Alexandra Schörghuber Über Nacht zur Firmen-Chefin

Nur wenige Stunden nach dem Tod ihres Mannes vor zehn Jahren versprach sie den Mitarbeitern Kontinuität. Das Versprechen hat sie gehalten, die neue Aufgabe angenommen und dabei die Firmengruppe stetig weiterentwickelt.
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Alexandra Schörghuber, stellvertretende Vorsitzende des Vorstandes der Schörghuber Unternehmensgruppe. Quelle: Thomas Einberger für Handelsblatt
Alexandra Schörghuber

Alexandra Schörghuber, stellvertretende Vorsitzende des Vorstandes der Schörghuber Unternehmensgruppe.

(Foto: Thomas Einberger für Handelsblatt)

MünchenEs ist ein Ritual, das sich jeden zweiten Samstagnachmittag kurz vor halb vier wiederholt: Alexandra Schörghuber nimmt auf der Tribüne in der Münchener Fußball-Arena Platz, richtet ihre Augen auf den grünen Rasen und drückt dem FC Bayern die Daumen. So gut wie jedes Heimspiel des Rekordmeisters verfolgt die Frau mit dem schulterlangen, blonden Haar im Stadion.

Die Unternehmerin begnügt sich allerdings nicht damit, am Spielfeldrand mitzufiebern. Die Eigentümerin der Münchener Schörghuber-Gruppe redet kräftig mit. Nicht bei sportlichen Fragen, natürlich. Wenn der Club neue Kicker verpflichtet, dann nimmt sie das lediglich wohlwollend zur Kenntnis. Sie meldet sich vielmehr dann zu Wort, wenn es ums große Ganze geht. Die 59-Jährige ist stellvertretende Vorsitzende des Verwaltungsbeirats, einer Art Vertretung der 290.000 Mitglieder – als erste und einzige Frau in einer hochkarätig besetzten Männerrunde. „Für uns ist sie wichtig, weil ihr unternehmerischer Rat Gold wert ist“, betonte Bayern-Präsident Uli Hoeneß einmal in einem Interview. Sie selbst hält etwas anderes für bedeutsam: „Dem FC Bayern tut es gut, wenn da eine Frau zwischendrin sitzt.“

Es ist alles andere als selbstverständlich, dass Schörghuber an der Seite von gestandenen Mannsbildern wie dem ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber oder dem früheren Siemens-Chef Heinrich von Pierer die Geschicke des FC Bayern lenkt. Bis zum 25. November 2008 hatte kaum jemand in der Öffentlichkeit von der in Frankfurt geborenen Pfarrerstochter Notiz genommen. Doch dann stirbt ihr Mann, Stefan Schörghuber, völlig unerwartet mit 47-Jahren an einem Herzinfarkt. Über Nacht muss die gelernte Hotelkauffrau einen Konzern mit mehr als 6.000 Mitarbeitern führen.

Doch Alexandra Schörghuber zögert nicht. Nur wenige Stunden nach dem Tod ihres Mannes tritt sie vor die Mitarbeiter: „Die Schörghuber-Unternehmensgruppe wird bleiben, was sie ist“, beteuert sie. Und fügt mit Nachdruck hinzu: „Mein Mann stand bei Mitarbeitern und Geschäftspartnern für Verlässlichkeit, Stabilität und langfristiges Denken und Handeln. Ich werde dafür sorgen, dass diese Werte auch in Zukunft unser Handeln bestimmen.“
Fast zehn Jahre sind vergangen, und es zeigt sich: Die Unternehmerin hat Wort gehalten. Mehr noch: Das Erbe ihres Gatten hat Alexandra Schörghuber nicht nur bewahrt, sie hat es umsichtig gemehrt, mutig eigene Akzente gesetzt und dem Konzern damit neue Wachstumschancen eröffnet. So wie mit ihrer großen Lachszucht in Chile, mit der sie eine ganz neue Sparte in der Gruppe geschaffen hat. Oder dem riesigen Brauereineubau in München, wo sie 300 Millionen Euro investierte, damit Paulaner mit seinem berühmten bayerischen Weißbier weltweit neue Kunden gewinnen kann. Das Luftfahrtgeschäft hingegen, ein Steckenpferd des Unternehmensgründers Josef Schörghuber, stellte sie kurzerhand ein, zu klein erschien ihr die Sparte im weltweiten Wettbewerb.

Die Führung der Dachgesellschaft, der Schörghuber Stiftung & Co. Holding KG, hat sie zwar schon kurz nach dem Todesfall Klaus Naeve übertragen, dem langjährigen Steuerberater und engem Vertrauten der Familie. Den Chefposten habe sie sich „nicht zugetraut“, gesteht sie. Als stellvertretende Vorstandsvorsitzende ist sie jedoch nah am Tagesgeschäft dran. „Ich bin mittendrin“, betont sie, dadurch sei ihr Unternehmen schnell und wendig. „Mir muss nichts erklärt werden.“ Gleichzeitig füllt sie als Chefin des Stiftungsrates die Rolle der Aufsichtsratsvorsitzenden aus.

Ein in Deutschland ungewöhnliches Konstrukt. Doch was ist schon normal in einem Familienunternehmen? Schließlich beruht der Erfolg ja häufig gerade darauf, mit den Konventionen zu brechen. So sei auch ihr Unternehmen nicht nach einem groß angelegten Plan entstanden, betont Schörghuber. Es habe sich halt so ergeben. In der Tat, die Schörghuber-Gruppe besteht heute aus vier Sparten, die wenig miteinander zu tun haben, aber nach und nach dazustießen: erst die Bau- und Immobilien‧sparte, dann die Hotels, später folgten die Brauereien, zuletzt die Lachszucht in Südamerika.

2016 erzielt die Gruppe einen Umsatz von 768 Millionen Euro und einen Gewinn von 74 Millionen Euro. Dazu kommen knapp 630 Millionen Euro Umsatz der Brauereisparte, eines Joint Ventures, an dem die niederländische Heineken-Brauerei 30 Prozent hält. Die Zahlen schwanken von Jahr zu Jahr stark, das hängt vor allem mit großen Projekten der Bau- und Immobiliensparte zusammen. So lag der Umsatz – ohne die Getränkesparte – im Jahr zuvor noch bei knapp einer Milliarde Euro, der Überschuss bei 120 Millionen Euro.

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