Hall of Fame der Familienunternehmer: „Der Ruhm hat einen Beipackzettel“

Hall of Fame der Familienunternehmer
„Der Ruhm hat einen Beipackzettel“

Welche Werte prägen ein Familienunternehmen? Das Handelsblatt ehrte gestern Abend in München diejenigen, die darauf eine besonders überzeugende Antwort gefunden haben.
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MünchenWas sollen Unternehmer an so einem Tag feiern? An einem Tag, an dem eine Rente, die es schon im zarten Alter von 63 Jahren geben soll, politisch beschlossen wird. An einem Tag, an dem – der Energiewende sei es geschuldet – die Energiepreise mal wieder nur eine Richtung kannten; nämlich nach oben. An so einem frostigen Tag bleibt Unternehmern nichts anderes übrig als sich selbst zu feiern.

Die Familienunternehmer haben das am Mittwoch Abend in München gemacht. Sie haben gefeiert, dass eine Jury, der Unternehmer wie Hubertine Underberg-Ruder, Martin Herrenknecht und KPMG-Vorstandschef Klaus Becker angehören, ein paar wenige Ausgewählte von ihnen in die „Hall of Fame“, in die ewige Ruhmeshalle der Familienunternehmen, aufgenommen hat.

Erich und Regine Sixt, die Doppelspitze eines Unternehmens, das inzwischen in mehr als 100 Ländern Autos verleiht, sind zwei Kandidaten, die an diesem Abend zu den Ausgewählten zählen. Sie bringen mit, was Familienunternehmer, wenn sie gut sind, mitbringen: Tradition, das heißt zumeist einen Betrieb, den sie von den Eltern oder den Großeltern übernommen haben. „Leistungsbereitschaft“, „Vertrauen“, „Innovationskraft“ wären Werte, die ihnen ihr Laudator bei der Preisverleihung, Handelsblatt-Chefredakteur Hans-Jürgen Jakobs sofort zubilligte. Erich Sixt  antwortet auf die Frage, was einen Unternehmer am meisten bewegt, wie aus der Pistole geschossen: „Profitmaximierung“. Er erntet dafür Beifall bei den 130 angereisten Familienunternehmern, der sich zu einem  Beifallssturm steigert, als Sixt mit Blick auf das Füllhorn politischer Wohltaten, das die Große Koalition gerade ausgießt, hinzufügt: „Sozial ist nicht, etwas zu verteilen, sondern dafür zu sorgen, dass es etwas zu verteilen gibt.“

Die Zuhörer sind elektrisiert. Hier spricht einer ohne Schnörkel aus, was sie denken. Zudem einer, der oben auf der Bühne mit seiner Frau steht, einer, der also Teil eines „Eheunternehmens“ ist, wie Laudator Jakobs sie nennt. Jetzt ergreift Regine Sixt das Wort. Sie ist die Außenministerin der Firma, sorgt für den geschmeidigen Auftritt, wandelt auf den roten Teppichen dieser Welt, während ihr Mann auf dem Teppich bleibt. Sie nimmt sich das Mikrofon und sagt diesen Satz: „Der Ruhm hat einen Beipackzettel, den man lesen sollte, damit er einem nicht zu Kopf steigt.“ Natürlich hätte sie die Bescheidenheit als Wert, den Unternehmer mitbringen sollen, auch als Wort in den Mund nehmen können, aber zugegeben: Ihr Satz klingt schöner.

Mit dem Duo von Sixt hat die Hall of Fame also offenbar würdige neue Mitglieder gefunden. Die beiden sind aber nicht die einzigen Neuaufnahmen des Abends: Peter-Alexander Wacker, Aufsichtsratsvorsitzender und zuvor Vorstandschef der 16.000 Mitarbeiter starken Wacker-Chemie, zählt ebenfalls zu denen, die die Jury gekürt hat. Er ist einer von denen, die bereits die Konsequenz daraus gezogen haben, dass die Energiepreise hierzulande wegen der Energiewende rund dreimal höher sind als in den USA. Wacker-Chemie eröffnet demnächst ein Werk in Tennessie, „das auch hier hätte stehen können“, wie Wacker beschreibt. Seine Worte sorgen für Nachdenklichkeit, für Anspannung, die sich löst, als Wacker von seinem Urgroßvater erzählt: „Der gründete das Unternahmen, als er 67 Jahre alt war.“ Ruhestand mit 63? Für Wacker ist das ein Gedanke, der nicht in seine Welt passt.

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Ein Unternehmer mit Stallgeruch

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