Peter-Alexander Wacker
Der Eroberer

Peter-Alexander Wacker wusste, dass er das Familienunternehmen nicht geschenkt bekommt, er musste es zurückerobern.Er lernte bei BMW, überzeugte die Gesellschafter und wagte den Schritt an die Börse.
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DüsseldorfEs gibt ein Leben außerhalb von Familienunternehmen. Peter-Alexander Wacker hatte eines, davon zeugt sein Büro in der Münchener Innenstadt. Edel gerahmte Skizzen historischer BMW-Modelle zieren das Besprechungszimmer, in dem der Unternehmer seine Gäste empfängt. 14 Jahre lang diente Wacker dem Autohersteller BMW, eine Zeit, die der Hausherr nicht missen möchte. Was ihn in dieser Zeit geprägt hat? 'Die intellektuelle Stärke Eberhard von Kuenheims.' Der strenge Preuße von Kuenheim war Mentor des aufstrebenden Planungschefs Wacker, als aus dem bayerischen Nischenhersteller Anfang der 90er-Jahre der Weltkonzern BMW wurde.

Heute ist Eberhard von Kuenheim eine Ikone der BMW-Geschichte und Wacker ein erfolgreicher Familienunternehmer. Der 62-Jährige hat die Branche gewechselt. Nicht mehr elegante Autos, sondern Spezialchemie sind das Metier des groß gewachsenen Oberbayern. Zwar sind die meisten Deutschen mit Polymeren und polykristallinem Silizium wenig vertraut. Auch mit Burghausen in der bayerischen Provinz verbindet man im Rest der Republik nichts.

Doch Kenner der deutschen Industrie wissen, dass dort eines der wichtigsten Chemieunternehmen sein Stammwerk hat. Ein Unternehmen, das weltweit 16.000 Menschen beschäftigt und 4,5 Milliarden Euro umsetzt. Das an der Börse notiert ist, in dem die Familie aber immer noch das Sagen hat. Und dass die Stärke des Unternehmens untrennbar mit Peter-Alexander Wacker verbunden ist. Dafür wird er in die Handelsblatt Hall of Fame der Familienunternehmen aufgenommen, die von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG unterstützt wird.

Es ist ein konsequenter Lebensweg, den der Urenkel des Familiengründers genommen hat. 'Als Familienmitglied kämpfen Sie immer gegen den Vorwurf, dass sie wegen Ihrer Herkunft einen Posten bekommen haben', sagt Wacker. Deshalb trat er nach seinem BWL-Studium erst bei BMW ein, um sich das Rüstzeug für die Führungsrolle im Familienclan zu erwerben. Denn die Wacker-Nachfahren lebten gut von ihrem Erbe, hatten aber lange nur noch begrenzten Einfluss auf das Unternehmen.

Das hat Peter-Alexander Wacker geändert. Mit einem einzigartigen Coup. Rückblick: Als Firmengründer Alexander Wacker vor 100 Jahren sein Unternehmen gründete, versorgte er die Industrie mit neuen, elektrochemisch erzeugten Grundstoffen. Die Militärs wollten vor allem das kriegswichtige Aceton. Rasch steigt das Start-up zu einem wichtigen Lieferanten von Bayer und Hoechst auf. 1921 sichert sich Hoechst die Hälfte des Unternehmens. In Burghausen entstehen die ersten synthetischen Fasern für die Textilindustrie, Dispersionen für Klebstoffe. Doch schon bald ist wieder das Militär der Topkunde. Wacker wird als Produzent von synthetischem Kautschuk Teil des IG-Farben Konglomerates und gerät nach 1945 unter die Kontrolle der Alliierten.

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