Siegfried Meister Fliegender Freund der Kunden

Der 2017 verstorbene Gründer von Rational setzte sich schon mal persönlich ins Cockpit, wenn ein Dampfgarer ausfiel. Dafür liebten ihn die Kunden, respektierten ihn die Mitarbeiter – und dankten ihm die Anleger.
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Der Rational-Gründer schuf aus einem Handwerksbetrieb einen MDax-Konzern. Quelle: Agency People Image
Siegfried Meister

Der Rational-Gründer schuf aus einem Handwerksbetrieb einen MDax-Konzern.

(Foto: Agency People Image)

HamburgAusgerechnet das Probegerät bei der Bundeswehr machte mächtig Ärger. Dabei hatte Siegfried Meister die Armee auf einer Gastro-Messe in Hamburg davon überzeugt, seiner Erfindung eine Chance zu geben, den Multidämpfer in der Großküche für die Soldaten einzusetzen. Doch jetzt streikte der Heizkörper in der Bundeswehr-Versuchsküche in Glücksstadt. Ohne Heizkörper bleibt die Küche kalt, ohne Hitze nützt der beste Dampfgarer nichts. Kein Wunder, dass die Bundeswehr-Köche schon früh morgens enttäuscht in der Zentrale von Meisters Firma Rational anriefen.

Der Unternehmer zögerte nicht lange: Wozu hatte er einen Flugschein? Kurzentschlossen räumte er einen Heizkörper in sein Sportflugzeug, ließ einen Monteur zusteigen und flog in Bayern los. Um elf Uhr vormittags landete er, der Inhaber persönlich, bei der Bundeswehr in Glücksstadt. Ein treuer Großkunde war gewonnen.

Es sind ja oft die schwierigen Situationen, in denen ein Unternehmer beweist, was ihn ausmacht. Für den im Juli 2017 verstorbenen Meister war dieser Tag Ende der 1970er-Jahre ein solcher Punkt. Wie er das Unglück wendete, zeigt seine Klasse. Die Begebenheit ist eine in der Reihe vieler, über die der Bayer aus einem kleinen Handwerksbetrieb den MDax-Konzern Rational AG schuf, den Marktführer für Kombidämpfer für die Gastronomie. „Er hat die Welt der Speisenzubereitung verändert und damit die Welt, in der wir leben“, lobt Stefan Heidbreder, Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen, in seiner Laudatio.

Das anpackende Wesen, die klare Vision – das zeichnet einen Gründer aus. Vielleicht ist es die Zeit, die ungewöhnlich ist an der Biografie von Siegfried Meister. Der Bayer gründet sein Unternehmen 1973 – im Jahr der ersten Ölkrise. Solch ein Erfolg gelingt in Deutschland eher zu Beginn der Industrialisierung, im Wirtschaftswunder nach dem zweiten Weltkrieg – oder gelegentlich in einem digitalen Start-up. Aber Anfang der 1970er-Jahre? Meisters Lebenswerk, die Rational AG, bildet da zusammen mit dem Softwarekonzern SAP eine der wenigen Ausnahmen. Beide Unternehmen, so rechnet Heidbreder vor, sind heute ähnlich profitabel.

Den Ausschlag zur Gründung gibt, so erinnern sich Weggefährten, die Unzufriedenheit über die Handlungsmöglichkeiten im alten Job. Für die damals florierende Schnellimbiss-Kette Wienerwald entwickelt Meister Öfen, in denen die Hähnchen fast doppelt so schnell knusprig wurden wie in herkömmlichen Geräten. Doch Meister fehlt die Herausforderung. Eigentlich hatte er ja Pilot werden wollen, doch die Mutter war dagegen. Schließlich war der Vater im Krieg gefallen. Der Sohn sollte einen ungefährlichen Beruf ergreifen.

„Man hat es gut bei ihm gehabt“
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