Nicola Leibinger-Kammueller
Die Licht-Gestalt

Vorreiter für den Mittelstand

Aber vielleicht noch wichtiger: Trumpf ist in ihrer Ära Vorreiter bei vielen Themen geworden, die über die Zukunft des Mittelstands entscheiden. „An unseren flexiblen Arbeitszeitmodellen konnte man als erstes meine Handschrift erkennen. So etwas hätte mein Vater nicht gemacht“, sagt die Unternehmenschefin im Rückblick. Mit Arbeitszeitkonten mit plus/minus 300 Stunden und flexiblen Anpassungen an unterschiedliche Lebensphasen, etwa zur Kindererziehung oder Pflege Angehöriger, hat sie Standards gesetzt.

Auch beim aktuellen Thema Flüchtlinge sorgt die überzeugte Protestantin dafür, dass Trumpf vorne ist. „Für mich ist das eine Frage der Humanität“, sagt sie. Das Unternehmen baut gerade auf dem Gelände Räume für Deutschkurse um. Die Firmenchefin hat eine große Hilfsinitiative unter den Beschäftigten ins Leben gerufen. „Wir sind bereit, wenn die 500 bis 800 Flüchtlinge nach Ditzingen kommen“, sagt sie. „Rasch bilden und schnell arbeiten lassen“, sei das Wichtigste. „Vielleicht auch zu Löhnen die Frau Nahles nicht passen.“
Sie auf die weichen Themen zu reduzieren, wäre aber ein Trugschluss, auch wenn ihr Führungsstil der einer Mutter ist – mit Witz, Temperament und wenn nötig strengen Blicken. Niemand muss lange rätseln, was sie denkt.

Technologisch setzt das Unternehmen traditionell die Trends vor allem in der Lasertechnik. Für den gemeinsam mit Bosch und der Universität Jena entwickelten Ultrakurzpulslaser, mit dem die feinsten Löcher für Einspritzdüsen von Autos gebohrt oder brillante Kanten an den Touchscreens von Smartphones geschliffen werden können, bekam der Weltmarktführer in der Lasertechnologie 2013 den Deutschen Zukunftspreis vom Bundespräsidenten.

So etwas war man von Trumpf schon immer gewohnt. Aber unter der Leitung der Unternehmerin ist der Konzern deutlich offensiver geworden, geht höhere Risiken ein und verändert sich seit zwei Jahren schneller als je zuvor. Als erster Maschinenbauer hat Trumpf im Herbst 2013 einen chinesischen Konkurrenten übernommen, im Frühjahr 2014 eine eigene Bank aufgebaut und kürzlich ein Softwarehaus gegründet. Das letztere geschah, um sich für die vernetzte Industrie 4.0 zu wappnen. „Da kommt eine gewaltige Verdichtung der Prozesse auf uns und unsere Kunden zu“, sagt die Trumpf-Chefin und spart auch nicht die unangenehmen Themen aus. „Es werden Arbeitsplätze wegfallen.“

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