Laudatio auf Alexandra Schörghuber „Ein echtes tiefgreifendes Interesse“

Alexander Schörghuber ist in die Hall of Fame der Familienunternehmen aufgenommen. Hubertine Underberg-Ruder über eine Unternehmerin, die weiß, was es heißt, Krisen als Chancen zu begreifen.
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„Sie wissen um die Wichtigkeit täglich gelebter Disziplin und Belastbarkeit.“ Quelle: Thorsten Jochim für Handelsblatt
Alexandra Schörghuber (links) und Hubertine Underberg-Ruder

„Sie wissen um die Wichtigkeit täglich gelebter Disziplin und Belastbarkeit.“

(Foto: Thorsten Jochim für Handelsblatt)

Hall of Fame“ – „die Ruhmeshalle“ – nämlich die der Familienunternehmen. Sie, sehr geehrte Frau Schörghuber, haben zunächst gezögert und dann diese Ehrung angenommen. Darüber freuen wir uns alle heute Abend! – Sie sagten mir, das sei „Anerkennung von der ,richtigen‘ Seite“! Wieso? – Was ist denn das Besondere an dieser „Hall of Fame“? Was eint alle dort Versammelten?

Eines ist sicher die Tatsache, dass für alle das Unternehmen und seine Ausrichtung der Motor ihres Handelns ist und nicht der Ruhm. Gute fünf Minuten, um Alexandra Schörghuber zu ehren – ich werde also ein „Destillat“ erstellen – ein Destillat anhand von Zitaten. Das erste Zitat, das ich mir in unserem Telefonat zur Vorbereitung dieser Laudatio notiere, ist der Satz: „Weil ich Menschen mag.“ Und wie Sie das sagen, beeindruckt mich! Das nehme ich, das nimmt man Ihnen einfach ab!

„Krise als Chance“, Sie haben es als etwas ganz Selbstverständliches angesehen, direkt nach dem plötzlichen Tod Ihres Mannes die Verantwortung zu übernehmen. Sie haben nicht einmal zwölf Stunden später mit den Mitarbeitern gesprochen. Schon zu Lebzeiten waren Sie mit Ihrem Mann stets über das Unternehmen im Gespräch. Im „Family Office“ waren Sie zuvor schon unternehmerisch tätig. Aktivitäten wie die Lachsfarm lagen da bereits in Ihren Händen…Bei einem anderen Zitat stutze ich: „Ich wurde also nicht ins kalte Wasser geworfen.“ Mir schießt die Frage durch den Kopf… „Was empfindet Frau Schörghuber denn schon als warm? 15 Grad Celsius?“

Wie auch immer – dank Ihrer Ausbildung in der Gastronomie wissen Sie um die Wichtigkeit täglich gelebter Disziplin und Belastbarkeit. Eigenschaften, die Sie wie auch Urteilskraft und Entscheidungsfreude ohnehin besitzen.

Hierher gehören Aussagen von Ihnen wie: „Ich bin – Gott sei Dank – kein ängstlicher Mensch“ oder „Ich traue mich aber auch, wenn ich etwas nicht verstehe, den Männern zu sagen: Erklären Sie mir das einmal“.
Sie erwarten Transparenz und Offenheit, Sie möchten ungefilterte Informationen. Umgekehrt sind Sie auch bereit, Transparenz und Offenheit zu leben. So wurde auf Ihre Initiative hin 2011 erstmalig in der über 60-jährigen Firmengeschichte der Geschäftsbericht publiziert.

Ihr Unternehmen wurde von Ihrem Schwiegervater in so unterschiedlichen Feldern wie Bau, Hotel und Bier aufgebaut. Fest steht, dass Ihr Schwiegervater für jedes seiner Geschäftsfelder ein echtes, tiefgreifendes Interesse hatte – genau wie Sie, sehr geehrte Frau Schörghuber, schon von Beginn an für die Lachse.

Das ist auffallend – Interesse! Das echte Interesse des Eigentümers – welche Rolle spielt es in unseren Vorstellungen von Wirtschaft? Taugt es als Strategiekriterium, oder ist es sogar Vorbedingung? Ihr Unternehmen lässt mich jedenfalls dafür plädieren, dass ein solches, nachhaltiges – durchaus auch breiter gefächertes – Interesse ein Kriterium sein kann und soll.

