Der moderne Mann
Angestellter Ihrer Majestät

In seiner Freizeit geht Herr K. nicht oft ins Kino, aber den neuen Bond-Film lässt er sich nicht entgehen. Denn irgendwie kann er sich mit James Bond identifizieren. Ob Herr Bond wohl Hobbys hat und auch den Müll trennt?

James Bond alias Daniel Craig ist 47 Jahre alt und damit etwa so alt wie Herr K., der sich fragt, warum er gerade diese Filmfigur so schätzt. Er geht nicht mehr oft ins Kino, aber der jeweils neue Bond ist ein Muss. Wegen der Action? Wegen der Frauen, die hier immer noch etwas angestrengt "Girls" heißen? Wegen der Schleichwerbung, die hier ja nicht mehr schleicht, sondern galoppiert? Ach, als ob das alles wichtig wäre!?

Herr K. sitzt allein in der Spätvorstellung des Multiplex-Wahnsinns in seiner Nachbarschaft und weiß, dass die Antwort viel einfacher ist: Herr Bond ist letztlich wie er selbst Führungskraft und Angestellter gleichermaßen. Schwerpunkt: Befehlsempfänger. Das schafft weit größere Identifikationsmöglichkeiten als andere Superhelden.

Batman zum Beispiel ist ein ultrareicher Erbe mit ausgeprägten Psychosen. Wer sich in Gummianzügen von Dächern stürzt, sollte sich dringend in ärztliche Obhut begeben. Iron Man ist als blasierter Super-Unternehmer dagegen eine Mischung aus Donald Trump und Dagobert Duck. Über die Probleme von Hulk bis Spiderman wollen wir hier jetzt mal schweigen. Verglichen damit ist Bond fast ein normaler Mann.

Nur wo andere wie Herr K. eben BWL studiert haben, hat er vielleicht einen Agenten-Bachelor gemacht, später an einer osteuropäischen Fernuni die Lizenz zum Töten erworben (dort kriegt man ja alles) und nun immer Ärger wegen seiner exorbitanten Spesenabrechnungen.

Das kennen wir Angestellten alle: Irgendwie hatte der Dienst-Laptop auf einmal diese komische Delle. Und irgendwie lag plötzlich eben die halbe Innenstadt von Mexico-City in Schutt und Asche. So beginnen die ersten Minuten von "Spectre", was zu Hause in London versicherungstechnisch für allerlei Ärger sorgt. Wenn Herr K. nur daran denkt, wie er mit seinem Dienstwagen mal in der Tiefgarage ...

Dauernd werden wir Angestellten wie Bond mit unlösbaren Aufträgen konfrontiert ... im Dienste welcher Majestät auch immer. Gut, bei 007 ist es die Ausschaltung des globalen Bösen an sich, während Herr K. oft nur mit den Idioten aus der IT konfrontiert wird. Aber letztlich ist das alles dasselbe, weshalb er sich umgekehrt gern vorstellt, wie wohl Bonds Angestelltendasein nach Dienstschluss aussieht.

In "Spectre" sieht man ihn mal zu Hause. Trennt er den Müll? Verrotten in seinem Kühlschrank die aufgerissenen Marmeladen? Hat er Hobbys? Müsste er sich mal mit seiner Agenten-Rentenkasse in Verbindung setzen, weil die letzte Jahresabrechnung ...

Und während Bond sich über zwei Stunden lang durch die Welt bombt und prügelt und ein bisschen küsst, ist Herr K. doch ganz froh, dass der Berufsalltag ihm wenigstens nicht dermaßen auf Knie- und Bandscheiben schlägt. Daniel Craig wäre beim nächsten Film schon über 50 Jahre alt. Physisch wird’s langsam eng. Am Ende des Films sieht er sehr erschöpft aus. Herr K. geht in dieser Nacht doch recht zufrieden nach Hause.

Als Herr K. Abitur machte, waren Computer noch etwas für die komischen Typen aus der Informatik AG. Damals kriegten die kein Mädchen ab, heute kontrollieren sie Hidden Champions im Bereich Business Solutions mit Standorten auf drei Kontinenten. Es gab noch keine Smartphones, kein Internet, keine Generation Y, nur Kassettenrecorder, Wählscheibentelefone und sogar die DDR. Patchwork war allenfalls Omas Auslegeware. Herr K. ist - beruflich wie privat - bisweilen irritiert von dieser sich rasant verändernden Welt, will sich aber nichts anmerken lassen. Er ist jetzt in einem Alter, in dem es um letzte Fragen geht: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Und wie viel Bonusmeilen gibt's auf dem Weg dorthin? Diese Kolumne will künftig die Antworten liefern.

Anregungen für Herrn K. bitte an: herr.k@handelsblatt.com oder folgen Sie Herrn K. auf Twitter: @herrnK

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