Manfred Fuchs: Der Unternehmens-Bildhauer

Manfred Fuchs
Der Unternehmens-Bildhauer

Manfred Fuchs formte aus einem kleinen Schmierstoffhersteller einen Weltkonzern. Sein Sohn und Nachfolger machte daraus eine Ertragsperle im M-Dax.
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MannheimBildhauer wäre er gerne geworden, damals, als Pennäler in den 50er-Jahren. An Talent und Eifer hätte es nicht gemangelt. Noch heute denkt Manfred Fuchs gerne an seine Übungsstunden in der Mannheimer Kunstakademie zurück. „Aber dann meinte mein Vater: ‚Bub, du musst was Rechtes machen“, erinnert sich Fuchs. „Daraus wurde dann das BWL-Studium.“

Sein Faible für die Kunst hat Manfred Fuchs dabei nie verloren. Ein Leben lang bleibt er Hobbymaler, wird später auch zum Sammler. Doch mit dem Machtwort des Vaters ist vorgezeichnet, dass seine Kreativität nicht in der Bildhauerei gefragt sein würde, sondern im Unternehmertum – und dies viel schneller als erwartet. Denn schon 1959 – Manfred Fuchs hatte gerade erst das zweite Semester abgeschlossen – stirbt sein Vater mit nicht einmal 50 Jahren und hinterlässt eine kleine mittelständische Schmierstoff-Firma. Parallel zu seinem Studium muss sich Manfred ins väterliche Unternehmen einfuchsen. Vier Jahre später, nach dem Abschluss als Diplomkaufmann übernimmt er die Geschäftsführung und steht fortan für mehr als vier Jahrzehnte an der Spitze des Mannheimer Unternehmens.

Statt Holz- oder Steinblöcke modelliert er Produktions- und Unternehmensstrukturen – und formt aus dem unscheinbaren Kleinunternehmen nach und nach einen weltweit tätigen Schmierstoffkonzern. Mitte der 80er-Jahre bringt er das elterliche Unternehmen an die Börse und schafft damit die finanzielle Basis für mehr als drei Dutzend Übernahmen in aller Welt, darunter größere Brocken wie die französische Labo oder die britischen Schmierstoff-Firmen Silkolene und Century Oils. 2002 überschreitet der Umsatz erstmals die Milliardengrenze, 2015 die Schwelle von zwei Milliarden Euro. Heute ist Fuchs Petrolub mit gut zwei Milliarden Euro Umsatz und knapp 5.000 Beschäftigten der mit Abstand größte von Ölkonzernen unabhängige Schmierstoffhersteller der Welt. Rund 54 Prozent der stimmberechtigten Aktien, etwas mehr als ein Viertel des Gesamtkapitals, sind weiter im Besitz der Gründerfamilie, die damit den Mannheimer Konzern unverändert kontrolliert.

Für die Hall of Fame der Familienunternehmen indessen qualifiziert sich Manfred Fuchs nicht nur mit seinen Künsten als Konzernbauer. Es gelingt ihm auch, sein Werk auf ebenso erfolgreiche wie reibungslose Weise an die nächste Generation weiterzugeben. Ende der 90er-Jahre holt Manfred Fuchs seinen Sohn Stefan in den Vorstand, 2004 übergibt er ihm den Vorstandsvorsitz. Der damals 36-Jährige erweist sich als Glücksfall für das Unternehmen, die Familie wie auch für die externen Aktionäre. Streitereien erscheinen fast undenkbar.

Viel mag dazu die Ähnlichkeit der Charaktere beigetragen haben. Es vereine sie eine Neigung zu Gründlichkeit und Ehrlichkeit, sagte Manfred Fuchs einmal. Ebenso wie sein Vater hat auch Stefan Fuchs Betriebswirtschaft in Mannheim studiert. Weder der Senior noch der Junior halten viel vom großspurigen Auftritt. Bescheidenheit ist angesagt im Hause Fuchs.

In Strategie und Geschäftspolitik ging der Junior dabei durchaus neue Wege. Stefan Fuchs trieb als CEO die Globalisierung weiter voran, schaltet dabei aber um auf organisches Wachstum, integriert die vielen Zukäufe, strafft die Strukturen – und hat auf diese Weise die operativen Qualitäten des Schmierstoff-Konzerns erst zu voller Blüte gebracht. Der Umsatz hat sich seither verdoppelt, während sich der Gewinn auf zuletzt 236 Millionen Euro versechsfachte.

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