Eine einzigartige Erfolgsgeschichte
Josef Schörghuber (r.) mit Herbert von Karajan
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Wenn man verstehen will, wer und was sich alles hinter dem Namen Schörghuber verbirgt, lohnt ein Blick zurück. Zurück zur Gründung des Familienunternehmens und zu dessen Ausbau durch Josef Schörghuber, zu der nach 1995 von Sohn Stefan Schörghuber geprägten Periode der Strukturierung und der Internationalisierung des Unternehmensverbundes, bis hin zum Wirken Alexandra Schörghubers seit 2008. Meilensteine des Bau- und Brauimperiums...

Josef Schörghuber: der Gründer
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Nach einer Lehre in der Schreinerei seines Vaters in Mitterham bei Mühldorf zieht Josef Schörghuber 1937 im Alter von 17 Jahren nach München. Zunächst arbeitet er in einer Zimmerei, später beginnt er ein Studium als Bauingenieur. Doch Kriegsdienst und Gefangenschaft verzögern seinen Abschluss. Mit dem Diplom in der Tasche baut Schörghuber sein erstes Wohnhaus in München mit 27 Einheiten.

Arabellapark in München
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1954 gründet Josef Schörghuber in München die Bayerische Hausbau. Mit der Bauträgergesellschaft legt der Bauingenieur und Zimmermann den Grundstein für die Unternehmensgruppe. Vier Jahre später, 1958, entdeckt der passionierte Hobbyflieger aus dem Flugzeug heraus eine große unbebaute Fläche im Nordosten Münchens, das Areal des heutigen Arabellaparks.

1965
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Grundsteinlegung für das bis heute bedeutendste Projekt der Bayerischen Hausbau, den Arabellapark, ist 1965. Schörghuber will eine „Stadt in der Stadt“ schaffen, in der Wohnen, Leben und Arbeiten vereint sind. Vorbild dafür sind am Reißbrett entworfene Städte, die er auf Reisen in Amerika kennengelernt hat.

Arabellapark 1982
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Der Arabellapark entwickelt sich zu einem lebendigen Quartier, in dem heute einige bekannte Unternehmen residieren, darunter die Hypo-Vereinsbank, Burda, der Agrarkonzern Baywa sowie natürlich die Schörghuber-Gruppe selbst. Etwa 10.000 Münchener wohnen heute im Arabellapark, darüber hinaus beschäftigen die Firmen auf dem 40 Hektar großen Areal 18.000 Menschen.

1968
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Der Unternehmer engagiert sich zunächst im Linienflug-Geschäft mit einer Beteiligung an der Bavaria Fluggesellschaft, zwei Jahre später kauft er den Charterflieger Germanair.

Richtfest Arabellahaus 1969
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Das sogenannte Arabellahaus im Arabellapark eröffnet im Jahr 1969, darin auch das erste Hotel von Schörghuber. Das Hochhaus mit seinen 23 Stockwerken ist bis heute eines der markantesten modernen Gebäude in München. Es beherbergt neben mehreren Hundert Wohnungen das „Sheraton München Arabellapark Hotel“ sowie Büros und Arztpraxen. Unternehmer Schörghuber findet schnell Gefallen an der Gastronomie und besitzt drei Jahre später bereits fünf Hotels in München und dem Umland.

Kehren wir zurück zu Ihrer Person, zu Ihren individuellen „Erfolgszutaten“. Da ist Ihre Tatkraft, „drei, vier Quertreiber …, die Politik gegen das Unternehmen als Ganzes gemacht haben“, herauszunehmen, und das zügig zu tun – erst dann gelingt der Neustart. Sie wissen: „Wichtig ist – das Umfeld zieht mit!“ Das Umfeld, das sind die Mitarbeiter und natürlich die Familie, „die immer schnell zur Stelle ist“. So auch heute Abend! Wunderbar!

„Das Vermögen dient dazu, meinen Mitarbeitern und mir unternehmerische Spielräume zu eröffnen.“ Diese, Ihre Überzeugung teilt man in der Hall of Fame der Familienunternehmen. Ebenso wie Dankbarkeit über die glückliche Hand und das Erreichte.

Dr. Hubertine Underberg-Ruder ist Präsidentin des Verwaltungsrats der Underberg AG.

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