Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann: „Das Unternehmen ist mein Leben“

Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann
„Das Unternehmen ist mein Leben“

Die Schaeffler-Eigentümerin Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann über ein schwieriges Erbe, schlaflose Nächte und ihre Erfolgsrezepte. Mit dabei bei einem der seltenen Interviews ist auch Yorkshire-Terrier Amadeus.
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Von ihrem Büro am Eingang der Firmenzentrale hat Maria-Elisabeth Schaeffler einen prächtigen Blick auf das Städtchen Herzogenaurach. Vor fast sechs Jahren auf dem Höhepunkt der Krise zogen 8000 Menschen durch den Ort bis hier hin, um für die Matriarchin und ihr Unternehmen zu demonstrieren. Das ist inzwischen Geschichte. Maria-Elisabeth Schaeffler hat durchgehalten, die Übernahme des dreimal größeren Unternehmens Continental zahlt sich inzwischen auch rechnerisch aus.

Frau Schaeffler-Thumann, war die Demonstration hier unter Ihrem Bürofenster der bewegendste Moment in Ihrem Unternehmerleben?
Das war sicherlich einer der bewegendsten. Aber es gab noch so einen Moment.

Welcher war das?
Ich war einmal mit meinem Sohn auf einer Autobahnraststätte zwischen von Frankfurt nach Nürnberg. Dort habe ich mir eine Salami-Semmel gekauft. Als wir vor die Tür gehen, stehen unerwartet 30 Schaeffler-Auszubildende, die von einer Gesangsveranstaltung kamen. Sie begrüßten uns mit Riesen-Hallo und haben uns ein Ständchen gesungen. Alle trugen ein deutlich sichtbares Button „Auch wir sind Schaeffler“.

Noch einmal brauchen Sie die Aufregung aber sicher nicht?
Nein, bestimmt nicht. Aber mit harter Arbeit konnten wir das Blatt wenden. Ich bin dankbar.

Würden Sie den Schritt von damals noch mal gehen, das Risiko noch einmal eingehen?
Man muss generell nach vorne schauen. Damit sind immer Risiken verbunden. Und es gab eine industrielle Logik für diesen Schritt, die heute mehr denn je von Bedeutung ist. Ich glaube nur, dass die Welt insgesamt durch die Lehman-Katastrophe gelernt hat und manches nicht mehr in der Form passieren würde. Ich glaube auch, dass wir heute einen anderen Ruf haben als damals, nämlich mehr Anerkennung. Damals kannte man uns zu wenig und viele haben gedacht: Sie sind ein wenig größenwahnsinnig geworden. Aber heute haben wir über 80.000 Mitarbeiter und sind einer der wichtigsten Zulieferer weltweit. Wir sind in einer aufregenden Zeit bei Themen wie Elektroauto und Hybrid vorne mit dabei.

Waren Sie immer überzeugt davon, dass es gut ausgeht oder hatten auch Sie Angst um die Existenz des Unternehmens, um Ihr Lebenswerk?
Blauäugig bin ich nicht und natürlich war die Angst da. Es waren schlaflose Nächte dabei. Abgesehen davon sind die Medien ja teils auch sehr hart mit uns umgegangen.

Das lag vielleicht auch daran, dass das Unternehmen sehr verschlossen war?
Das ist richtig. Das war aber auch das Credo meines verstorbenen Ehemannes: Ja nicht in die Öffentlichkeit! Die Kunden, die mit uns zusammenarbeiten, die kannten uns und wussten um die Qualität des Unternehmens. Aber nur nicht in den Medien erscheinen. Die Zeiten haben sich geändert, es sollte ein faires Miteinander von Medien und Unternehmen sein, wobei meine Betonung auf „fair“ liegt.

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