehlte es meinem Vater nicht, und mir nicht an Feuereifer selbstständig zu arbeiten.“

Dieses Vertrauen, dass der Vater in ihn setzt, gibt Carl Hagenbeck zeit seines Lebens an seine Kinder und Mitarbeiter weiter. Mit seinem Gespür für Menschen und Tiere ersinnt er immer neue Publikumsattraktionen; erst die exotischen Tiere, dann die Völkerschauen, die Zirkusse mit der zahmen Dressur, die Weltausstellungen und als Krönung Hagenbecks Tierpark. Sie beweisen, dass Carl schon vor weit über hundert Jahren in der globalisierten Welt zu Hause war und es verstand, ein Unternehmerleben lang, aus Niederlagen Chancen und aus Ideen Geschäftsmodelle zu machen. Dafür wird er in die Hall of Fame der Familienunternehmen aufgenommen, die von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG unterstützt wird.

Kommentare zu " Hagenbeck: Carl der Große"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%